Zehnteilige Serie (3): Der Klimawandel in der Region

Auswirkungen des Klimawandels auf die Wassersituation

Autor: 
Markus Fix
Lesezeit 5 Minuten
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13. April 2017
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(Bild 1/2) Symbolbild ©Pixabay

Der Klimawandel hat auch starke Auswirkungen auf den Wasserhaushalt in der Region. Landwirtschaft, Schifffahrt und natürlich der Mensch selbst werden zukünftig öfters unter Überschwemmungen und Dürren leiden müssen. Dagegen unternehmen kann man nicht viel, es bleibt nur, Vorkehrungen zu treffen, um die schlimmsten Folgen zu verhindern oder zumindest abzumildern.
 

Baden-Württemberg ist reich an Grundwasser. Das ist die gute Nachricht. Dennoch ist es nicht unerschöpflich. Momentan liegt der Pegel nach einem sehr trockenen Winter extrem niedrig. Dadurch können, wenn auch im Frühling und im Sommer für längere Zeit das Wasser von oben ausbleibt, Bäche oder Flussabschnitte austrocknen, was für Flora, Fauna und den Menschen schwerwiegende Folgen haben kann.

Nicht nur, dass Pflanzen, Tiere und der Mensch das kühle Nass zum Überleben brauchen, auch die Binnenschifffahrt ist darauf angewiesen, und Atomkraftwerke, von denen in Baden-Württemberg immer noch welche am Netz sind, werden mit Flusswasser gekühlt. 

Im Winter immer weniger Niederschläge

Normalerweise werden im Winter durch ausdauernde Niederschläge und danach durch die Schneeschmelze die Grundwasserreserven, die im Sommer sinken, wieder aufgefüllt. Dadurch, dass es durch den Klimawandel im Winter aber immer weniger Niederschläge gibt, passiert das nicht mehr. Und das trifft nicht etwa nur auf den vergangenen Winter zu.

Laut dem Kooperationsvorhaben KLIWA (Klimaveränderung und Konsequenzen für die Wasserwirtschaft), war Baden-Württemberg auch im Jahr 2015  durch eine extreme Trockenheit geprägt. Im Deutschlandmittel fiel damals etwa zehn Prozent zu wenig Niederschlag, in Baden-Württemberg betrug das Niederschlagsdefizit im Durchschnitt etwa 24 Prozent im Vergleich zur Referenzperiode 1961 bis 1990. Also fast ein Viertel weniger. 

Zwei Jahre hintereinander zu wenig Niederschlag, das hat Folgen für das Grundwasser. »Seit 1913 war es nicht mehr so schlimm«, sagte Wasser-Experte Michel Wingering von der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) Anfang Februar. Das könne im Lauf des Jahres zum Problem für Fließgewässer und deren Ökosysteme werden. »Solche Gewässer führen relativ früh dann Niedrigwasser und können in Teilen ganz austrocknen.« 

Längere Trockenperioden vor allem von Juni bis November

Vor allem von Juni bis November muss man im Land zukünftig aufgrund von längeren Trockenperioden mit niedrigen Pegelständen rechnen. Zu den fehlenden Regenfällen kommt auch noch ein weiterer Wasserverlust durch Verdunstung infolge der durch den Klimawandel höheren Lufttemperaturen hinzu.

Und das ist schon länger so. Wenn man 30 Jahre zurückschaut, so hat sich die Wahrscheinlichkeit einer ausgeprägt trockenen Vegetationsperiode seit 1985 versechsfacht. Es muss einem auch klar sein, dass, auch wenn Hochwasserfotos immer sehr viel spektakulärer aussehen als Fotos von einer Dürre, durch Trockenheit sehr viel größere Landflächen – und damit neben dem Wasserhaushalt auch Flora und Fauna – betroffen sind als durch Hochwasserereignisse.

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Für Flüsse ist zu wenig Grundwasser nicht nur wegen Schwierigkeiten für die Schifffahrt dramatisch. Vielmehr ist ein weiteres großes Problem, dass sich die Flüsse scheller erwärmen, was zu einem Sauerstoffabfall und schlimmstenfalls auch zum Sterben von Fischen und im Wasser lebenden Kleinstlebewesen führen kann.

Auch für Bäume, die sich über ihre tiefen Wurzeln mit Feuchtigkeit versorgen, bedeuteten niedrige Grundwasserpegel Stress. Und Landwirte, die ihre Felder über das Grundwasser wässern, können ebenfalls in Schwierigkeiten kommen. Um Versorgungsengpässe zu vermeiden, sind hier effizientere landwirtschaftliche Bewässerungsmethoden notwendig. 

Starkregen: Viele Liter Regen prasseln zu Boden

Den fehlenden Niederschlägen steht der Starkregen gegenüber, der immer öfters fällt. Innerhalb von Minuten prasseln dann viele Liter Regen zu Boden, der diese Menge nicht aufnehmen kann, was zu Überschwemmungen führt. In Braunsbach fielen im vergangenen Mai zum Beispiel im Einzugsgebiet mehrerer kleinerer Bäche in einer Stunde mehr als 90 mm Niederschlag. Das dadurch verursachte Hochwasser richtete enorme Schäden an, insbesondere durch Geröll und Gestein sowie mitgeführte Baumstämme wurde das Dorf verwüstet und unbewohnbar gemacht.

Das Gefährliche an solchen Sturzfluten, die in den vergangenen Jahren immer öfters aufgetreten sind, ist, dass sie nicht vorhersehbar sind. Man kann sich aber wappnen. Mit speziellen Starkregenkarten zum Beispiel. Baden-Württemberg hat als erstes Bundesland  den Kommunen erstmals eine Datengrundlage gegeben. Dadurch sollen Städte und Gemeinden besser auf lokale Unwetter vorbereitet werden.

Die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) hat einen Leitfaden erstellt, der Kommunen in die Lage versetzen soll, spezielle Starkregenkarten zu erstellen – mit digitalen Geländemodellen und neuen Risiko-Daten. Vor Ort kann man sich so besser auf Sturzfluten vorbereiten (siehe Kasten). 

Hochwasserschutzanlagen häufig veraltet

Auch bei Hochwasserschutzanlagen muss man in Zukunft umdenken, Modelle, die vor mehreren Jahren erstellt wurden, sind nach den neuen Erkenntnissen von Klimaexperten inzwischen veraltet, der Schutz ist nicht mehr gewährleistet. Denn sie wurden so dimensioniert, dass sie vor einem sogenannten »Jahrhunderthochwasser«, das statistisch gesehen einmal in 100 Jahren vorkommt, schützen. So ein »Jahrhunderthochwasser« kommt inzwischen aber erstens immer öfters vor, und zweitens steigt das Wasser dabei jedes Mal höher, als man beim Bau der Schutzanlagen eingeplant hat.

In Zukunft muss also der Klimawandel mit einberechnet werden, was die Planer vor große Herausforderungen stellen dürfte. Und nicht nur die. Auch beim Brückenbau muss man den Klimawandel einplanen, und Ufermauern werden schon jetzt so gebaut, dass sie später einigermaßen problemlos erhöht werden können.

Weitere Infos zum Thema Klimawandel und Wasserhaushalt in Baden-Württemberg finden Sie im Internet unter anderem hier: http://www.kliwa.de/

Hintergrund

Daten und Fakten rund ums Wasser

Kooperation dreier Länder

KLIWA ist die Abkürzung für das Kooperationsvorhaben »Klimaveränderung und Konsequenzen für die Wasserwirtschaft«. Die Länder Baden-Württemberg und Bayern sowie der Deutsche Wetterdienst kamen im April 1999 überein, eine längerfristige gebiets- und fachübergreifende Zusammenarbeit zu vereinbaren. 2007 trat Rheinland-Pfalz als vierter Kooperationspartner dem Vorhaben bei. Als Aufgabe gilt die Bewertung der künftigen Entwicklungen des Wasserhaushaltes, die Erkennung der möglichen Gefahren und Risiken und somit die Festlegung zukunftsorientierter, nachhaltiger wasserwirtschaftlicher Handlungsstrategien und -konzepte.
 

Daten und Maßnahmen

Kommunen, die sich beim Thema Starkregen auf den Leitfaden »Kommunales Starkregenrisikomanagement in Baden-Württemberg« stützen, erhalten vom Land einen Zuschuss von 70 Prozent der Kosten, die für kommunale Starkregengefahrenkarten mit nachfolgender Risikoanalyse und darauf aufbauendem Handlungskonzept entstehen. Der mit der Universität Freiburg erarbeitete Leitfaden beinhaltet Daten zur Niederschlagsmenge, die bei Starkregen abfließen kann – abhängig etwa von Bodenbeschaffenheit, Landnutzung und Versiegelung oder von Hang- und Kessellage. Zugleich zeigt er Maßnahmen auf, die vor Überflutungen schützen.
 

Zu wenig Sauerstoff

Der Bodensee ist der größte Trinkwasserspeicher Europas, und auch er ist vom Klimawandel betroffen. Durch zu milde Winter können sich die verschiedenen Wasserschichten nicht mehr optimal vermischen. So wird beispielsweise zu wenig Sauerstoff in die unteren Bereiche transportiert. Zu wenig Sauerstoff kann in der Tiefe vor allem die dort lebenden Organismen schädigen. Davon sind beispielsweise Fischeier betroffen, vor allem von Felchen. Es ist daher wichtig, den Nährstoffgehalt im Bodensee in natürlichen Grenzen zu halten: Denn eine Nährstoffbelastung würde die Sauerstoffzehrung im Tiefenwasser erhöhen, was unabsehbare Folgen hätte.
 

Straßen werden zu Bächen

Unter Starkregen versteht man lokal begrenzten heftigen Niederschlag. Da er oft plötzlich auftritt, kann man sich kaum auf ihn vorbereiten. Wege, Straßen und Einschnitte im Gelände können im Nu zu reißenden Sturzbächen werden. Im abschüssigen Gelände fließen die Wassermassen oberirdisch ab. Solche Sturzfluten haben hohe Strömungskräfte und können große Mengen an Treibgut wie Holz sowie Boden und Geröll mit sich reißen. Das kann an Rohren, Brücken, Stegen und Zäunen Wasser aufstauen und so zu Überflutungen führen. Typisch bei Starkregen sind Wasser-eintritt in Gebäude und Schäden an der Bausubstanz. fi

Info

Alle Folgen der Klimaserie im Überblick

Teil 1: Übersicht über die globale Entwicklung und die Auswirkungen auf Baden-Württemberg.

Teil 2: Auswirkungen des Klimawandels und des damit verbundenen Gesundheitsrisiken auf die Menschen in der Region.

Teil 3: Auswirkungen des Klimawandels auf die Wassersituation und damit verbundene Probleme in der Region.

Teil 4: Auswirkungen des Klimawandels auf die Beschaffenheit und die Ertragfähigkeit der Böden in der Region.

Teil 5: Auswirkungen des Klimawandels auf die Arbeit in der Landwirtschaft in der Region.

Teil 6: Auswirkungen des Klimawandels auf die Forstwirtschaft und die Arbeit im Wald in der Region.

Teil 7: Auswirkungen des Klimawandels auf die Natur und den Artenschutz in der Region.

Teil 8: Auswirkungen des Klimawandels auf den Sommer und Wintertourismus in der Region.

Teil 9: Auswirkungen des Klimawandels auf die Wirtschaft und die Arbeitsverhältnisse in der Region.

Teil 10: Interview mit einem Klimaexperten, wie es aufgrund des Klimawandels 2050 in der Region aussehen könnte.

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