THEMA DES TAGES: Das Fernsehen der Zukunft

»Berieseln« war gestern

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25. September 2014
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Mathias Allary ist Professor für Filmregie. ©MHMK /Josef Hoelzl

Mathias Allary ist Drehbuchautor und Professor für Filmregie an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation in München. Im Interview mit der Mittelbadischen Presse erläutert der 54-Jährige, welche Auswirkungen Videostreaming-Dienste auf die Fernsehwelt haben.

Herr Allary, läutet Netflix den Tod des Fernsehens ein?

Mathias Allary: Vielleicht eher eine Schwächung der Privatsender. Beide Anbieter bedienen ähnliche Geschmäcker und liefern ähnliche Inhalte.

Was macht Online-Videotheken so erfolgreich?
Allary: Anbieter wie Netflix analysieren ganz genau, was die Zuschauer am meisten interessiert. Sie wissen nicht nur, für welche Inhalte und Entwicklungen man sich interessiert, sondern auch, an welcher Stelle man einen Film ausschaltet. Das ist ein wenig wie Spionage.

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Wie werden diese Daten genutzt?
Allary: Netflix produziert Filme und Serien maßgeschneidert nach den Interessen seiner Kunden, das Internet liefert die Daten. Das läuft nach dem Amazon-Prinzip, man analysiert den Kunden und liefert: Was gefragt ist, wird produziert. Alles andere fällt weg.

Funktioniert das Fernsehen nicht schon immer so?
Allary: Wenn ich den Sendern RTL, Pro7 und Co. glauben darf, dann schon. Die zeigen angeblich genau das, was die Masse sehen will. Man könnte das Sehbewusstsein und das Qualitätsempfinden aber auch schulen und nach und nach heben. Ein viel besserer Ansatz wäre es doch, die Menschen im Herzen zu berühren und ihnen etwas zu zeigen, das zum Nachdenken anregt.

Sind die öffentlich-rechtlichen Sender also eine gute Alternative?
Allary: Leider immer weniger. Die öffentlich-rechtlichen Sender versuchen die Privaten in vielen Punkten zu imitieren. Einen Gegenentwurf findet man vor allem bei 3Sat oder bei Arte. Ansonsten geht dort die große Angst um, das junge Publikum zu verlieren. Die landen schließlich kaum noch bei ARD und ZDF, höchstens bei Sportveranstaltungen. Also versucht man verzweifelt mit fragwürdigen cross-medialen Angeboten gegenzuhalten.

Das klingt sehr negativ. Sehen Sie dagegen auch positive Aspekte?
Allary: Die Zahl der Menschen, die sich vorm Fernseher berieseln lassen, wird immer kleiner. Niemand lässt sich gerne vorschreiben, was man wann zu sehen hat. Insofern bieten die Streaming-Dienste mehr Selbstbestimmung. Natürlich gibt es auch grandiose amerikanische Serien auf hohem Niveau. Es wird sehr darauf ankommen, was man daraus macht – und welche Filme letztlich angeboten werden.

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