Paris

Internet aus dem All: Gibt es bald Netz für alle?

Autor: 
dpa
Lesezeit 5 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
20. Februar 2019
Eine Computergrafik eines OneWeb-Satelliten im Weltall. Das Neue an dem Projekt ist, dass die Satelliten auf eine niedrige Erdumlaufbahn von 1200 Kilometern gebracht werden sollen.

Eine Computergrafik eines OneWeb-Satelliten im Weltall. Das Neue an dem Projekt ist, dass die Satelliten auf eine niedrige Erdumlaufbahn von 1200 Kilometern gebracht werden sollen. ©dpa - WorldVu LLC/Airbus

In der Wüste mal eben kurz die Mails checken, im Dschungel die neusten Nachrichten lesen? An mobiles Internet haben sich die meisten Menschen gewöhnt. Aber es gibt Orte, da würden wohl die wenigsten mit Internetempfang rechnen.

Ganz zu schweigen von nervigen Funklöchern. Neue Projekte versprechen nun, die gesamte Welt mit günstigem Internetzugang zu versorgen - mithilfe von Satelliten im Weltraum. Kann das funktionieren?

OneWeb Satellites heißt ein Vorhaben. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt zwischen dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus und dem US-Telekommunikationsunternehmen OneWeb, hinter dem Internetpionier Greg Wyler steht.

Airbus ist für die Entwicklung der Satelliten zuständig. Am 26. Februar sollen die ersten von ihnen an Bord einer Sojus-Rakete vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana ins All geschossen werden. Hunderte weitere sollen in den kommenden Jahren folgen - mit dem Raketenbauer Arianespace sind aktuell 21 Raketenstarts vereinbart. «Die Konstellation ist auf 900 Satelliten ausgerichtet», erklärt Nicolas Chamussy, Leiter der Raumfahrtsparte von Airbus.

Das Neue an dem Projekt ist, dass die Satelliten auf eine niedrige Erdumlaufbahn von 1200 Kilometern gebracht werden sollen. Aktuell gibt es Satelliten-basiertes Internet in der Regel von sogenannten geostationären Satelliten, die die Erde in mehr als 35.000 Kilometer Entfernung umrunden. Ebenfalls besonders ist, dass die Satelliten in Massenproduktion gefertigt werden - mehrere täglich werden gebaut. Sie sind kleiner und leichter als gewöhnliche Satelliten, daher können mit einem Raketenstart gleich eine Reihe von ihnen ins All befördert werden.

Auf der Erde kommunizieren Benutzerterminals mit den Satelliten im Weltraum. Im Fall von OneWeb funktioniert das über kleine Satellitenschüsseln, die auf dem Dach montiert sind und mit Solarstrom versorgt werden. Sie können 3G-, LTE- oder 5G- Internet sowie Wlan in die Umgebung bringen, verspricht OneWeb.

Wie gut die Qualität des Internets sein wird, lasse sich vorher nicht exakt sagen, erklärt Roland Bless vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). «Weil die Satelliten eine relativ niedrige Umlaufbahn haben, ist davon auszugehen, dass die Verzögerung im Vergleich zu herkömmlichen geostationären Satellitenverbindungen recht kurz sein dürfte.» Eine möglichst geringe Verzögerung ist ein wesentlicher Faktor für schnelles Internet. Allerdings sieht der Experte auch einen Nachteil in der Nähe zur Erde. «Die Funkfrequenzen dürften relativ hoch sein. Das heißt, Wetterbedingungen wie Nebel oder Wolken können die Empfangsbedingungen beeinflussen.»

- Anzeige -

Außerdem müssen die Satelliten regelmäßig ausgetauscht werden, denn ihre Lebenszeit ist begrenzt. Dadurch, so Kritiker, entsteht eine Menge Weltraumschrott. Chamussy von Airbus verweist auf ein französisches Gesetz, wonach ein Satellit, der von Frankreich aus startet oder dort entwickelt wurde, auch wieder aus dem Orbit geholt werden muss. Zwar könne er das nicht für jeden einzelnen der Satelliten garantieren, prinzipiell aber bestehe die Verpflichtung, schon am Anfang der Mission sicherzustellen, dass kein Weltraummüll entsteht.

Nicht nur OneWeb Satellites tüftelt an derartigem Internet aus dem All. Das kanadische Unternehmen Telesat will mit seinem Projekt «Telesat-Leo» ab 2022 weltweiten Service anbieten, ebenfalls mithilfe von Airbus. Auch das amerikanische Raumfahrtunternehmen SpaceX von Tesla-Gründer Elon Musk arbeitet an einem ähnlichen Vorhaben und will mit «Starlink» deutlich mehr Satelliten ins All bringen als OneWeb: Tausende sollen es werden. Erste Satelliten wurden Anfang 2018 mit einer Falcon-9-Rakete ins All gebracht. Wenn die Tests damit erfolgreich sind, soll auch «Starlink» bald starten.

Facebook hatte ein ähnliches, seit 2014 entwickeltes Projekt - die Internet-Drohne «Aquila» - im vergangenen Jahr aufgegeben. Die Fluggeräte hätten monatelang autonom in großer Höhe fliegen sollen. Ein erster Testflug im Jahr 2016 hatte mit einer Bruchlandung geendet. Ein konkurrierendes Projekt mit großen Drohnen war von der Google-Mutter Alphabet schon zuvor aufgegeben worden. Ganz aus dem Rennen ist Alphabet damit aber nicht: An einer Internet-Versorgung mit Ballons wird weiter getüftelt. Die «Loon»-Ballons sollen in rund 18 Kilometern Höhe unterwegs sein, am Boden sind zumeist spezielle Antennen für den Netzempfang nötig.

«Es ist entscheidend, der erste zu sein, der den Service anbietet», sagt Chamussy von Airbus. «Tempo ist der Schlüssel.» Ziel sei es, in den nächsten Jahren so schnell wie möglich sehr viele Satelliten ins All zu bringen. Solange nur ein Bruchteil von ihnen im All ist, funktioniert das Weltraum-Internet nicht richtig. «Das frisst dann nur die Lebenszeit der Satelliten», so Chamussy. Geplant ist dem Unternehmen zufolge, die digitale Kluft weltweit bis spätestens 2027 zu überwinden. An den Start soll das Projekt aber schon viel eher gehen.

Gibt es also in wenigen Jahren überall auf der Welt Internet? «Nun ja, vieles ist auch noch unklar», gibt Bless vom KIT in Karlsruhe zu bedenken. Prinzipiell sei es schon denkbar, den Großteil der Erde auszuleuchten. Auch Orte ohne schnelles Internet in Deutschland könnten vom Weltraum-Netz profitieren. Allerdings brauche es eine Vielzahl von Benutzerterminals auf der Erde, die das Signal der Satelliten umwandeln. «Denn mit dem Smartphone allein kann man das Signal noch nicht empfangen», so Bless. Das aber könnte teuer und aufwendig werden.

Auch die genaue Zusammenarbeit mit Telekommunikationsunternehmen ist noch nicht im Detail geklärt. Müssen Nutzer mit «OneWeb», «Starlink» oder anderen Anbietern einen eigenen Vertrag abschließen? «Das wäre natürlich eher unpraktisch», so Bless. Oder kooperieren bestehende Unternehmen mit den Weltraum-Dienstleistern und zahlen Roaming-Gebühren? Dann würde der Kunde wohl gar nicht mitbekommen, wenn er das Weltraum-Internet nutzt. Offen ist zudem auch die Frage, ob das Netz wirklich für Menschen in allen Regionen der Welt erschwinglich sein wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
  • 18.04.2019
    Ab Samstag
    In Kehl startet am Samstag wieder der beliebte Ostermarkt. Bis zum 28. April warten auf Besucher dort zahlreiche Attraktionen und ein vielfältiges Programm.
  • 17.04.2019
    500 Quadratmeter Fläche
    Der Obi Markt in Offenburg hat seine neue 500 Quadratmeter große »BBQ & Grillwelt« eröffnet – und ist damit die Top-Adresse für Grill-Fans. Kunden erwartet ein konkurrenzlos großes Angebot an Grills und Zubehör von Top-Marken. In den kommenden Wochen gibt es dazu ein sehenswertes Showprogramm.
  • 08.04.2019
    Was ist wichtig bei der Planung der perfekten Traumküche? Hier sind die 10 wichtigsten Fragen und Antworten!
  • 01.04.2019
    Lahr
    Wer auf der Suche nach einem Suzuki-Neuwagen oder einem Gebrauchten ist und gleichzeitig eine vertrauensvolle, persönliche Beratung möchte, dem kann geholfen werden: Das Suzuki-Autohaus Baral in Lahr ist genau die richtige Adresse für jegliches Anliegen rund um Suzuki. 

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

vor 22 Stunden
Nachrichten
Die Spritpreise sind vor Ostern leicht gestiegen. Laut aktueller ADAC-Auswertung müssen Autofahrer für einen Liter Super E10 im Bundesdurchschnitt 1,45 Euro bezahlen, gut zwei Cent mehr als vor einer Woche. Diesel verteuerte sich um ein Cent auf 1,28 Euro.
Auch in der Ortenau bevorzugen viele Eltern Schulen, in der individuelles Lernen möglich ist. In der so genannten Freiarbeit beschäftigt sich diese Schülerin einer Montessori-Grundschule mit geometrischen Figuren.
20.04.2019
Thema des Tages
Rund neun Prozent aller Schüler besuchen eine Privatschule. Tendenz steigend. Und das, obwohl die Gesamtzahl aller Schulen sinkt. Auch in der Ortenau sind Privatschulen beliebt. Warum entscheiden sich immer mehr Eltern gegen das öffentliche Bildungssystem?    
20.04.2019
Kommentar des Tages
Russland-Sonderermittler Robert Mueller will eine Bewertung seines Berichts dem US-Kongress überlassen. Unter dem Strich bedeuten die Reaktionen auf die Ermittlungen, dass die Schlammschlacht um die Deutungshoheit über den Bericht bis ins Wahljahr anhalten wird.
Medienvertreter stehen vor dem Haus in Perris, in dem das Ehepaar Turpin seine Kinder gefangengehalten hatte.
19.04.2019
Riverside
Ein kalifornisches Ehepaar, das seine Kinder unter grausamen Bedingungen gefangengehalten hat, ist zu mindestens 25 Jahren Gefängnis verurteilt worden.
Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko und sein Herausforderer Wolodymyr Selenskyj (r) debattieren im Olympiastadion von Kiew.
19.04.2019
Kiew
Vor der Stichwahl um das Präsidentenamt in der Ukraine haben sich die beiden Kandidaten eine hitzige Debatte vor Tausenden Menschen im Olympiastadion in Kiew geliefert.
Arbeiter bereiten eine Statue auf einem Dach von Notre-Dame auf die Demontage durch einen Kran vor.
19.04.2019
Paris
Ein «großer Regenschirm» soll die beschädigte Pariser Kathedrale Notre-Dame vor Wasser schützen. Dabei handele es sich um eine gewaltige Plane, die über dem Bauwerk angebracht werde, sagte die Präsidentin der Architektenvereinigung für historische Gebäude, Charlotte Hubert, dem Sender BFM TV.
Fahndungsfotos des damals im Zusammenhang mit dem Terroranschlag vom Breitscheidplatz gesuchten Tunesiers Anis Amri.
19.04.2019
Berlin
Ein Komplize des Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri soll in Kontakt zum Drahtzieher der Pariser Terroranschläge vom November 2015 gestanden haben.
«Das ist das Ende meiner Präsidentschaft. Ich bin erledigt»: Donald Trump.
19.04.2019
Washington
In dem Moment, in dem Donald Trump davon erfuhr, dass das Justizministerium einen Sonderermittler eingesetzt hat, um die Russland-Affäre zu untersuchen, soll der US-Präsident auf bemerkenswerte Weise reagiert haben.
19.04.2019
Meinungen
Immer mehr Eltern schicken ihre Kinder auf eine Privatschule. Ist das wirklich notwendig? In dieser Frage vertreten zwei Redakteure eine unterschiedliche Position.
Am Karfreitag stauten sich die Autos vor dem Gotthardtunnel in der Schweiz auf bis zu 14 Kilometern.
19.04.2019
Baden-Württemberg
Staus und stockender Verkehr haben zu Beginn des langen Osterwochenendes manchem Autofahrer die Nerven geraubt. Laut Übersicht des Automobilclubs ADAC gab es an Gründonnerstag und Karfreitag auf vielen Autobahnen Probleme.
Bundesumweltministerin Svenja Schulze Anfang April in Berlin.
19.04.2019
Berlin
Die Debatte über einen CO2-Preis für mehr Klimaschutz nimmt Fahrt auf. Auch Umweltministerin Svenja Schulze befürwortet den Vorschlag, den Ausstoß von Kohlendioxid mit einer Steuer zu belegen.
19.04.2019
Nachrichten
Die katholische und die evangelische Kirche in Baden-Württemberg rechnen wegen sinkender Mitgliederzahlen mit einem Rückgang der Einnahmen aus der Kirchensteuer. Bei künftigen Finanzplanungen werde dies berücksichtigt, sagten Sprecher der katholischen Diözese Rottenburg-Stuttgart und der Erzdiözese...