Auf den Punkt gebracht

Knopf auf Baden 21 machen!

Autor: 
Roland Diehl
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
04. Januar 2015

(Bild 1/2) Die IG Bohr fordert einen menschenverträglichen und umweltgerechten Ausbau der Rheintalbahn. ©Ulrich Marx

Wie geht es mit Baden 21, dem Konzept der Bahn-Bürgerinitiativen für einen menschenverträglichen, umweltgerechten und zukunftstauglichen Ausbau der Rheintalbahn, im neuen Jahr weiter? Diese Frage beantwortet exklusiv für die Mittelbadische Presse Roland Diehl, Sprecher der IG Bohr (Interessengemeinschaft Bahnprotest an Ober- und Hochrhein).

 

Mit dem Segen und der Förderung durch die Europäische Union arbeiten die europäischen Eisenbahnen an der Umsetzung effizienzsteigernder Maßnahmen im Schienengüterverkehr. Interoperabilität (dichtere Zugfolge durch einheitliche Signalisierung), deutlich längere Güterzüge, höhere Geschwin-digkeit (bis 160 km/h) und höhere Achslast scheinen am Horizont der nächsten zehn Jahre auf. Damit verbunden ist eine weitere Zunahme des Bahnlärms.
Die freiwillige Errichtung von Lärmschutzwänden und der Austausch von Bremsklötzen sind bei Weitem nicht ausreichend, um wirksam gegenzusteuern. Andere Bemühungen zur Lärmminderung (z. B. Schienenstegdämpfer) sind eher kosmetischer Art. Der Schutz vor Bahnlärm wird auf absehbare Zeit weiterhin ein Schattendasein fristen.
Das hat unmittelbare Auswirkungen auf die Wohnbebauung, die sich hierzulande entlang aller Haupteisenbahnlinien erstreckt. Bei der Aufstellung von Bauleitplänen sind insbesondere die allge-meinen Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse und die Sicherheit der Wohn- und Arbeitsbevölkerung zu berücksichtigen. Sollte nicht auch für die Baumaßnahmen der Deutschen Bahn die Bauleitplanung gelten? Was liegt näher als die Wahl »lärm­armer« und »sicherer« Trassen, wenn sich die Möglichkeit dazu bietet?
Vor diesem Hintergrund haben die Bürgerinitiativen der IG Bohr ihr generelles Credo formuliert: Keine Transitgüterzüge durch die Wohnbebauung! Der viergleisige Ausbau des Rhein-Alpen-Korridors bietet die große Chance, dass sich die Globalforderung der IG Bohr, hinter der nahezu die gesamte Region am Südlichen Oberrhein steht, realisieren lässt. Aus entsprechenden Überlegungen entstand das Konzept Baden 21, das zwischen Offenburg und Weil am Rhein ortsspezifische Lösungen aufzeigt, wie ein menschenverträglicher, umweltgerechter und zukunftstauglicher Ausbau und Betrieb der Rheintalbahn gelingen kann.
Die Antragsplanung der DB erfüllt diesen Qualitätsanspruch nicht. Größter politischer Erfolg der Region ist die Stornierung der laufenden Verfahren zugunsten einer politischen Meinungsbildung im Projektbeirat Rheintalbahn mit hoher Wahrscheinlichkeit einer Umsetzung im Deutschen Bundestag, flankiert durch Entscheidungen des Landtags Baden-Württemberg, wie bereits hinsichtlich des übergesetzlichen Lärmschutzes bei der autobahnparallelen Westumfahrung Freiburgs und der Bürgertrasse im Markgräflerland geschehen.
Nach dem einstimmigen Votum des Projektbeirats im Jahr 2014 für einen doppelröhrigen Tunnel für Offenburg erfüllt auch dieser Planungsabschnitt die Voraussetzung für einen entsprechenden Beschluss im Deutschen Bundestag. Es ist vorgesehen, dass der Projektbeirat im neuen Jahr über die optimierte Streckenführung im Bereich Hügelheim-Auggen und über die autobahnparallele Güterzugtrasse zwischen Offenburg und Riegel entscheidet.
Aus Sicht der IG Bohr liegen alle Entscheidungskriterien auf dem Tisch. Weitere Zeitverzögerungen sind nicht angebracht – Früchte sollen geerntet werden, wenn sie reif sind. Diesbezüglich erhofft sich die IG Bohr von den regionalen politischen Entscheidungsträgern ein klares Votum für Baden 21 mit der Erwartung, dass sich der Projektbeirat in seiner nächsten Sitzung u. a. dem Grunde nach für die autobahnparallele Bahntrasse entscheidet. Diese ließe sich mit planerischen Detailvorschlägen aus dem Hause Herrenknecht so weit optimieren, dass damit auch Bedenken von Kritikern einer autobahnparallelen Trassenführung Rechnung getragen werden könnte.
Im neuen Jahr ist die Chance gegeben, den berühmten Knopf auf Baden 21 zu machen. Nutzen wir sie für uns und unsere Nachkommen!

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

vor 2 Stunden
Macrons nächstes Neuerung
Nun – nach der Sommerpause – will der französische Staatspräsident Emmanuel Macron ein weiteres zentrales Reformprojekt angehen: die Reduzierung der Zahl der Parlamentsmitglieder, eine beschränkte Einführung des Verhältniswahlrechts und eine Verstärkung der Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger.  
vor 2 Stunden
Nachrichten
Immer wieder sitzen Bootsmigranten teils wochenlang auf zivilen Rettungsschiffen fest. Damit könnte bald Schluss sein. Eine wichtige Grundsatzeinigung steht.
Die Arbeitswelt steht im Zuge der Digitalisierung vor dramatischen Veränderungen.
vor 2 Stunden
Berlin
Mehr als die Hälfte der Unternehmen schätzen den eigenen Qualifizierungsgrad im Zuge der Digitalisierung als gering ein.
vor 5 Stunden
Selbstverletzung
Schockmoment in Colmar am Samstagabend: Ein Mann hat gegen 19.25 Uhr sein Auto absichtlich in die Große Moschee gelenkt. Bei dem Vorfall wurde außer dem Fahrer niemand verletzt. Der Mann soll unter einer psychischen Erkrankung leiden.
vor 5 Stunden
Freiburg
Im Prozess um die mutmaßliche Gruppenvergewaltigung zeichnet sich Wende ab: Die Staatsanwaltschaft hat die Vorwürfe gegen einen der elf Angeklagten aus Mangel an Beweisen zurückgezogen.
Das Kohlekraftwerk Scherer bei Juliette (USA). Die USA sind laut US-Umweltbehörde mit einem Ausstoß von rund 6,5 Milliarden Tonnen CO2 hinter China der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasen.
vor 6 Stunden
Nachrichten
New York (dpa) - Wie soll der Klimaschutz in den kommenden Jahren aussehen? 
vor 6 Stunden
Gerichtstermin am Montag
Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) hat dem Karlsruher SC im Streit um den Neubau des Wildparkstadions mit der Kündigung des Stadionmietvertrags gedroht. »Wir haben immer noch die Möglichkeit, mit einer einjährigen Frist zum Jahresende das Mietverhältnis mit dem KSC zu kündigen. Auch das müssen...
Im ARD-«Bericht aus Berlin» am Sonntag zeigte sich der Chef der Grünen, Robert Habeck, nicht sattelfest, was Wirkung und Ausgestaltung der Entfernungspauschale angeht, über die Berufspendler Steuern sparen können.
vor 6 Stunden
Berlin
Die geplante Erhöhung der Pendlerpauschale gehört zu den am schärfsten kritisierten Punkten des Klimapakets - aber Grünen-Chef Robert Habeck hat sein Protest gegen diese Maßnahme viel Spott eingebracht.
Mit dem beschlosssenen Klimapaket sollen weitreichende Maßnahmen für mehr Klimaschutz erreicht werden.
vor 6 Stunden
Berlin
Nach der scharfen Kritik am Klimapaket hat das Bundesumweltministerium die Entscheidungen verteidigt. «Ich bin überzeugt, dass der Gesamtmechanismus geeignet ist, Deutschland auf Zielkurs zu bringen», sagte Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth
vor 7 Stunden
Insolvenz beantragt
Die Pleite des Reisekonzerns Thomas Cook hat sich am Montagmorgen nicht auf die Flugpläne der Airports in Stuttgart und Karlsruhe ausgewirkt. In Stuttgart soll der Flugbetrieb von Ferienfliegern wie dem Tochterunternehmen Condor nach Angaben einer Sprecherin wie geplant weitergehen. Mögliche...
Bundesinnenminister Seehofer sucht mit seinen Kollegen aus Frankreich, Italien und Malta eine Übergangslösung für aus Seenot gerettete Migranten.
vor 7 Stunden
Vittoriosa
Bundesinnenminister Horst Seehofer berät mit seinen Kollegen aus Frankreich, Italien und Malta über eine Übergangslösung für aus Seenot gerettete Migranten. Bei dem Treffen in der maltesischen Stadt Vittoriosa soll eine Grundsatzeinigung gefunden werden, wie Bootsmigranten aus dem zentralen...
Der Klimawandel sorgt nicht nur für einen steigenden Meeresspiegel und mehr Dürren - er gefährdet auch die Gesundheit.
vor 8 Stunden
Berlin
Ende Juli jagte in Deutschland ein Hitzerekord den nächsten, mit 42,6 Grad Celsius wurde schließlich die höchste Temperatur im niedersächsischen Lingen gemessen.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -