Überblick
Dossier: 

Mehr Freiheiten für Geimpfte und Genesene: Das gilt ab Sonntag

Autor: 
red/dpa
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
07. Mai 2021
Mehr zum Thema
Für vollständig Geimpfte und von Corona Genesene werden die Pandemie-Regeln gelockert.

Für vollständig Geimpfte und von Corona Genesene werden die Pandemie-Regeln gelockert. ©Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Am Wochenende fallen die Grundrechtseinschränkungen für Geimpfte und Genesene in der Corona-Pandemie. Eine entsprechende Verordnung könne am Sonntag in Kraft treten, kündigt die Bundesjustizministerin an. Was bedeutet das? Ein Überblick.

Kontaktbeschränkungen, Ausgangssperren und strenge Quarantäneregeln: Diese Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie gelten in Deutschland für Geimpfte und Genesene ab dem Wochenende nicht mehr. Nach der Zustimmung des Bundesrats am Freitag, könne die Verordnung der Bundesregierung nun »am Sonntag in Kraft treten«, kündigte Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) am Freitag an. Zuvor hatte auch der Bundestag den Erleichterungen für Geimpfte und Genesene zugestimmt. Was bedeutet das? Ein Überblick.

Welche Regeln gelten ab Sonntag für Geimpfte und Genesene?

Vollständig Geimpfte und genesene Menschen sind mit Inkrafttreten der Verordnung von den bislang geltenden Kontaktbeschränkungen befreit. Das bedeutet: Sie dürfen sich im privaten Rahmen ohne Einschränkungen mit anderen Geimpften und Genesenen treffen. Bei Treffen mit Ungeimpften, etwa im Familien- oder Freundeskreis, zählen Geimpfte oder Genesene laut Verordnung künftig nicht dazu.

Für die beiden Gruppen gelten von Sonntag an die nächtlichen Ausgangsbeschränkungen nicht mehr. Nach Reisen müssten vollständig Geimpfte und genesene Menschen nur noch in Ausnahmefällen in Quarantäne - etwa, wenn sie aus einem Virusvariantengebiet einreisen.

Geimpfte und genesene Menschen werden zudem den Negativ-Getesteten gleichgestellt. Das heißt, sie müssen sich vor einem Friseurbesuch oder dem Termin-Shopping nicht mehr auf das Coronavirus testen lassen. Die Pflicht zum Tragen einer Maske an bestimmten Orten sowie das Abstandsgebot im öffentlichen Raum gelten aber weiterhin.

Wer gilt als geimpft?

Als geimpft gelten alle Menschen, die den vollen Impfschutz erreicht haben. Laut Verordnung ist dies der Fall, wenn nach der letzten erforderlichen Einzelimpfung - in der Regel nach der zweiten Impfspritze - mindestens 14 Tage vergangen sind. Die geimpfte Person muss als Beleg einen Nachweis auf Papier oder digital auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch oder Spanisch vorlegen können.

Wie lange der Impfschutz anhält, lässt sich bislang nicht sagen. Dass später zusätzliche Impfungen nötig sein könnten – etwa wegen weiterer Virus-Varianten – ist nicht ausgeschlossen.

Wer gilt als genesen?

- Anzeige -

Als genesen gelten laut Verordnung diejenigen Menschen, die eine Corona-Infektion überstanden haben - und dies mit einem positiven PCR-Labortest nachweisen können, der mindestens 28 Tage und höchstens sechs Monate alt ist.

Menschen, deren Erkrankung länger als sechs Monate zurückliegt, gelten im Sinn der Verordnung nicht als genesen. Der Grund: Zwar bildet das Immunsystem entsprechende Antikörper aus, diese verschwinden nach einer gewissen Zeit wieder. Ihnen wird zum Verstärken der Immunantwort eine Schutzimpfung empfohlen. Diese sollte laut der Ständigen Impfkommission (Stiko) frühestens sechs Monate nach der Genesung erwogen werden.

Gibt es nun eine Impfpflicht?

Nein, die Corona-Impfung ist freiwillig. Allerdings hofft die Bundesregierung, dass sich möglichst schnell viele Menschen impfen lassen. Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) erinnerte am Mittwoch daran, dass Schwangere und Kinder noch gar nicht geimpft werden könnten. »Wir sollten in den nächsten Wochen eine so klare Politik machen und die Infektionszahlen so stark reduzieren, dass es sowohl für Kinder als auch für Schwangere, nämlich für die Gesamtbevölkerung als solches, kein großes Ansteckungsrisiko mehr gibt, wenn sie Kontakte haben«, sagte Braun.

Die AfD bezeichnete die Erleichterungen für Geimpfte und Genesene bei der Debatte im Bundestag am Donnerstag hingegen als »Impfpflicht durch die Hintertür«. Ungeimpfte würden diskriminiert und Bevölkerungsgruppen gegeneinander ausgespielt, sagte der AfD-Abgeordnete Ulrich Oehme.

Wie geht es weiter?

Bis man weitgehend auf Maßnahmen und Regeln verzichten könne, müsse der Anteil immuner Menschen in der Bevölkerung deutlich über 80 Prozent liegen, sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI) Lothar Wieler am Freitag. Auch dann werde es noch Infektionen geben, aber keine Wellen. Er mahnte zu Vorsicht. »Zügig impfen, kontrolliert öffnen«, sagte Wieler.

Angesichts weiter gesunkener Infektionszahlen warnte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vor Sorglosigkeit und zu schnellen Öffnungen. Der Abwärtstrend bei den Infektionszahlen müsse verstetigt und ein Wiederanstieg verhindert werden. »Das geht aber nicht mit vorschnellen Lockerungen. Zu viele öffnen gerade ziemlich viel bei relativ hoher Ausgangsinzidenz«, warnte Spahn. Lockerungen sollte es vorrangig draußen geben, etwa in der Gastronomie oder bei kulturellen Veranstaltungen und abgesichert mit Tests.

Den Start eines digitalen Impfausweises stellte er für den Sommer in Aussicht. Einen solchen Impfpass werde es in Deutschland »in der zweiten Hälfte des zweiten Quartals«, also spätestens Ende Juni, geben. Das Dokument sei kompatibel mit den Standards der EU-Nachbarn. Der Impfpass auf Papier gelte aber weiterhin.

Mehr zum Thema

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

vor 21 Stunden
Nachrichten
Die Hoffnung auf Herdenimmunität ist fast so alt wie die Corona-Pandemie. Unter anderem ansteckendere Virusvarianten wie Delta lassen dahinter aber Fragezeichen entstehen.
Eine Mikrobiologin nimmt im Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin eine Messung der optischen Dichte von bakteriellen Kulturen vor. Im Fokus der Forschungsarbeit steht das Verständnis grundlegender Regulationsmechanismen von Infektion und Immunität bei Bakterien.
21.06.2021
Vor der Bundestagswahl
Wenn die Grünen das Sagen gehabt hätten, gäbe es heute keinen Covid-19-Impfstoff. Denn ein wesentlicher Grund für den Erfolg im Kampf gegen die Pandemie ist die Gentechnik.
Ein Teilnehmer der Kundgebung „Nein zu Judenhass“ in Nürnberg trägt eine Kippa. Die Kundgebung im Mai wurde unter anderem von der Allianz gegen Rechtsextremismus und vom Rat der Religionen in der Metropolregion Nürnberg unterstützt.
18.06.2021
Antisemitismus
Levi Israel Ufferfilge erlebt als Jude in Deutschland viel Hässliches. Eine Begegnung.
Nordrhein-Westfalen, Bochum. 2019: Polizisten sichern während einer Razzia von Zoll und Polizei eine Shisha-Bar.
17.06.2021
Kriminelle Clans
Mit einer Razzia ist die Polizei gegen verbrecherische Großfamilien vorgegangen. Die Clankriminalität wurzelt in der unregulierten Zuwanderung. Wenn Deutschland das Problem in den Griff bekommen will, führt kein Weg an einer strengeren Migrationspolitik vorbei.
Schluss mit Unterwerfungsgesten: Reiner Haseloff (links) und Armin Laschet am Tag nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.
15.06.2021
Vor der Bundestagswahl
In der CDU verkümmerte die Vielfalt der Meinungen aus Angst vor einem angeblich existierenden Mainstream. In Sachsen-Anhalt demonstriert die Partei, wie man Politik macht, ohne sich zu verbiegen.
Das Malteserschloss in Heitersheim südlich von Freiburg steht zum Verkauf. Ein chinesischer Unternehmer wollte eine Privatschule daraus machen, doch in der Gemeinde bildete sich Widerstand dagegen.
14.06.2021
Tiefe Gräben in der Gemeinde
Der Kleinkrieg um ein Schloss im südbadischen Heitersheim wird zum Sinnbild der Zerrissenheit deutscher China-Politik
Die deutsche Öffentlichkeit hat sich zu spät für die religiöse Orientierung der Zugewanderten aus islamisch geprägten Regionen interessiert.
10.06.2021
Migrationspolitik
Die antiisraelischen Demonstrationen in deutschen Städten sind die Folge ungesteuerter Zuwanderung großer Gruppen. Denn Konflikte und Feindbilder werden in den ethnischen Gemeinden aufrechterhalten.
10.06.2021
Nachrichten
Papst Franziskus wollte sich Bedenkzeit nehmen. Was tun mit Kardinal Reinhard Marx, der seinen Amtsverzicht anbot? Nun hat Franziskus entschieden.
Saskia Esken wartet hier neben Norbert Walter-Borjans auf den Beginn der Klausur des SPD-Parteivorstands im Willy-Brandt-Haus im Dezember 2020.
09.06.2021
Vor der Bundestagswahl
Eine SPD in der Sinnkrise schlägt um sich. Die Suche nach einem linken Realismus hat sie dagegen aufgegeben. Die Sozialdemokraten verhaken sich im koalitionären Dauerzwist und finden in der Union einen willigen Konterpart.
09.06.2021
Nachrichten
Es ist ein seltenes Schauspiel, wenn sich der Mond für uns sichtbar vor die Sonne schiebt. Das ist faszinierend zu beobachten - allerdings lieber nicht mit einer normalen Sonnenbrille auf der Nase. Am Donnerstagmittag ist es wieder soweit.
09.06.2021
Nachrichten
Auch wenn sich die Lage vielerorts wieder entspannt, sollte die Urlaubsplanung nicht leichtsinnig angegangen werden. CLARK-COO und Versicherungsexperte Dr. Marco Adelt erklärt auf welche Punkte Reisende jetzt achten sollten.
Afghanistan, Kundus: Bundeswehrsoldaten 2011 nahe Kundus im Einsatz.
07.06.2021
Auslandseinsätze deutscher Soldaten
Fast 20 Jahre lang haben deutsche Soldaten im Verbund mit Truppen der Nato-Partner versucht, das Land zu stabilisieren.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Sieger der #Ballwechsel Aktion des Energiewerks Ortenau (ewo) wurde der VfR Achern. Im Acherner Hornisgrindestadion versammelten sich zur Preisverleihung: (von links) Erich Oser, Michael Müller, ewo-Geschäftsführer Matthias Friedrich, Oberbürgermeister Klaus Muttach, VfR-Achern Vorstandsvorsitzender Hans-Joachim Glunz, Malwin Lima, Bastien Touchemann, Thorsten Libis, Salvatore Vida, Carlos Fusaro.
    21.06.2021
    Sechs Vereine freuen sich über attraktive Preise
    Endlich: Das runde Leder rollt wieder. Über Monate mussten die Ortenauer Amateurfußballer tatenlos darben. Pünktlich zum Trainingsbeginn brachte die Preisverleihung der Aktion #Ballwechsel des Energiewerks Ortenau (ewo) den Gewinnern das Glück ins Haus.
  • Das trinationale Filmfestival der Hochschule Offenburg wird live aus dem FORUM Cinema in Offenburg gestreamt.
    16.06.2021
    Filmfestival Hochschule Offenburg – 53 Filme am Start
    Das trinationale studentische Filmfestival SHORTS wird dieses Jahr vom 1. bis 5. Juli live aus den FORUM Cinemas Offenburg gestreamt.
  • Unsere eigenen vier Wände: der Bau- und Sanierungsboom hält auch in der Ortenau weiter an. 
    15.06.2021
    Bauboom hält an – neue Förderprogramme ab 1. Juli
    Die Pandemie hat der Baubranche, den Architekten und Planern, den Landschaftsgärtnern sowie den Möbelhäusern weiter Auftrieb beschert. Renovieren und Sanieren stehen ganz oben auf der Liste der Vorhaben der Bauherren. Unser Magazin zeigt Aktuelles vom Markt auf.
  • Das Arbeitgeberversprechen "in good company" wird bei Hubert Burda Media wörtlich genommen. 
    14.06.2021
    Spannende Sales-Jobs: Im Dialog mit den Verbrauchern
    1903 als Druckerei gegründet, gehört Hubert Burda Media heute mit mehr als 1600 Arbeitsplätzen am Standort Offenburg zu den wichtigsten Arbeitgebern der Region und zählt mit weiteren Standorten zu einem der größten Medien- und Technologieunternehmen Europas.