Freiburg

Kind für Sex verkauft: Hauptverdächtiger hatte Kontaktverbot

13. Januar 2018
&copy dpa - Patrick Seeger/Illustration

Ein Sexualstraftäter zieht zu einer Familie bei Freiburg – trotz Gerichtsverbot. Nach einem anonymen Hinweis wird klar: Der Junge der Familie soll im Internet gegen Geld für Sex vermittelt worden sein. Die Behörden müssen sich auf kritische Fragen einstellen.

Gegen den einschlägig wegen Missbrauchs von Minderjährigen vorbestraften 37-Jährigen habe ein Kontaktverbot zu Kindern und Jugendlichen bestanden. Mehrere Medien berichteten unter Berufung auf Oberstaatsanwalt Michael Mächtel, dass der Mann trotz des Verbots mit der 47 Jahre alten Mutter des Neunjährigen zusammengezogen war. Die Mutter soll ihren Sohn seit 2015 im Internet für Sex angeboten haben.

37-Jähriger ging gegen Urteil vor – nicht rechtskräftig

Nach dem Einzug bei der Familie hatte das zuständige Amtsgericht den Berichten zufolge den 37-Jährigen im Juni 2017 zu einer viermonatigen Haftstrafe wegen Verstoßes gegen Führungsauflagen verurteilt. Das Urteil wurde allerdings nicht rechtskräftig, weil der Mann dagegen vorging. Die Auflagen bestanden, weil ihn das Landgericht Freiburg den Berichten zufolge bereits 2010 zu einer Haftstrafe von vier Jahren und drei Monaten wegen Missbrauchs verurteilt hatte.

Der neun Jahre alte Junge kam in staatliche Obhut, nachdem im September ein wohl von dem 37-Jährigen maßgeblich organisierter Pädophilenring zerschlagen worden war. In Untersuchungshaft sitzen die Mutter sowie sieben Männer, unter ihnen ein 49 Jahre alter Soldat, ein 37 Jahre alter Schweizer Staatsbürger und ein 32-jähriger Spanier.

Lebensunterhalt mit Missbrauch finanziert

Die Mutter und ihr Lebenspartner sollen das Kind jeweils gegen Zahlung von mehreren tausend Euro für sexuelle Misshandlungen und Vergewaltigungen an Gewalttäter verkauft haben. Damit soll das arbeitslose Paar seinen Lebensunterhalt bestritten haben.

Teils soll der Hauptverdächtige sich gemeinsam mit anderen mutmaßlichen Tätern an dem Kind vergangen haben, hatten Staatsanwaltschaft und Polizei am Donnerstag mitteilt. Das Landeskriminalamt spricht von dem schwerwiegendsten Fall sexuellen Missbrauchs eines Kindes, den die Behörde je bearbeitet habe. Die Ermittler haben nach eigener Darstellung eine Vielzahl an Beweisen gesichert, darunter auch Filmmaterial.

Warum wurde nicht früher etwas getan?

Offen ist die Frage, warum das Martyrium des Neunjährigen nicht früher beendet werden konnte. Das Jugendamt hatte die Familie seit längerer Zeit im Blick. Nach Hinweisen der Polizei auf eine sexuelle Gefährdung des Schülers konnte er im März 2017 sogar zeitweise aus seiner Familie geholt werden. Das Familiengericht schickte ihn nach Darstellung des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald aber wieder nach Hause. Das von der Behörde eingeschaltete Oberlandesgericht habe diese Entscheidung bestätigt. Hinzu kam das nicht vollstreckte Urteil des Amtsgerichts gegen den 37-Jährigen wegen des Kontaktverbots.

Erst im September wurde der Junge endgültig aus der Hand seiner mutmaßlichen Peiniger befreit. Grund dafür war ein anonymer Hinweis am 10. September an das Landeskriminalamt in Stuttgart und an die Zentralstelle für Internetermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt. Sie nahmen dann Ermittlungen wegen des Verdachts des anhaltenden schweren sexuellen Missbrauchs des Jungen auf.

Junge wurde schon im Kindergartenalter betreut

Der Junge war nach Angaben des Landratsamtes bereits im Kindergartenalter vom Jugendamt betreut worden. «Dabei ging es um Hilfen zur Förderung der persönlichen Entwicklung des Kindes», sagte ein Sprecher am Freitag. Die Mutter ist den Ermittlern zufolge strafrechtlich bislang nicht aufgefallen.

Das Jugendamt Breisgau-Hochschwarzwald stand in den vergangenen Jahren bereits in der Kritik. Im Januar 2015 war der drei Jahre alte Alessio in Lenzkirch im Schwarzwald von seinem Stiefvater zu Tode geprügelt worden. Die Behörde soll Warnungen ignoriert und Alessio nicht ausreichend geschützt haben. Der zuständige Sachbearbeiter im Jugendamt musste eine Geldstrafe zahlen.

Autor:
dpa

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