Köthen

Hunderte Menschen bei Kundgebungen in Köthen und Halle

Autor: 
dpa
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
11. September 2018
Teilnehmer einer Kundgebung in Köthen.

Teilnehmer einer Kundgebung in Köthen. ©dpa - Ralf Hirschberger

Nach dem Streit zwischen zwei Männergruppen und dem Tod eines Deutschen im sachsen-anhaltischen Köthen gehen die Ermittlungen zu den Hintergründen weiter. Am Montagabend hatten sich an einem weiteren sogenannten Trauermarsch nach Polizeiangaben bis zu 550 Menschen beteiligt.

Diesen hatte der AfD-Abgeordnete Hannes Loth unter dem Titel «Wir trauern» angemeldet. Die mit einem Großaufgebot angerückte Polizei sprach nach ersten Erkenntnissen von einem eher friedlichem Verlauf, während es bei einer Montagsdemo in Halle zu hässlichen Szenen kam.

Wie schon am Vortag kreiste über Köthen, einer Stadt mit gut 26.000 Einwohnern, ein Hubschrauber. Eine Reiterstaffel der Polizei ritt durch die Innenstadt. Auch ein Wasserwerfer stand bereit. Landesinnenminister Holger Stahlknecht (CDU) sprach von mehreren hundert beteiligten Polizisten, darunter Beamte aus Niedersachsen, Hessen, Schleswig-Holstein, Berlin und Thüringen.

Nach einer Schweigeminute und einer kurzen Kundgebung auf dem Markt zogen die Teilnehmer durch die Innenstadt zu dem Schauplatz der Auseinandersetzung, einem Spielplatz. Dort wurde ein Kranz der AfD Sachsen-Anhalt im Gedenken an den 22-jährigen Toten niedergelegt - den Bruder eines bekannten Rechtsextremen aus Köthen. Tags zuvor waren bei einer ersten Spontandemonstration rund 2500 Menschen zusammengekommen. Unter den Demonstranten waren nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden zwischen 400 und 500 Rechtsextreme aus Sachsen-Anhalt, Thüringen und Niedersachsen.

Dem Augenschein nach beteiligten sich am Montagabend vor allem Menschen aus Köthen und der Region an der AfD-Kundgebung. Laut Polizei gab es zunächst keine Strafanzeigen. Im Zusammenhang mit der Demonstration am Vortag hatte die Polizei zunächst zehn Anzeigen registriert. Innenminister Stahlknecht zog ein positives Fazit. «Wir haben die Versammlungsfreiheit garantiert und einen starken Staat demonstriert», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Er dankte allen Polizisten.

Der Linken-Bundestagsabgeordnete Jan Korte aus dem Wahlkreis Anhalt äußerte sich besorgt zu den Vorfällen in Köthen. «Rechtsextremismus ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Da macht man sich einen schlanken Fuß zu sagen, das ist nur ein ostdeutsches Problem», betonte er im Interview mit der «Oldenburger Nordwest-Zeitung». (Dienstag). «Wichtig ist die Analyse, was passiert in unserem Land eigentlich? Das hat mit Alltagsrassismus zu tun, aber auch mit ökonomischen und sozialen Fragen.»

- Anzeige -

Verfassungswidrige Symbole gezeigt

Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler war es in der Nacht zu Sonntag an dem Spielplatz zum Streit zwischen mindestens zwei afghanischen Staatsbürgern und mindestens zwei Deutschen gekommen. Am Ende war der 22-Jährige tot. Er starb nach Behördenangaben an Herzversagen. Wie genau es dazu kommen konnte, ist bislang nicht zweifelsfrei geklärt. Die Polizei nahm zwei Afghanen im Alter von 18 und 20 Jahren fest.

Im sächsischen Chemnitz hatte zwei Wochen zuvor ein ähnlicher Fall zwei Tage lang zu Spontandemos mit rechtsextremer Beteiligung und Gewaltausbrüchen geführt. Nach den Vorfällen in Chemnitz und Köthen mobilisierte die rechte Szene ihre Anhänger auch verstärkt für eine Demonstration in Halle. Dort wurden am Montag aus dem Protestzug heraus verfassungswidrige Symbole der rechten Szene gezeigt und Polizisten attackiert. Die Polizei leitete zehn Ermittlungsverfahren ein, unter anderem wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Körperverletzung.

Demnach wurde bei der Montagsdemo in Halle mehrfach der Hitler-Gruß gezeigt und von einigen der rund 450 Teilnehmer «Sieg Heil» gerufen. Manche Demonstranten seien stark alkoholisiert gewesen und hätten Polizisten bespuckt. Außerdem sei es zu Handgreiflichkeiten unter Demonstranten gekommen. Wieviele der Teilnehmer Rechtsradikale waren, vermochte die Polizei zunächst nicht zu sagen. Neben der Montagsdemo gab es demnach eine Gegenveranstaltung der linken Szene mit 80 bis 100 Teilnehmern, die aber friedlich geblieben sei.

 

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
03.01.2019
Die eigene Firma zu gründen ist auch dank der Digitalisierung heute nicht mehr schwer – aber wie geht es dann weiter? Wie kleine und mittelständische Firmen erfolgreich werden, zeigen zwei Jungunternehmer bei einem Vortrag am 26. Januar in der Offenburger Oberrheinhalle.
27.12.2018
Abenteuer-Indoor-Spielplatz
Wer möchte seinen Kindern zum Geburtstag nicht gern etwas ganz Besonderes bieten? Im Kiddy Dome in Schutterwald ist das möglich. Denn nicht nur an ihrem großen Tag sind die Kinder in diesem Abenteuer-Indoor-Kinderspielplatz die Könige. 
27.12.2018
Wie wir nachts schlafen bestimmt, wie unser Tag verläuft – und deshalb ist gesunder Schlaf auch so wichtig. Das eigene »Bett nach Maß« klingt fast wie ein Traum – doch Leitermann Schlafkultur ist Spezialist auf diesem Gebiet und macht es möglich.
18.12.2018
Eine Mission im Team
Ein verschlossener Raum, ein kniffliges Rätsel und nur 60 Minuten Zeit, um es zu lösen und so wieder nach draußen zu gelangen: Willkommen bei Escape Rooms Exitpark in der Ortenau.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

vor 4 Stunden
Interview der Mittelbadischen Presse
Mit den Briten kennt sich David McAllister  aus, denn er besitzt die deutsche und die britische Staatsbürgerschaft. Umso mehr entsetzt den EU-Parlamentarier und früheren CDU-Ministerpräsidenten von Niedersachsen, was gerade in London passiert.   
Sergei Lawrow während seiner jährlichen Pressekonferenz in der russischen Hauptstadt.
vor 14 Stunden
Moskau
Im Streit über den wichtigen Abrüstungsvertrag zum Verbot von Mittelstreckenwaffen wirft Russland den USA vor, russische Lösungsvorschläge zu ignorieren.
Auf der Schweizer Schwägalp ist ein Gebäude von den Schneemassen fast vollständig umgeben.
vor 15 Stunden
Offenbach/Berchtesgaden
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hält die starken Schneefälle im Alpenraum der vergangenen Tage zwar für ungewöhnlich, sie seien aber kein «außergewöhnliches» Wetterereignis gewesen.
Arbeitsmaterialien auf dem Tisch einer Vorbereitungsklasse mit Flüchtlingen.
vor 16 Stunden
Berlin
Die überwältigende Mehrheit der Menschen in Deutschland findet es nach einer neuen OECD-Befragung wichtig, dass Zuwanderer Lebensgewohnheiten der Einheimischen übernehmen.
vor 16 Stunden
Kommentar des Tages
Das britische Parlament hat das Brexit-Abkommen abgelehnt – und das war ebenso vorhersagbar wie vermeidbar und daher nicht notwendig. Die Premierministerin hat aktiv gegen eine Mitarbeit des Parlaments gearbeitet und sich damit verzockt.
vor 17 Stunden
Nachrichten
Nach einem tödlichen Lkw-Unfall auf der A8 bei Pforzheim sollen Schaulustige die Tür des Rettungswagens geöffnet haben, um einen Verletzten aus der Nähe betrachten und möglicherweise auch fotografieren zu können.
Eine künstlerische Darstellung zeigt die Röhre der neuen Anlage, die in einem 100 Kilometer langen ringförmigen Tunnel teils unter dem Genfer See verlaufen soll.
vor 18 Stunden
Genf
Physiker am größten Teilchenbeschleuniger der Welt planen ein Zukunftsprojekt mit gigantischen Ausmaßen - und Kosten.
vor 18 Stunden
Nachrichten
Bundesweit werden händeringend Lehrer gesucht. Im Südwesten greift das Land notgedrungen auf Lehrer zurück, die keine vollständige Ausbildung haben. Sie sollen aber die Ausnahme bleiben.
Peter Altmaier (CDU), Bundesminister für Wirtschaft und Energie.
vor 18 Stunden
Berlin
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat vor einer digitalen Spaltung in Deutschland gewarnt.
Labour-Chef Jeremy Corbyn vor der Abstimmung über die Brexit-Vereinbarung der Premierministerin.
vor 19 Stunden
London
Im jahrelangen Brexit-Drama der Briten hat Jeremy Corbyn eine der widersprüchlichsten Rollen. Bereits Jahrzehnte, bevor der einst notorisch querschießende Hinterbänkler an die Spitze der oppositionellen Labour-Partei rückte, war er als EU-Skeptiker bekannt.
Die Titelseiten von britischen Tageszeitungen am Tag nach der Abstimmung über den Brexit-Deal.
vor 21 Stunden
Berlin
Nach dem Nein des britischen Parlaments zum Brexit-Deal von Premierministerin Theresa May sind nicht nur Menschen in Großbritannien verunsichert. Die internationale Presse reagiert mit Unverständnis, Verwunderung und Ungeduld. Auch an guten Ratschlägen mangelt es nicht:
Oenothera drummondii, eine Nachtkerzenart, reagiert auf Schwirrgeräusche von Bienen.
vor 21 Stunden
Tel Aviv
Schwirrgeräusche von Bienen oder Faltern regen bestimmte Blumen zur Produktion von süßerem Nektar an. Israelische Forscher hatten Oenothera drummondii - eine Nachtkerzenart - genauer unter die Lupe genommen.