Washington

Iran wollte britischen Tanker kapern

Autor: 
dpa
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
11. Juli 2019
Die britische Fregatte HMS Montrose.

Die britische Fregatte HMS Montrose. ©dpa - Steve Parsons/PA/Archiv

Iranische Kräfte haben US-Medienberichten zufolge versucht, im Persischen Golf einen britischen Tanker zu kapern.

Die US-Fernsehsender CNN und Fox News berichteten übereinstimmend unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen aus der US-Administration, fünf bewaffnete Boote der iranischen Revolutionsgarden hätten sich dem britischen Tanker am Mittwoch nahe der Straße von Hormus genähert.

CNN meldete, die Iraner hätten den britischen Tanker aufgefordert, seinen Kurs zu ändern und iranisches Gewässer anzusteuern. Ein britisches Begleitschiff sei jedoch eingeschritten und habe die iranischen Boote zurückgedrängt. Es gebe US-Luftaufnahmen des Zwischenfalls, hieß es weiter in dem Bericht. Eine offizielle Bestätigung dazu gab es zunächst nicht - ebenso wenig wie Stellungnahmen aus Großbritannien oder dem Iran.

Ein Sprecher des US Central Command, das die US-Truppen im Nahen Osten führt, erklärte auf Anfrage, man kenne die Berichte über den Versuch der iranischen Revolutionsgarden, den britischen Tanker zu drangsalieren. Der Sprecher verwies für weitere Informationen zu dem Vorfall an das britische Verteidigungsministerium. Er betonte, Bedrohungen für die internationale Schifffahrt bedürften einer internationalen Lösung. Die Weltwirtschaft sei abhängig von freien Handelswegen, und es sei an allen Nationen, diese zu sichern.

Aus US-Regierungskreisen hieß es ebenfalls: «Uns sind Berichte bekannt, wonach iranische Boote versucht haben, einen britischen Öltanker zu beschlagnahmen.» Die USA arbeiteten weiter mit Verbündeten und Partnern zusammen, um gegen die «bösartigen Aktivitäten» der iranischen Führung anzugehen und den globalen Handel zu schützen.

Das US-Verteidigungsministerium hatte zuvor angekündigt, Pläne für eine internationale Koalition zum Schutz von Handelsschiffen vorantreiben zu wollen. Das Pentagon habe dazu einen konkreten Plan entworfen. In ein paar Wochen werde feststehen, welche Länder sich dem Bündnis anschließen wollten.

- Anzeige -

Die betroffene Meerenge, die Straße von Hormus, ist eine der wichtigsten Seestraßen überhaupt. Sie verbindet die ölreiche Golfregion mit dem offenen Meer. Über die Strecke läuft ein großer Teil des weltweiten Öltransports per Schiff. Der iranische Präsident Hassan Ruhani hatte Großbritannien zuvor wegen des Stopps eines iranischen Öltankers an anderer Stelle - vor Gibraltar an der Südspitze Spaniens - mit Konsequenzen gedroht. «Der Stopp des Supertankers durch die Briten war ein Fehler und dumm (...). Wir müssen uns alle dafür einsetzen, dass die internationale Schifffahrt sicher bleibt und sie nicht mit solchen Aktionen unsicher machen», sagte Ruhani. Großbritannien solle dies beherzigen, «um später nicht die Konsequenzen zu tragen».

Der iranische Supertanker «Grace 1» war in der vergangenen Woche vor Gibraltar wegen des Verdachts illegaler Öllieferungen für Syrien gestoppt worden. Auch die britische Marine war an der Aktion beteiligt. Der Iran protestierte, bestellte dreimal den britischen Botschafter in Teheran ein und forderte, das Schiff sofort weiterfahren zu lassen. Der Oberste Gerichtshof des britischen Überseegebietes hat inzwischen angeordnet, dass das Schiff mindestens bis zum 21. Juli nicht wieder auslaufen darf.

Im Juni hatte es im Golf von Oman bereits mysteriöse Zwischenfälle mit zwei Tankern gegeben. Die US-Regierung machte dafür den Iran verantwortlich, die Führung in Teheran bestritt die Vorwürfe. Die Vorfälle schürten international Ängste vor einer militärischen Eskalation zwischen beiden Staaten.

Eine Entspannung in dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran ist derzeit nicht in Sicht. US-Präsident Donald Trump hatte der Führung in Teheran am Mittwoch mit einer weiteren Verschärfung der Sanktionen gedroht und ihr vorgeworfen, sie reichere seit langem heimlich Uran an.
Das internationale Atomabkommen von 2015 sollte den Iran am Bau einer Atombombe hindern und zugleich dessen politische und wirtschaftliche Isolation beenden. Aus Sicht der Trump-Regierung wurde der Iran aber durch den Deal nicht dauerhaft an der Entwicklung von Nuklearwaffen gehindert.

Die USA scherten im Mai 2018 einseitig aus dem Abkommen aus und setzten scharfe Sanktionen gegen Teheran wieder in Kraft. Teheran hatte zuletzt höhere Uranvorräte als erlaubt. Auch die zulässige Obergrenze bei der Anreicherung des Urans wurde jüngst überschritten. Der Iran bestreitet allerdings, Atomwaffen bauen zu wollen.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

vor 8 Stunden
Interview der Mittelbadischen Presse
Geld für alle, ohne Gegenleistung: Klingt zu gut, um wahr zu sein. Oder doch nicht? Der Freiburger Wirtschaftsprofessor Bernhard Neumärker ist überzeugt, dass das bedingungslose Grundeinkommen funktioniert.
vor 8 Stunden
Scholz-Kandidatur
Olaf Scholz gab sich gestern leger. Keine Krawatte, den Kragen seines weißen Hemdes weit geöffnet und möglichst viel lächelnd saß der Finanzminister und Vizekanzler beim Tag der offenen Tür in der Bundespressekonferenz. Von Anspannung keine Spur. Der Mann, der erst aus zeitlichen Gründen nicht...
Der Auftritt von Luke Mockridge wirft viele Fragen auf. Steckt vielleicht eine verlorene Wette dahinter? Im Netz kursieren bereits viele Theorien.
vor 9 Stunden
Mainz
Comedian Luke Mockridge (30) hat mit einem sonderbaren Auftritt im «ZDF-Fernsehgarten» die Zuschauer und Moderatorin Andrea Kiewel (54) irritiert.
Gaming ist unter Männern und Frauen nahezu gleichermaßen beliebt, doch die meisten Frauen fühlen sich laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom diskreditiert.
vor 11 Stunden
Berlin
Gaming ist unter Männern und Frauen nahezu gleichermaßen beliebt, doch die meisten Frauen fühlen sich laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom diskreditiert.
Die Jugendämter mussten 2018 wegen Gewalt häufiger Kinder aus Familien nehmen.
vor 14 Stunden
Wiesbaden
Mehr Verdachtsfälle von Kindesmisshandlung haben die Jugendämter im vergangenen Jahr beschäftigt. Die Zahl der sogenannten Inobhutnahmen aus diesem Grund stieg um ein Viertel auf mehr als 6150, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.
vor 17 Stunden
Vorfälle auch in Kehl
Die Debatte schlug Wellen: In Freibädern gab es in der Hitze des Sommers Probleme mit Badegästen, die sich nicht an Regeln hielten – darunter auch in Kehl. Die Kommunen haben reagiert. Und ziehen eine erste, positive Bilanz. Beendet ist das Thema für die Schwimmmeister damit aber nicht.
vor 20 Stunden
Baden-Württemberg
Dank «Grüner Wellen» können Feuerwehrleute und Rettungsfahrzeuge schneller zu Notfällen kommen - doch nicht alle Städte in Baden-Württemberg wollen dafür intelligente Ampelsysteme einführen.
17.08.2019
Berlin
Zwei Wochen haben die Bewerber für den SPD-Vorsitz noch Zeit, um ihren Hut in den Ring zu werfen. Mit Vizekanzler Olaf Scholz hat nun ein echter Hochkaräter sein Interesse angemeldet. Anfang Juni hatte er noch abgelehnt.  
16.08.2019
Eschach
Der Vermisstenfall der damals 27-jährigen Filiz Fricker aus Niedereschach ist nach über 19 Jahren gelöst. Ein Kind hat nun menschliche Überreste in Eschach gefunden.
Ein Schlauchboot der der italienischen Küstenwache fährt um das Rettungsschiff «Open Arms» herum.
16.08.2019
Berlin/Brüssel/Rom
Die Bundesregierung macht sich für eine neue staatliche Seenotrettungsmission im Mittelmeer nach dem Vorbild der EU-Operation Sophia stark.
Bundeswehr und Bahn haben sich auf Gratis-Bahnfahrten für Soldaten geeinigt - zunächst im Fernverkehr.
16.08.2019
Berlin
Die Bundeswehr hat sich mit der Deutschen Bahn auf Gratisfahrten für Soldaten in Uniform geeinigt. Bei Gesprächen sei eine Lösung für strittige Punkte gefunden worden, bestätigten Regierungskreise der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Zuerst hatte die «Bild am Sonntag» berichtet.
Die fünf Überwachungstürme der JVA sind laut einer Sprecherin derzeit wegen einer Asbestsanierung nicht besetzt.
16.08.2019
Bochum
Er sollte sich in der Gefängnis-Turnhalle um die Sportgeräte kümmern - und bereitete dabei heimlich seinen Ausbruch vor: Über eine fünf Meter hohe Mauer ist einem Häftling eine filmreife Flucht aus der der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bochum gelungen.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • 06.08.2019
    Ratgeber
    Was tun, wenn eine Krise in unser Leben bricht? Der Ortenberger Unternehmer Joachim Schäfer hat mit der Insolvenz seiner Firma genau das durchleben müssen – und einen Weg heraus gefunden. Seine Erkenntnisse teilt er nun in einem Buch, das nicht ein Autor, sondern nur er schreiben konnte, wie...
  • 02.08.2019
    Manufaktur für orthopädische Leistungen
    Am Wochenende beginnt der Spielbetrieb in der Fußball-Oberliga Baden-Württemberg. In den kommenden Wochen folgen dann auch die anderen Ligen. Um die Saison durchhalten zu können, brauchen die Sportler eine gute Fitness, Gesundheit - und das individuell angepasste Schuhwerk. Dieses ist Voraussetzung...
  • 31.07.2019
    Medizin, Kosmetik, Naturheilkunde
    Wer krank ist oder eine Beratung zu medizinischen Themen braucht, für den ist oft die Apotheke die erste Anlaufstelle. Die Stadt-Apotheke in Offenburg, die Apotheke am Storchenturm in Lahr und die Apotheke am Klinikum in Lahr bieten als Partner-Apotheken neben einer freundlichen und qualifizierten...
  • 17.07.2019
    Große Wiedereröffnung
    Nur einige Meter vom alten Standort entfernt – und doch ist alles neu: Am Donnerstag, 18. Juli, öffnet um 8 Uhr im Lahrer Fachmarktzentrum nicht nur ein neuer, sondern zugleich der jüngste und modernste MediaMarkt Deutschlands seine Türen.