Was tun gegen Blasenentzündung?

Immer wieder Thema: Impfung gegen Blasenentzündung

Jörg Zittlau
Lesezeit 4 Minuten
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11. Juni 2024
Bisher ist MV140 nicht in Deutschland zugelassen, aber man kann es sich über internationale Apotheken besorgen (Kosten des Impfdurchlaufs: 380 Euro).

Bisher ist MV140 nicht in Deutschland zugelassen, aber man kann es sich über internationale Apotheken besorgen (Kosten des Impfdurchlaufs: 380 Euro). ©Foto: SENTELLO - stock.adobe.com

Auf dem Europäischen Urologenkongress in Paris haben englische Forscher die erste Langzeitstudie zu dem Impfstoff MV140 vorgestellt. Es handelt sich um eine Art Immunbooster, der nach Ananas schmeckt. Ein dreimonatiger Impfdurchlauf kostet rund 380 Euro. Abnehmer müssen das Präparat selbst bezahlen.

Mehr als die Hälfte aller Frauen hat mindestens einmal im Leben eine Blasenentzündung, auch Zystitis genannt. Bei etwa einem Viertel ist sie rezidivierend. Sie kommt also immer wieder, oft mehrmals pro Jahr, was für viel Verzweiflung sorgt. Eine Impfung macht nun Hoffnung – doch sie erfordert viel Disziplin.

Auf dem diesjährigen Europäischen Urologenkongress in Paris stellten englische Forscher die erste Langzeitstudie zu dem Impfstoff MV140 vor. Er besteht zu gleichen Teilen aus vier Bakterienstämmen, die bei Harninfekten eine Schlüsselrolle spielen. Eine weitere Besonderheit ist jedoch: Die Substanz wird drei Monate lang täglich mit zwei Sprühstößen unter die Zunge verabreicht, die nach Ananas schmecken. Der Patient muss also keinen Piks oder etwas anderes Unangenehmes aushalten.

Die Beobachtung der Forscher: Von den knapp 90 Probanden und – vor allem – Probandinnen, die vorher jährlich von Harninfekten heimgesucht wurden, blieben nach der Impfung mehr als die Hälfte 9 Jahre lang davon verschont.

Recht viel Wasser aus?

Im Durchschnitt dauerte es viereinhalb Jahre, bis es wieder zu einer Infektion kam. „Und von denen, die noch die eine oder andere Infektion bekamen, sagten uns viele, dass sie kein Antibiotikum einnehmen mussten, sondern das Trinken von viel Wasser ausreichte, um sie zu behandeln“, betont Studienleiter Bob Young vom Royal Berkshire Hospital in Reading. Die Krankheit war bei ihnen also nicht komplett verschwunden, aber ihr Schweregrad war heruntergegangen.

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Für Florian Wagenlehner, den Direktor der urologischen Klinik an der Universität Gießen, kommen die Ergebnisse der englischen Studie nicht überraschend: „Sie untermauern, was in den letzten Jahren bereits über MV140 bekannt war.“ Wobei er betont, dass es sich dabei nicht im eigentlichen Sinne um eine Impfung handelt, insofern es nicht zur Bildung spezifischer Antikörper kommt. „Das funktioniert im unteren Harntrakt bisher noch nicht“, erklärt er. „Es handelt sich vielmehr um eine Immunstimulation, also eine Anregung der angeborenen Immunabwehr.“ Wie genau das durch MV140 angestoßen wird, sei noch nicht abschließend geklärt. Aber klar sei, dass der Stoff beim Sprühen unter die Zunge direkt an der dortigen Schleimhaut wirkt. „Und die steht wiederum in Kontakt zu den Schleimhäuten in den Harnwegen, so dass es dort zu einer besseren Immunantwort auf Infekte kommt“, so der Urologe.

Bisher ist MV140 nicht in Deutschland zugelassen, aber man kann es sich über internationale Apotheken besorgen (Kosten des Impfdurchlaufs: 380 Euro). Zudem gibt es hierzulande bereits ein verschreibungspflichtiges Mittel, das ähnlich aufgebaut ist: Uro-Vaxom. Seine Wirksamkeit scheint aber laut Studienlage etwas schwächer zu sein, was an seiner Darreichung – es wird als Hartkapsel geschluckt – liegen könnte.

Dafür verlangt MV140 in der Anwendung – drei Monate lang täglich zwei, manchmal sogar drei oder vier Sprühstöße unter die Zunge – vom Patienten ziemlich viel Disziplin. Da kann sich schon die Frage stellen, ob sich dieser Aufwand lohnt, um vor einer Krankheit zu schützen, die letzten Endes nicht annähernd so gefährlich ist wie Covid-19 oder Pocken.

„Es geht hier um die Steigerung der Lebensqualität“, betont Wagenlehner. Denn die rezidivierende Zystitis – sie zeigt sich durch häufigen Harndrang und brennende Schmerzen beim Wasserlassen – wird von allen Betroffenen als sehr belastend dargestellt. Zudem bedeutet eine erfolgreiche Impfung, dass weniger Antibiotika gegen die Harninfektion zum Einsatz kommen. Rund 20 Prozent aller Antibiotika im klinischen Alltag werden zur Therapie von Harnwegsinfekten verordnet, was erheblich zur Resistenzentwicklung der Bakterien beiträgt, die aktuell zu den drängendsten Problemen der Medizin gehört.

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