Offenburg

Tanja Lößnitz ist in der Männerdomäne Elektrotechnik spitze

Autor: 
Michael Hass
Lesezeit 3 Minuten
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16. Juli 2017

Technikerin Tanja Lößnitz. ©Michael Hass

Tanja Lößnitz aus Oberkirch hat als erste Frau an der Fachschule für Elektrotechnik der Gewerblich-Technischen Schule Offenburg den Preis für die beste Technikerarbeit erhalten.
 

Michael Kempf von der Volksbank Offenburg staunte, als er den mit 250 Euro dotierten Preis für die beste Technikerarbeit an Tanja Lößnitz überreichte. »Dass Sie sich in einer von Männern dominierten Arbeitswelt durchgesetzt haben, ist eine tolle Leistung.«

Tanja Lößnitz (24) hat schon als Kind gerne in der Werkstatt ihres Vaters getüftelt. In der Realschule interessierte sie sich vor allem für naturwissenschaftliche Fächer. Und als es dann um die Frage ging, welchen Beruf sie nach der Schule erlernen möchte, war für die Oberkircherin die Antwort klar: Elektronikerin. Aber ein paar Wochen vor Ausbildungsstart zweifelte sie an ihrem Wunsch. »Ich habe mich gefragt, ob ich das wirklich kann: vielleicht als einzige Frau unter Männern in der Ausbildungswerkstatt und im Klassenzimmer der Berufsschule.« Ganz so schlimm kam’s nicht. In der Berufsschule hatte sie eine weitere Mitstreiterin. Und nach ein paar Wochen merkten die Jungs, was die zierliche Frau aus dem Renchtal in der Elektrotechnik draufhatte. »Ich musste mir die Anerkennung erarbeiten.«

Mädchen haben im Schnitt bessere Schulnoten als Jungen. Trotzdem bleiben viele technische Berufe eine Männerdomäne. Das liegt an den Hürden in den Köpfen. Schon in der Schulzeit wird Mädchen, laut einer Studie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, in der Familie und im Freundeskreis fünf Mal häufiger von einer technischen Ausbildung abgeraten – mit entsprechenden Folgen. Viele Mädchen und junge Frauen trauen sich gar nicht erst zu, in technischen Disziplinen beruflich Fuß zu fassen. Mehr als ein Drittel der Schülerinnen, die sich gegen eine solche Ausbildung entscheiden, geben als Grund die »Entmutigung durch ihr soziales Umfeld« an.

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Ein wenig Geduld haben

Dass Tanja Lößnitz es dennoch gewagt hat, lag an der Unterstützung durch ihre Eltern und ihren Freund. Vater Rolf hat ihr viel technisches Wissen vermittelt. Ihre Ausbildung bei der Firma Kasto in Achern hat sie mit »sehr gut« gemeistert. Nach eineinhalb Jahren im Schaltschrankbau hat sie sich für die Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker entschieden und nicht bereut.

Bei ihrer Technikerarbeit war viel Programmierwissen gefragt. Ihr Know-how, das sich die 24-Jährige in den vergangenen beiden Jahren in der Technikerschule angeeignet hat, wird sie künftig im Unternehmen Schäfer Elektronik in Achern anwenden. Dort hat sie in der Entwicklungsabteilung eine Technikerstelle erhalten.

Anderen Frauen, die wie sie einen technischen Beruf ergreifen möchten, rät Tanja Lößnitz, mit sich selbst ein wenig Geduld zu haben und herauszufinden, was sie wirklich interessiert. »Man sollte Dinge mal ausprobieren, auch wenn andere skeptisch sind, und seinen eigenen Weg gehen.«

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