Leopard 2 soll geliefert werden

Kampfpanzer für die Ukraine: Warum die Entscheidung richtig ist

Tobias Peter
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
24. Januar 2023
Der Kampfpanzer Leopard 2 bei einer Truppenübung.

Der Kampfpanzer Leopard 2 bei einer Truppenübung. ©Foto: IMAGO/Björn Trotzki/IMAGO/Björn Trotzki

Der Bundeskanzler hat – wie bei vorherigen Entscheidungen über Waffenlieferungen – mit sich gerungen. Jetzt wird Deutschland aller Voraussicht nach Kampfpanzer liefern. Es ist eine gute Entscheidung – aus mehreren Gründen, kommentiert Tobias Peter.

Es ist alles andere als eine Kleinigkeit. Es ist auch nicht einfach nur die Lieferung irgendeines neuen Waffentyps. Wenn Deutschland nun Kampfpanzer an die Ukraine liefert, wie „Spiegel“ und „Süddeutsche Zeitung“ es übereinstimmend berichten, dann hat das eine neue Qualität.

Die Entscheidung ist keine einfache, aber sie ist richtig. Die Ukraine braucht dringend weitere militärische Unterstützung – und sie hat mindestens ebenso dringend um die Lieferung des Leopard 2 gebeten. Er ist in vielen Ländern verfügbar, sodass er – wenn die Bundesregierung auch anderen die Genehmigung zur Lieferung erteilt – in hoher Zahl verfügbar sein könnte. Und: Der Leopard 2 ist nach Auffassung vieler Experten die ideale Ergänzung zu Schützenpanzern, die Kiew bereits zugesagt worden sind.

Wie kann der Krieg enden?

Die Lieferung der Kampfpanzer kann – bei allen damit verbundenen Risiken – ein Schritt sein, von dem man im Nachhinein erkennt, dass er Europa dem Frieden in der Ukraine nähergebracht hat. So fremd dieser Gedanke in diesem Moment für viele auch klingen mag. Denn nur mit mehr militärischer Stärke hat die Ukraine eine Chance, in eine Position zu kommen, aus der sich Verhandlungen über einen fairen Frieden führen lassen. Kriege werden meist nicht auf dem Schlachtfeld entschieden – aber eben auch nicht dadurch, dass man sich einfach mal um einen Tisch setzt. Der russische Präsident Wladimir Putin wird nicht ohne weiteren Druck von der Aggression abrücken.

- Anzeige -

Wenn viele Menschen ein ungutes Gefühl dabei haben, dass in der Ukraine mit deutschen Kampfpanzern gegen russische Soldaten gekämpft werden soll, ist das hochverständlich. Die Angst vor einer Eskalation, die den Krieg immer weitere Kreise ziehen lässt, ist keinesfalls irrational. Angst ist ein wichtiger Faktor, um Fehler zu vermeiden. Sie darf aber nicht zu einem Faktor werden, dem sich die Politik unter Aufgabe ihrer Gestaltungsmöglichkeiten unterwirft.

Ein bedächtiger Kanzler

Das Beruhigende ist: Der Kanzler handelt zurückhaltend und bedächtig. Olaf Scholz hat sich keinesfalls mit Kampfgeheul für die Lieferung von Kampfpanzern entschieden, sondern – wenn es jetzt so kommt – nach längerer Überlegung. Der Druck in der öffentlichen Debatte, es müsse – komme, was wolle – schnelle Taten geben, hat ihn wenig bewegt. Das ist eine Amtsführung, wie man sie sich in diesen Zeiten wünscht.

Der Kanzler muss stets zwei Dinge abwägen: den Wunsch, der Ukraine zu helfen, und die Verpflichtung, Deutschland nicht zur Kriegspartei werden zu lassen. Deshalb ging es Scholz stets darum, die wichtigen Schritte nur in einer internationalen Koalition zu gehen – möglichst mit allen wichtigen Partnern. Sollte sich das als richtig erweisen, was aus den USA berichtet wird, wäre es ihm besonders gut geglückt. Laut „Wall Street Journal“ erwägen die USA die Lieferung von Abrams-Kampfpanzern in nicht unerheblicher Zahl. Das klang zuletzt noch anders. Es wäre aber die bestmögliche Sicherheitsgarantie für Deutschland, mit den USA Schritt für Schritt im Gleichklang zu gehen.

Aber wenn man jetzt Kampfpanzer liefert, hätte man es dann nicht schon viel früher tun können oder müssen? Nein. Die internationale Strategie, bei den Waffenlieferungen Schritt für Schritt voranzugehen, hat sich als vernünftig erwiesen. Niemand weiß, was passiert wäre, wenn die USA und Europa gleich alle möglichen verfügbaren Waffensysteme zur Verfügung gestellt hätten. Jede Verschärfung ist ein neues Signal an Putin, dass die freie Welt es mit ihrer Unterstützung für die Ukraine ernst meint. Eine Garantie, dass er daraus bald die richtigen Schlüsse zieht, gibt es aber nicht.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

Warten gehört zum Bahnfahren in Deutschland dazu. Für nicht wenige ist es der Beginn einer Irrfahrt.
03.02.2023
Der Blick von außen
Die Deutsche Bahn und die Bundeswehr haben viel gemeinsam. Beide sind in jämmerlichem Zustand. Beide sind Opfer einer postmodernen Politik, die Deutschland wie ein Entwicklungsland aussehen lässt. Das Ausland wundert sich.
Heimliche Konkurrenten Scholz und Baerbock: Der Kanzler hat die Arbeiten an der Sicherheitsstrategie des Außenministeriums gestoppt. 
31.01.2023
Scholz versus Baerbock
Deutschland hat keine strategisch aufgeklärte Außenpolitik. Das Land muss sich in einer Welt, in der brutale Machtpolitik die liberale Ordnung bedroht, robuster aufstellen.
27.01.2023
Bund und Länder einig
Den Termin forderten viele, nun besteht Einigkeit: Das 49-Euro-Ticket kommt zum 1. Mai. Darauf verständigten sich Bund und Länder am Freitag in einer Arbeitsgruppe. Doch das letzte Wort hat die EU.
27.01.2023
**UPDATE**
Die russische Armee führt einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Wir berichten in einem Newsblog über die aktuelle Lage.
Ein Panzer des Typs M1 Abrams der US Army fährt während einer multinationalen Übung auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels über eine Straße.
25.01.2023
Nachrichten
Leopard, Abrams, Challenger: Mit diesen Kampfpanzern westlicher Bauart hofft die Ukraine, im Krieg gegen die russischen Angreifer wieder in die Offensive zu kommen. Ihre monatelangen Bitten scheinen nun erhört zu werden.
24.01.2023
Kabelbrand am Gare de l'Est
Nach einem Feuer in einem Kabelschacht ist der Zugverkehr an einem der großen Pariser Bahnhöfe eingestellt worden. Betroffen sind auch Verbindungen nach Straßburg und Deutschland.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Rauchmelder sollten einmal im Jahr auf ihre Funktionstüchtigkeit geprüft werden. Diese Sorgfalt kann Leben retten, vor allem, wenn nachts ein Feuer entsteht und die Bewohner schlafen.⇒Foto: Martin Gerten/dpa
    05.02.2023
    Kreisbrandmeister Bernhard Frei lobt die Ortenauer. Sie würden meist die Rauchwarnmelderpflicht ernst nehmen. Er weiß, dass die kleinen Geräte schon öfters Schlimmeres verhindert haben.
  • Egal ob jung oder jung geblieben: Beim Line Dance kann jeder die Freude an Rhythmus und Bewegung entdecken. 
    27.01.2023
    Mit DanceInLine in Offenburg die Freude am Tanz entdecken
    In toller Gesellschaft Tanzen lernen – auch ohne festen Tanzpartner, dafür auch mal mit Baby. Das bietet Julia Radtke in ihrer Tanzschule DanceInLine in Offenburg an. Hier entdecken Junge und jung Gebliebene Teilnehmer die Freude an Rhythmus und Bewegung.
  • Die Kunden trainieren in den M.O.H.A.-Studios in Offenburg, Oberkirch und Haslach in moderner Atmosphäre. 
    27.01.2023
    EMS-Training in Offenburg, Oberkirch und Haslach entdecken
    Gesundheit, mehr Attraktivität, dazu Kraft- und Leistungssteigerung – und schnell sichtbare, spürbare und messbare Erfolge. Was unglaublich klingt, ist mit dem gezieltem EMS-Training bei M.O.H.A. an den Standorten Offenburg, Oberkirch und Haslach absolut möglich.
  • Vom Azubi bis zum Quereinsteiger: J. Schneider Elektrotechnik bietet viele  Karrierechancen.
    24.01.2023
    J. Schneider Elektrotechnik – Bewerben und durchstarten!
    Fachkräfte, Anlernkräfte, Quereinsteigende, Azubis: Die Bewerbertage bei J. Schneider Elektrotechnik in Offenburg am 3. und 4. Februar 2023 wenden sich sowohl an diejenigen, die beruflich neue Wege gehen möchten, als auch an Berufseinsteiger.