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Dossier: 

TriRhenaTech: Sprung über den Rhein wird erleichtert

Autor: 
Reinhard Reck
Lesezeit 5 Minuten
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23. März 2017

»Von dieser Plattform profitieren alle«: Der Schweizer Crispino Bergamaschi (von links) mit Marc Renner aus Straßburg, dem neuen Sprecher von TriRhenaTech, und dessen Vorgänger Winfried Lieber (Offenburg) vor der Straßburger INSA-Hochschule. ©Iris Rothe

Wechsel bei der trinationalen Hochschulallianz TriRhenaTech am Oberrhein: Marc Renner, Direktor der INSA-Hochschule in Straßburg, ist nun als Nachfolger des Offenburger Hochschulrektors Winfried Lieber neuer Sprecher des Bündnisses. Zeit für eine Zwischenbilanz bei dem seit Herbst 2014 bestehenden Zusammenschluss.
 

Den Sprung über den Rhein wagen, im "Dreieckland" Baden/Elsass/Nordwestschweiz als Student in mehreren Staaten Erfahrungen sammeln, gemeinsam mit Wissenschaftlern aus dem Nachbarland Forschungsprojekte durchführen: Bei den Beteiligten gab es große Hoffnungen, als am 14. November 2014 in Straßburg der Vertrag zur Gründung des Hochschulbündnisses TriRhenaTech unterzeichnet wurde. 
Es war ein Novum am Oberrhein. Es gibt zwar schon seit  1989 das Bündnis »Eucor«. Dieses wird aber getragen von den fünf Universitäten am Oberrhein – Karlsruhe, Freiburg, Straßburg, die Université de Haute-Alsace (Mulhouse/Colmar) und Basel. TriRhenaTech hingegen ist ein Bündnis der Hochschulen für angewandte Wissenschaften, darunter auch einige Eliteeinrichtungen. Diese haben eigene Interessen, bieten oft Ausbildungen mit einem stärkeren Praxisbezug – verbunden mit engen Kontakten zur Wirtschaft. Für die Initiatoren war es wichtig, ein eigenes Forum zu finden.

»Es ist uns in den vergangenen zwei Jahren gelungen, das Bündnis sichtbarer zu machen«, betont jetzt Winfried Lieber. Der Rektor der Hochschule Offenburg hat sich von Anfang an für TriRhenaTech stark gemacht und fungierte bis jetzt als dessen Sprecher. Und man hat den Zusammenschluss noch erweitern können. Auf deutscher Seite kam erst im November 2015 noch die Hochschule Kaiserslautern dazu. Jetzt im März folgte die Duale Hochschule Baden-Württemberg in Lörrach. Neben diesen Einrichtungen haben sich folgende Hochschulen der Allianz angeschlossen: Offenburg, Furtwangen, Karlsruhe (Technik und Wirtschaft), die Fachhochschule Nordwestschweiz und auf elsässischer Seite der Hochschulverbund Alsace Tech mit 14 angeschlossenen Institutionen. Insgesamt sind also fast 40 000 Studierende eingebunden.

»Für uns ist TriRhenaTech sehr wichtig«, so Marc Renner, Chef der Straßburger Ingenieurhochschule INSA, der jetzt turnusmäßig zum neuen Sprecher der Allianz ernannt wurde. »Von dieser gemeinsamen Plattform profitieren alle Partner.« Auch kleineren Hochschulen würden in diesem Bündnis die Teilnahme an grenzüberschreitenden Projekten erleichtert. »Es war allerdings von Bedeutung, dass wir bei der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit nicht bei null angefangen haben.« Der Straßburger Hochschuldirektor verweist dabei auf das Programm »Deutsch-INSA« seiner Einrichtung: Nach der Bachelor-Prüfung können junge Leute eine Weiterbildung in deutscher und französischer Sprache absolvieren, wobei auch Praktika in Deutschland stattfinden. 

Auch viele der anderen beteiligten Hochschulen pflegen seit Jahren einen regen grenzüberschreitenden Austausch, ergänzt Crispino Bergamaschi, Direktionspräsident der Fachhochschule Nordwestschweiz und Vorstandsmitglied von TriRhenaTech. Beispiele dafür seien die trinationalen Studiengänge in den Bereichen Bauingenieurwesen, International Business Management, Elektrotechnik und Informationstechnik, »Information Communications Systems« sowie Mechatronik, an denen Mitglieder von TriRhenaTech beteiligt sind.
»Wir haben uns ambitionierte, aber mittelfristig durchaus realisierbare Ziele gestellt«, meint der Offenburger Winfried Lieber. Man will durch die grenzüberschreitende Kooperation nicht nur für die Studierenden die akademische Ausbildung attraktiver machen und Impulse bei der Forschung setzen. »Auch der Technologie- und Wissens­transfer ist von Bedeutung«, so Lieber. Schließlich verfüge man über sehr viele Kontakte zur Wirtschaft, was beispielsweise die Durchführung von Praktika im Nachbarland erleichtere. »Nicht zuletzt ist die Innovation für uns ein großes Thema«, ergänzt Marc Renner.

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In den letzten beiden Jahren ist es gelungen – auch mit Hilfe eines Interreg-Zuschusses von der EU –, für das Netzwerk eine festere organisatorische Basis zu schaffen. So wurde zwischenzeitlich an der Offenburger Hochschule eine Geschäftsstelle eingerichtet. Mit dem Straßburger Jean Pacevicius hat man nun einen hauptamtlichen Koordinator eingestellt, was eine Professionalisierung des Betriebs gewährleistet.
Bei der grenzüberschreitenden Forschung wurden ebenfalls Fortschritte erzielt – besonders im Rahmen der »Wissenschaftsoffensive«, die von den Bundesländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sowie von der französischen Region Grand Est getragen wird. Von den sieben Projekten, die im vergangenen Jahr bei der zweiten Ausschreibung ausgewählt wurden, stehen vier in Trägerschaft der Hochschulen von TriRhenaTech. Bei zwei weiteren Projekten sind sie beteiligt. Dabei geht es unter anderem um Themenbereiche wie medizinische Robotik, Drohnen und um die photokatalytische Reinigung von pestizidbelastetem Wasser. 

Im Rahmen dieser Wissenschaftsoffensive hat das Bündnis auch Workshops organisiert, bei denen sich Vertreter von Forschungseinrichtungen austauschen. Es wurden nicht zuletzt Forschergruppen bei der Erstellung von Förderanträgen für Projekte unterstützt. Im Moment gibt TriRhenaTech Hilfestellung bei mehreren Forschungsanträgen – insbesondere im Bereich von »Industrie 4.0«.
Auch für Studenten wurde eine Reihe von Veranstaltungen und Möglichkeiten zum Austausch organisiert. So findet Ende August bereits zum vierten Mal die deutsch-französische Sommeruniversität »Die Brücke« statt, diesmal im elsässischen Mulhouse. 25 junge Leute aus dem Oberrheinraum arbeiten zehn Tage lang an Projekten mit einem direkten Bezug zu Unternehmen. In sogenannten Tandemkursen können die Teilnehmer ihre Fremdsprachenkenntnisse und interkulturellen Kompetenzen verbessern.

Auf großes Interesse stößt auch der "TrinaTronics"-Wettbewerb: Studenten aus Mechatronik-Studiengängen haben die Aufgabe, in grenzüberschreitenden Teams innerhalb von neun Monaten einen Roboter zu bauen, der selbstständig durch ein Rohrnetz fahren kann und dieses kartographiert. Die Teilnehmer werden an ihren jeweiligen Hochschulen von einem Professor begleitet und erhalten dafür auch ECTS-Credits. Es handelt sich dabei also um Studienleistungen, die EU-weit anerkannt werden. Nicht zuletzt wurden zwischen den Hochschulen von TriRhenaTech auch Vereinbarungen über das Austauschprogramm »Erasmus« geschlossen.

»In Zukunft wollen wir die grenzüberschreitende Mobilität der Studenten stärken und immer mehr die Unternehmen miteinbeziehen«, erklärt Marc Renner aus Straßburg, der neue Sprecher von TriRhenaTech. Es gehe darum, die jungen Leute zu motivieren, ihre interkulturellen Kompetenzen zu verbessern. Dasselbe gelte für die Lehrenden mittels gemeinsamer Forschungsprojekte. 
»Dank des äußerst pragmatischen Dialogs zwischen unseren Hochschulen über Landesgrenzen hinweg können wir bereits zwei Jahre nach der Gründung der Allianz auf sehr konkrete Ergebnisse verweisen«, ergänzt der Offenburger Winfried Lieber. »Die neuen Maßnahmen zur Förderung der Mobilität unserer Studierenden  und eine äußerst erfolgreiche Beteiligung an der Wissenschaftsoffensive zeigen, dass TriRhenaTech große Potenziale für die Weiterentwicklung der Trinationalen Metropolregion am Oberrhein erschließen kann«, fügt er hinzu.

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