Freiburg

Junge verkauft und vergewaltigt – Mutter droht Haftstrafe

Autor: 
dpa
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
01. August 2018
Mehr zum Thema

©Patrick Seeger/dpa

Ein Kind wird über Jahre im Darknet angeboten und von Fremden, der eigenen Mutter und deren Freund missbraucht. Der Verteidiger der Frau sieht seine Mandatin im Gefängnis. Was sie zu den Taten trieb, darauf gibt sie keine Antwort.

Im Hauptprozess um den jahrelangen Missbrauch eines Kindes in Staufenbei Freiburg hat der Verteidiger der Mutter neuneinhalb Jahre Haft für seine Mandantin gefordert. Die 48-Jährige habe gestanden und sei nicht vorbestraft, sagte Rechtsanwalt Matthias Wagner am Mittwoch vor dem Landgericht Freiburg. Sie sei zur Täterin geworden, weil sie in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem wegen schweren Kindesmissbrauchs vorbestraften Lebensgefährten gestanden habe.

Wagners Plädoyer war, wie die bisherigen auch, nicht-öffentlich. Als Grund wurde vom Gericht der Schutz von Persönlichkeitsrechten genannt. Sein Urteil will das Gericht am 7. August (9.30 Uhr) sprechen (Az.: 6 KLs 160 Js 30250/17).

Die Taten der Frau seien »in keiner Weise nachvollziehbar«, sagte Wagner der Deutschen Presse-Agentur. Sie habe die Chance, sich im Gefängnis darüber im Klaren zu werden und möglicherweise eine Therapie zu beginnen. Sie habe Taten zugelassen und auch begangen, weil sie ihre Beziehung sichern wollte. Dies habe sie, nicht-öffentlich, auch vor Gericht eingeräumt.

Sicherungsverwahrung komme für seine Mandantin juristisch nicht in Frage, sagte Wagner. Staatsanwaltschaft und Nebenklage hatten diese für die Frau auch nicht gefordert.

- Anzeige -

Angeklagt sind die 48-Jährige sowie ihr 39 Jahre alter Lebensgefährte, beides Deutsche. Sie haben gestanden, den damals in Staufen lebenden und heute zehn Jahre alten Jungen mehr als zwei Jahre lang im Darknet - das ist ein anonymer Bereich des Internets - angeboten und Männern gegen Geld für Vergewaltigungen überlassen zu haben. Zudem sollen sie das Kind sowie ein kleines Mädchen auch selbst mehrfach sexuell missbraucht haben.

Die anderen Plädoyers hatte das Gericht bereits Mitte Juli gehört. Die Staatsanwaltschaft hatte vierzehneinhalb Jahre Gefängnis für die Mutter gefordert sowie dreizehneinhalb Jahre Haft und anschließende Sicherungsverwahrung für den Lebensgefährten. Dessen Verteidigerin sprach sich für neun Jahre Haft mit Sicherungsverwahrung aus.

Unabhängig von Haftstrafen hatte die Vertreterin der Nebenklage von den zwei Angeklagten jeweils mindestens 30 000 Euro Schmerzensgeld für den missbrauchten Jungen und 12 500 Euro für das Mädchen gefordert. Die Anwälte der beiden Angeklagten erklärten, sie seien mit diesen Summen einverstanden. Im Gegensatz zum 39-Jährigen hatte sich die Frau in dem Prozess nur nicht-öffentlich geäußert und sich darüber hinaus an dem Verfahren nicht aktiv beteiligt.

In dem Missbrauchsfall hatte es insgesamt acht Festnahmen und Anklagen gegeben. Die Mutter und deren Lebensgefährte gelten als Hauptbeschuldigte. Mehrere Männer, die sich an dem Kind vergangen hatten, wurden bereits zu langjährigen Haftstrafen verurteilt, einige von ihnen mit anschließender Sicherungsverwahrung.

Der Junge lebt inzwischen bei einer Pflegefamilie. Er leidet bis heute unter den Taten, wie Vertreter der Polizei vor Gericht sagten. Nach seiner Mutter habe der Junge seit deren Festnahme vor mehr als zehn Monaten nicht mehr gefragt

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
  • 13.05.2019
    »Schöne Zeit« – der zeitlose Weingenuss
    Fruchtig, farbenfroh und voller Lebensfreude – so zeigt sich der neue »Schöne Zeit«-Weißwein der Durbacher WG. Der Name ist Programm und steht für zeitlosen Genuss für jedes Alter – aus dem Herzen des Durbachtals.
  • 09.05.2019
    Experten von Steinhof Fitness in Oberkirch beraten
    80 Prozent der Deutschen haben Rückenschmerzen - viele sogar chronisch. Ursache dafür ist in den allermeisten Fällen eine mangelnde oder falsche Bewegung. Die Experten von Steinhof Fitness in Oberkirch zeigen, wie Rückenschmerzen künftig der Vergangenheit angehören können - und beraten kostenlos.
  • 07.05.2019
    Mitgliederversammlung
    Es war eine geheime Abstimmung beim SV Berghaupten. Doch danach stand fest: Die Führungsmannschaft bleibt bis 2021 im Amt. Robert Harter wurde erneut die SVB-Präsidentenwürde zuteil.  
  • 01.05.2019
    Relaxen und Genießen im Renchtal
    Das neugestaltete Ringhotel Sonnenhof in Lautenbach im Renchtal begrüßt seine Gäste mit einer einzigartigen Kulisse am Fuße des Schwarzwaldes. Ob im Restaurant, bei den Spa-Angeboten, für Tagungen oder Hochzeiten – der Sonnenhof ist die ideale Adresse zum Relaxen und Genießen.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

Schwarze Mamba: Giftige Schlangen sind eine Gefahr für fast sechs Milliarden Menschen weltweit.
vor 1 Stunde
Genf/Berlin
Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat eine neue Strategie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gegen Giftschlangen-Bisse begrüßt.
Olaf Scholz (SPD), Bundesminister der Finanzen, spricht in seinem Ministerium zu Journalisten.
vor 2 Stunden
Berlin
Die Grundsteuerreform von Finanzminister Olaf Scholz (SPD) wird nach Einschätzung der FDP für Mieter wie Hausbesitzer teuer.
In der Senatsbibliothek Berlin stehen verschiedene Ausgaben des Gundgesetzes und Kommentare dazu im Lesesaal zur Verfügung.
vor 2 Stunden
Nachrichten
Der Staat ist um des Menschen willen da: Mit diesem Satz stürzten sich nach dem Krieg ein paar Dutzend Männer und Frauen in das Wagnis, Deutschland eine Verfassung zu geben. Sie waren so erfolgreich wie niemand zuvor.
Donald Trump, Präsident der USA, spricht im Rosengarten des Weißen Hauses.
vor 3 Stunden
New York/Washington
Im Streit mit den Demokraten über die Offenlegung seiner Finanzen hat US-Präsident Donald Trump eine weitere Niederlage erlitten.
Jörg Meuthen (AfD), Spitzenkandidat für die Europawahl, spricht beim Auftakt zum Europawahlkampf der AfD.
vor 4 Stunden
Berlin
Die geplante neue Fraktion der Rechtsnationalen und Populisten im Europäischen Parlament sieht in ihren Reihen noch Platz für die Brexit-Partei von Nigel Farage.
Zwei geflüchtete Aktivisten finden in Deutschland Schutz. Ray Wong ist einer von ihnen.
vor 4 Stunden
Berlin/Hongkong
Die Bundesregierung hat sich «zunehmend» besorgt über eine Verschlechterung der Menschenrechtslage in Hongkong gezeigt.
Antonio Guterres ist Generalsekretär der Vereinten Nationen.
vor 4 Stunden
New York
Die Beziehungen zwischen den mächtigsten Nationen der Erde sind nach Ansicht von UN-Generalsekretär António Guterres derzeit gestörter denn je.
vor 5 Stunden
Berlin
Die Berliner Wohnung ist schon gekündigt: Justizministerin Barley hat es eilig, nach Brüssel zu kommen. Über eine Nachfolge in Berlin wird bisher nur spekuliert.
vor 5 Stunden
Kommentar des Tages
Der Kohleausstieg in Deutschland ist beschlossene Sache - und um Ärger zu vermeiden und neue Jobs zu schaffen, lässt der Bund ihn sich richtig viel kosten. Ein Gesetz ist nun auf den Weg gebracht worden.
vor 5 Stunden
Berlin
Viele Menschen sind trotz langjähriger Arbeit im Alter auf Grundsicherung angewiesen. Die Große Koalition ist sich in der Problemanalyse einig – um die Lösung aber gibt es heftigen Streit.
Die Angeklagten sitzen neben ihren Anwälten im Verhandlungssaal des Amberger Amtsgerichts.
vor 22 Stunden
München/Amberg
Nach einer Prügelattacke im ostbayerischen Amberg hat der Freistaat einen verurteilten 18 Jahre alten afghanischen Asylbewerber in sein Heimatland abgeschoben.
Die Zahl der Angehörigen, die Flüchtlingen nach Deutschland nachkommen durften, ist deutlich gesunken.
vor 23 Stunden
Berlin
Die Zahl der Angehörigen, die Flüchtlingen nach Deutschland nachkommen durften, ist im Verlauf der vergangenen beiden Jahre deutlich gesunken. So bekamen laut Auswärtigem Amt im ersten Quartal 2017 noch 17.322 Menschen aus den sechs Haupt-Herkunftsländern von Flüchtlingen ein Visum.