Köthen

Hunderte Menschen bei Kundgebungen in Köthen und Halle

Autor: 
dpa
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
11. September 2018
Köthen: Teilnehmer einer Kundgebung für den 22-Jährigen.

Köthen: Teilnehmer einer Kundgebung für den 22-Jährigen. ©dpa - Ralf Hirschberger

Nach dem Streit zwischen zwei Männergruppen und dem Tod eines Deutschen im sachsen-anhaltischen Köthen gehen die Ermittlungen zu den Hintergründen weiter. Am Montagabend hatten sich an einem weiteren sogenannten Trauermarsch nach Polizeiangaben bis zu 550 Menschen beteiligt.

Diesen hatte der AfD-Abgeordnete Hannes Loth unter dem Titel «Wir trauern» angemeldet. Die mit einem Großaufgebot angerückte Polizei sprach nach ersten Erkenntnissen von einem eher friedlichem Verlauf, während es bei einer Montagsdemo in Halle zu hässlichen Szenen kam.

Wie schon am Vortag kreiste über Köthen, einer Stadt mit gut 26.000 Einwohnern, ein Hubschrauber. Eine Reiterstaffel der Polizei ritt durch die Innenstadt. Auch ein Wasserwerfer stand bereit. Landesinnenminister Holger Stahlknecht (CDU) sprach von mehreren hundert beteiligten Polizisten, darunter Beamte aus Niedersachsen, Hessen, Schleswig-Holstein, Berlin und Thüringen.

Nach einer Schweigeminute und einer kurzen Kundgebung auf dem Markt zogen die Teilnehmer durch die Innenstadt zu dem Schauplatz der Auseinandersetzung, einem Spielplatz. Dort wurde ein Kranz der AfD Sachsen-Anhalt im Gedenken an den 22-jährigen Toten niedergelegt - den Bruder eines bekannten Rechtsextremen aus Köthen. Tags zuvor waren bei einer ersten Spontandemonstration rund 2500 Menschen zusammengekommen. Unter den Demonstranten waren nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden zwischen 400 und 500 Rechtsextreme aus Sachsen-Anhalt, Thüringen und Niedersachsen.

Dem Augenschein nach beteiligten sich am Montagabend vor allem Menschen aus Köthen und der Region an der AfD-Kundgebung. Laut Polizei gab es zunächst keine Strafanzeigen. Im Zusammenhang mit der Demonstration am Vortag hatte die Polizei zunächst zehn Anzeigen registriert. Innenminister Stahlknecht zog ein positives Fazit. «Wir haben die Versammlungsfreiheit garantiert und einen starken Staat demonstriert», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Er dankte allen Polizisten.

- Anzeige -

Der Linken-Bundestagsabgeordnete Jan Korte aus dem Wahlkreis Anhalt äußerte sich besorgt zu den Vorfällen in Köthen. «Rechtsextremismus ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Da macht man sich einen schlanken Fuß zu sagen, das ist nur ein ostdeutsches Problem», betonte er im Interview mit der «Oldenburger Nordwest-Zeitung». (Dienstag). «Wichtig ist die Analyse, was passiert in unserem Land eigentlich? Das hat mit Alltagsrassismus zu tun, aber auch mit ökonomischen und sozialen Fragen.»

Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler war es in der Nacht zu Sonntag an dem Spielplatz zum Streit zwischen mindestens zwei afghanischen Staatsbürgern und mindestens zwei Deutschen gekommen. Am Ende war der 22-Jährige tot. Er starb nach Behördenangaben an Herzversagen. Wie genau es dazu kommen konnte, ist bislang nicht zweifelsfrei geklärt. Die Polizei nahm zwei Afghanen im Alter von 18 und 20 Jahren fest.

Im sächsischen Chemnitz hatte zwei Wochen zuvor ein ähnlicher Fall zwei Tage lang zu Spontandemos mit rechtsextremer Beteiligung und Gewaltausbrüchen geführt. Nach den Vorfällen in Chemnitz und Köthen mobilisierte die rechte Szene ihre Anhänger auch verstärkt für eine Demonstration in Halle. Dort wurden am Montag aus dem Protestzug heraus verfassungswidrige Symbole der rechten Szene gezeigt und Polizisten attackiert. Die Polizei leitete zehn Ermittlungsverfahren ein, unter anderem wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Körperverletzung.

Demnach wurde bei der Montagsdemo in Halle mehrfach der Hitler-Gruß gezeigt und von einigen der rund 450 Teilnehmer «Sieg Heil» gerufen. Manche Demonstranten seien stark alkoholisiert gewesen und hätten Polizisten bespuckt. Außerdem sei es zu Handgreiflichkeiten unter Demonstranten gekommen. Wieviele der Teilnehmer Rechtsradikale waren, vermochte die Polizei zunächst nicht zu sagen. Neben der Montagsdemo gab es demnach eine Gegenveranstaltung der linken Szene mit 80 bis 100 Teilnehmern, die aber friedlich geblieben sei.

 

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

vor 56 Minuten
Zeugen gesucht
Er soll auf einer Party in Rastatt aufgekreuzt sein und mindestens einen Gast mit einer Waffe bedroht haben, nun sucht die Polizei den bislang Unbekannten. Die Hintergründe zur mutmaßlichen Tat sind bislang völlig unklar.
vor 1 Stunde
Nachrichten
Aus einem kostenlosen Transport für Schüler im Südwesten wird nichts. Das stellt jetzt der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim klar. Die Landkreise dürften aufatmen. Die Kläger wollen sich noch nicht geschlagen geben.
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hatte im Juni die Einführung der eigenen Internet-Währung Libra angekündigt.
vor 4 Stunden
Berlin
Das Bundesfinanzministerium hat einem Bericht zufolge Bedenken gegen die digitale Währung des Internetriesen Facebook.
Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Werner Müller ist tot.
vor 4 Stunden
Essen
Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister und Manager Werner Müller ist tot. Er starb in der Nacht zum Dienstag, wie ein Sprecher des Unternehmens Evonik der Deutschen Presse-Agentur bestätigte.
Laut Umfrage spielen die Menschen in Deutschland am liebsten auf dem Smartphone.
vor 4 Stunden
Berlin
Am liebsten spielen die Menschen in Deutschland auf dem Smartphone. Das geht aus Erhebungen der Marktforschungsfirma GfK hervor, die der Branchenverband game am Dienstag veröffentlichte.
In Deutschland haben die Einpersonenhaushalte über die Jahre drastisch zugenommen. Seit 1991 ist die Zahl der Menschen, die alleine ihren Haushalt führen, um 46 Prozent gestiegen.
vor 4 Stunden
Wiesbaden
Für 17,3 Millionen Menschen in Deutschland erübrigt sich die Diskussion, wer gerade mit dem Abwasch dran ist: Sie führen ihren Haushalt allein.
Der Mond ist im Mittel rund 380 000 Kilometer von der Erde entfernt. Sein Durchmesser beträgt etwa 3470 Kilometer - gut ein Viertel der Erde.
vor 5 Stunden
Nachrichten
Schaulustige können in der kommenden Nacht über Deutschland wieder eine partielle Mondfinsternis beobachten. Zwischen 22.00 Uhr am Dienstag und 1.00 Uhr liegen Teile des Erdtrabanten im Kernschatten der Erde und der Mond wird rostrot am Himmel schimmern.
vor 5 Stunden
Interview
Peter Cleiß, Leiter der Beruflichen Schulen Kehl, hat sich stark für für die deutsch-französische Zusammenarbeit bei der Berufsbildung engagiert. Am Donnerstag wird er in den Ruhestand verabschiedet. In unserem Interview zieht er Bilanz – ein Gespräch über Sprachhürden und ein Demokratiedefizit in...
vor 5 Stunden
Nachrichten
Neun Jahre lang soll ein 41-jähriger, mittlerweile ehemaliger, Mitarbeiter der evangelischen Kirche in Staufen hundertfach Jungs sexuell missbraucht haben. Die Polizei hat die Ermittlungen in diesem Fall mittlerweile abgeschlossen. Eine Anklage ist damit bald möglich. Der 41-Jährige ist aber nicht...
Für Ursula von der Leyen kommt es bei der Wahl zur EU-Kommissionschefin auf jede Stimme an.
vor 7 Stunden
Straßburg
Als Überraschungskandidatin für das Amt der EU-Kommissionspräsidentin hatte Ursula von der Leyen nach eigenen Worten einen holprigen Start. Wird daraus doch noch ein Happy End?
Passanten in der Mönckebergstraße in Hamburg.
vor 8 Stunden
Wiesbaden
Im vergangenen Jahr sind 400.000 Menschen mehr nach Deutschland gekommen als weggezogen. Insgesamt gab es 1,58 Millionen Zuzüge aus dem Ausland, während 1,18 Millionen Menschen ins Ausland zogen, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilt.
Spielplatz in Hamburg: In Großstädten wird der Platz für Spielflächen immer knapper.
vor 9 Stunden
Berlin
Mal eben schnell schaukeln oder rutschen - auf Spielplätzen in Großstädten wie Berlin, München oder Hamburg können diese kleinen Vergnügen zur Geduldsprobe für Kinder werden. Denn oft heißt es: Schlangestehen.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Die »Stand-up-Paddle-Boards« sind der Renner des Sommers.
    12.07.2019
    Erhältlich im EMUK Store in Lahr
    Durch einsame Landschaften streifen, sich frei fühlen und die Natur genießen – Camping ist Urlaub der besonderen Art. Doch was sollten Reisende einpacken? Hier sind aktuelle Trends für den Urlaub im Freien – und im Wasser.
  • 11.07.2019
    Edelbrennerei Wurth
    Gin, Whisky, Edelbrände – alles aus der Region, alles aus einer Hand und in höchster Qualität, das verspricht die Edelbrennerei Markus Wurth aus Altenheim. Neben Kooperationen mit heimischen Partnern ist das Familienunternehmen auch im Ausland inzwischen sehr erfolgreich.
  • 10.07.2019
    Offenburg
    Essensstände mit besonderen Leckereien sorgen für Genuss, Musiker und Illumination für Flair: Bei »Genuss im Park« wird der Offenburger Zwingerpark ab Donnerstag, 25. Juli, und bis Samstag, 27. Juli, wieder das stilvolle Ambiente für ein besonderes Fest sein.
  • 06.07.2019
    Ratgeber
    Was tun, wenn eine Krise in unser Leben bricht? Der Ortenberger Unternehmer Joachim Schäfer hat mit der Insolvenz seiner Firma genau das durchleben müssen – und einen Weg heraus gefunden. Seine Erkenntnisse teilt er nun in einem Buch, das nicht ein Autor, sondern nur er schreiben konnte, wie...