Talk bei Maischberger

Moria, Corona, Klimawandel – des Schlechten zu viel

Autor: 
Christian Gottschalk
Lesezeit 4 Minuten
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17. September 2020
Das Konzept der neuen Sendung trägt nicht.

Das Konzept der neuen Sendung trägt nicht. ©Foto: dpa/Britta Pedersen

Flüchtlingskrise, Corona und Klimawandel in einer Sendung? Das kann doch nicht gut gehen, möchte man da meinen. Es ging auch nicht gut.

Stuttgart - Es hat mal eine Zeit gegeben, da hat Sandra Maischberger eine mehr oder weniger illustre Schar an Gästen um sich versammelt, um ein Thema durchzudiskutieren. Dann sind im vergangenen Jahr ein paar Optimierer angetreten, um die Sendung aufzupeppen. Das trübt die nächtliche Unterhaltung nahezu immer beträchtlich, an diesem Mittwoch hat das Konzept völlig versagt. In etwas mehr als einer Stunde die Themen Flüchtlingskrise, Corona und Klimawandel zu packen, das ist des Schlechten einfach zu viel. Oberflächliches Blabla ohne Tiefgang – dafür lohnt es nicht, wach zu bleiben.

Doch der Reihe nach. Im inzwischen ja nicht mehr ganz so neuen Konzept sind drei Kommentatoren auf der Bank, die zu allem ihre Ansicht äußern dürfen. Marcel Reif, den man zwar als Fußballberichterstatter kennt, der in einem früheren Leben aber auch einmal als Nachrichtenreporter gearbeitet hat, scheint mit sich zu ringen. Mit Blick auf das Leid der Menschen in Moria spricht er davon, dass hier „die Spezies Mensch versagt“. Andererseits sei auch nicht alles falsch, nur weil es die AfD behauptet. Die Bloggerin Jagoda Marinic ist klar positioniert. Sie versucht nicht nur den Blick auf die 12 000 Menschen in Griechenland zu lenken, sondern auf 65 Millionen Flüchtlinge weltweit. „Cicero“-Chefredakteur Christoph Schwennicke bildet den Gegenpol. „Barmherzigkeit kann nicht zur Staatsdoktrin erhoben werden“.

Ein Luxemburger wettert gegen Österreich

Nach den Kommentatoren dürfen sich dann die Spezialisten äußern. Da ist Jean Asselborn. Der Luxemburger ist dienstältester Außenminister der EU und überzeugt davon, dass es die Bilder aus Moria nicht geben würde, hätte man 2015 die Flüchtlingskrise solidarisch gelöst. Vor allem Österreich und den dortigen Kanzler Sebastian Kurz hat Asselborn auf dem Kieker, da Österreich ausgeschert sei aus der Gruppe derjenigen, die zur Hilfe bereit waren.

Das will Lukas Mandl natürlich nicht stehen lassen. Der Niederösterreicher ist Mitglied des EU-Parlaments und versucht, jegliche Angriffe auf seinen Kanzler abzuwiegeln. Bezogen auf hunderttausend Einwohner habe sein Land doppelt so viele geflüchtete Kinder aufgenommen wie Deutschland, der Innenminister aus Wien habe sich an die Spitze der Bewegung für die Nothilfe gesetzt.

Flüchtlinge aufs Kreuzfahrtschiff

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Es folgt die Diskussion, die sich bei den Kommentatoren schon abgezeichnet hat. Da geht es um Nothilfe, bei der sich Asselborn auch vorstellen kann, alle Flüchtlinge auf einem Kreuzfahrtschiff unterzubringen. Es geht um den so genannten Pull-Effekt, die Angst davor, dass viele Menschen erst losziehen, wenn sie merken, dass die bereits Losgezogenen die richtige Wahl getroffen haben. Es geht um den Kampf gegen Schleuser, den Lukas Mandel in den Vordergrund rücken will und um flexible Solidarität innerhalb der EU. Frei übersetzt: Aufnehmen oder zahlen.

Austausch von Standardargumenten

Es ist der Austausch von Standardargumenten, die jeder kennt, der seine Informationen über die Lage der Welt nicht nur aus sozialen Netzwerken bezieht. Zu mehr reicht es nicht, denn schon geht es um Corona und den US-Präsidenten, der die Gefahr für seine Landsleute bewusst verschwiegen hat. Doch damit ist der Corona-Block noch nicht gefüllt. Marcel Reif darf sagen, dass die Rückkehr der Zuschauer in die deutschen Stadien Gefahren birgt, Jagoda Marinic darf sich darüber wundern, dass Armin Laschet das Ergebnis der Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen als Erfolg seiner Corona-Politik feiert. Christoph Schwennicke hat zwei Sätze um zu erklären, weswegen Laschet CDU-Chef und Kanzlerkandidat der Union wird, dann geht’s auch schon zum nächsten Thema, dem Klimawandel.

kein Verbot von Kreuzfahrten

Da sitzen die hoch eloquente Jungunternehmerin Sarna Röser und der etwas unbedarft wirkende Klimaaktivist Jakob Blasel, die – es ist schon kurz nach Mitternacht – zunächst über den Zertifikatehandel für Kohlendioxid diskutieren. Das ist schwere Kost zu dieser Stunde. Der Versuch, die beiden mit Ja-Nein-Fragen aus der Reserve zu locken, gelingt aber auch nicht so ganz, weil Blasel partout weder Kreuzfahrten noch SUVs oder Fleischkonsum verbieten will.

Eigentlich kann man von Glück sagen, dass wenigstens die Vergiftung von Alexander Nawalny, die Proteste in Belarus oder das Verhältnis zu China ausgespart wurden. Jedes Thema allein hat mehr als eine Sendung verdient. Wer alles auf einmal angerissen haben will, kann auch in die sozialen Netzwerke gehen.

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