29-Jähriger verhaftet

Mindestens acht Tote bei Terrorakt in New York an Halloween

01. November 2017
&copy dpa - Bebeto Matthews&copy dpa

Strahlend blauer Himmel in New York zu Halloween – doch dann der Schock: Ein Pick-up-Truck rast in Manhattan durch Fußgänger und Fahrradfahrer. Acht Menschen sterben, weitere werden verletzt.

Bei einer Terrorattacke mit einem Kleinlaster in New York sind mindestens acht Menschen getötet worden. Ein 29-jähriger Mann sei mit dem gemieteten Pick-up-Truck auf einen Fußgänger- und Fahrradweg im Südwesten Manhattans gefahren und habe mehrere Menschen überfahren oder gerammt, teilten die New Yorker Polizei (NYPD) und Bürgermeister Bill de Blasio am Dienstag (Ortszeit) mit. Elf Menschen wurden schwer aber nicht lebensgefährlich verletzt.

Doch kein deutsches Todesopfer

Die New Yorker Feuerwehr hatte ursprünglich auch von einem deutschen Todesopfer berichtet. Später wurde das korrigiert. Es habe eine Verwechslung mit der Staatsangehörigkeit gegeben. Das Opfer stammt tatsächlich aus Belgien.

«Das ist ein schmerzhafter Tag für unsere Stadt», sagte Bürgermeister de Blasio in Bezug auf die Tat. «Eine schreckliche Tragödie auf der Westside.» Es handele sich um einen «Terrorakt» der feigesten Art und Weise. Polizeichef James O'Neill sprach von eine «Tragödie größten Ausmaßes». Die Sicherheitsvorkehrungen in der Millionenmetropole wurden verstärkt, auch für die traditionell am Abend des 31. Oktober stattfindenden Halloween-Feierlichkeiten mit Paraden. Es gebe aber keine Hinweise auf eine andere akute Bedrohung in der Stadt, sagte Gouverneur Andrew Cuomo.

Truck von Heimwerkermarkt gemietet

Der Vorfall ereignete sich im Südwesten Manhattans. Auf Höhe der West Houston Street fuhr der 29-Jährige mit einem von einem Heimwerkermarkt gemieteten weißen Pick-up-Truck auf einen Fußgänger- und Fahrradweg auf und passierte dort eine Strecke von etwa 20 Straßenblocks. Auf Höhe der Chambers Street direkt vor einer High School in der Nähe des World Trade Centers kollidierte der Truck mit einem Schulbus und kam zum Stehen.

Der Fahrer stieg aus dem Auto aus und rief «Allahu Akbar», arabisch für «Gott ist groß», wie die Polizei bestätigte. Dann hielt er zwei Waffen hoch, die sich im Nachhinein als relativ ungefährliche Paintballpistole und Luftgewehr herausstellten.

Attentäter überlebte

Ein Polizist schoss dem Mann in den Bauch, er wurde festgenommen und in ein Krankenhaus gebracht. Dort wurde er operiert, Beobachter erwarteten, dass er überlebt. Es werde nach niemandem mehr gefahndet, es habe sich um einen Einzeltäter gehandelt, teilten die Behörden mit. Der Mann stamme nicht aus New York, hieß es. Nähere Einzelheiten zu seiner Identität wurden jedoch zunächst aus ermittlungstechnischen Gründen nicht mitgeteilt. Medienberichten zufolge war er 2010 in die USA gekommen.

Der Straßenblock an der Chambers Street wurde abgesperrt, Polizei und Feuerwehr waren vor Ort, Hubschrauber kreisten über der Gegend. Dutzende Schüler der High School und Schaulustige standen an den Absperrungen. Auf den Straßen stauten sich tausende von Fahrzeugen. Wegen des Halloween-Fests waren zudem deutlich mehr Menschen auf den Straßen unterwegs als sonst.

Anwohner hörten Schüsse

«Ich habe Schüsse gehört und dann hat es auch danach gerochen», sagt John Williams, der während des Vorfalls ganz in der Nähe mit seinem Skateboard auf dem Weg zu einem Skaterpark war. «Zwei Frauen mit Kindern sind auf mich zugerannt, jemand schrie: "Er hat eine Pistole."»

Zuerst sei er weggegangen, habe sich dann aber wieder auf den Ort des Vorfalls zubewegt, sagte der 22-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. «Ich sah einen Mann auf dem Boden liegen mit dem Gesicht nach unten, es sah aus, als wäre er erschossen worden. Ein anderer Mann wurde gerade festgenommen.»

Ezequiel Gonzalez war auf der anderen Straßenseite, als der Vorfall passierte. «Ich hörte Geräusche, es klang wie von einem Auto», sagte der 18-Jährige. «Dann sah ich wie die Menschen reagierten, es gab viel Verwirrung, niemand wusste, was los war. Die Vorderseite des Autos war eingebeult, überall waren Trümmer und Müll.»

Anschläge in den USA sind selten

Das Weiße Haus teilte mit, US-Präsident Donald Trump sei über den Vorfall informiert worden und werde auf dem Laufenden gehalten. «Unsere Gedanken und Gebete sind mit allen Betroffenen.» Trump meldete sich zudem via Twitter zu Wort: «Es sieht wie eine weitere Attacke einer sehr kranken und gestörten Person aus», schrieb Trump. Die Ermittler arbeiteten das Ereignis auf. «NICHT IN DEN USA!», beendete Trump in Großbuchstaben seine erste Reaktion.

 

 

Sollte sich die Einschätzung der Sicherheitsbehörden bestätigen, würde es sich um den ersten Terroranschlag in der Amtszeit von Präsident Trump handeln. Der Republikaner hat sich vehement für eine Verschärfung der Einwanderungspolitik in den USA stark gemacht und dies damit begründet, dass er die Terrorgefahr für die USA als sehr konkret einschätze. So wollte er ein Einreiseverbot für Menschen aus überwiegend muslimisch geprägten Ländern einführen, scheiterte damit aber vor Gerichten. Trotz aller scharfen Rhetorik sind extremistisch motivierte Anschläge in den USA vergleichsweise selten.

Autor:
dpa

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