Berlin

CDU probt den Ernstfall vor der Haustür

Autor: 
Hagen Strauß
Jetzt Artikel teilen:
26. Juli 2017
CDU-Generalsekretär Peter Tauber stellte Mitte Juni in der Parteizentrale in Berlin die Plakate für den Bundestagswahlkampf 2017 vor.

Der Wutbürger hat einen Bauch, schütteres Haar und trägt ein bräunliches Shirt. Dieser Mann erscheint auf der digitalen Haustür und legt gleich los: »Das ist doch alles eine Soße« schimpft er auf die Parteien. »Hauen Sie ab!« Da gibt es für den christdemokratischen Wahlkämpfer nur noch eins: Ruhig bleiben, mit ein paar netten Worten geordnet den Rückzug antreten. So wird im Konrad-Adenauer-Haus der CDU für den Ernstfall geübt. 
Allerdings ist das nur eine von mehreren Begegnungen der inszenierten Art. Denn auch freundlich und zugewandt kann man an der Bildschirm-Pforte empfangen werden – beispielsweise mit der Einladung einer gemütlichen Dame zum Kuchen. Dann heißt es: Höflich ablehnen, weil man ansonsten zu viel Zeit verliert. Und natürlich daran erinnern, doch bitteschön die CDU zu wählen. Die Union glaubt zu wissen, wie man den Urnengang am 24. September erfolgreich stemmen kann – von Tür zu Tür. Darum dreht sich fast alles in der Wahlkampfzentrale der Christdemokraten. 

Wer der so wichtigen Schaltstelle einen Besuch abstatten will, muss mit dem Fahrstuhl in die zweite Etage fahren. Dann kommt er erst einmal an Wahlplakaten aus früheren Zeiten vorbei. Mit Helmut Kohl (»Weltklasse für Deutschland«), Edmund Stoiber (»Zeit für Taten«) und natürlich mit Angela Merkel (»Ein neuer Anfang«). Wände wurden hier beseitigt oder verrückt, Glasscheiben eingezogen – das ist der »Maschinenraum«, die Einsatzzentrale. Alles ist hier etwas hipper als sonst bei den Konservativen. Die Offenheit soll inspirieren, es gibt einige Sitzecken zum flinken Meinungsaustausch, es gibt Sofas, viel Technik, ein kleines Fernsehstudio – und eine riesige Schultafel. Dann doch wie früher. Darauf kann jeder mal schnell eine kreative Idee fixieren. Eine hängt an der Wand, ein Spruch: »Cool bleiben und Kanzlerin wählen.«

Eigentlich sind es drei Zentralen in einer, die Generalsekretär Peter Tauber in der zweiten Etage vereint hat: Ein Team der Hamburger Agentur »Jung von Matt« ist vertreten, das auf Plakaten, in Filmchen und im Netz die Kanzlerin volksnah, emotional und zugleich kampfeslustig erscheinen lassen soll. Hier finden auch die Gegnerbeobachtung und die Suche nach Falschnachrichten statt, auf die man sofort reagieren muss. Dazu die Online-Redaktion und das eigentliche Herzstück der Wahlkampfzentrale: »Connect17«.
So nennt sich das Unterstützernetzwerk, das von der Jungen Union betrieben wird. Dahinter verbergen sich Aktivisten um Conrad Clemens, den 33-jährigen Bundesgeschäftsführer der JU. Die halbe Etage hat der erst 42-jährige Tauber den jungen Leuten als digitalen Spielplatz in Start-Up-Optik eingerichtet. Samt Hausattrappe zum Üben. Sie organisieren den Haustürwahlkampf, sie beantworten Fragen am Telefon oder online und sie planen Schulungen. Drei digitale Haustüren sind im Land unterwegs, um Parteigänger für den Umgang mit dem Wähler von Angesicht zu Angesicht fit zu machen. Über 5000 haben sich bereits schulen lassen. Die Mobilisierung ist immens. 
Immer noch ist man im »Maschinenraum« überrascht vom Erfolg des Konzeptes. Denn neu ist der Haustürwahlkampf nicht. Aber die Union hat ihn geschickt professionalisiert, mit einer App für die Bewertung des Tête-à-Têtes mit dem Bürger, mit Standortanalysen, wo das Klingeln an der Tür sinnvoll ist und wo nicht. SPD-Hochburgen gehören nicht dazu. »Das kann keiner mehr in den verbleibenden Wochen kopieren«, schwärmt JU-Mann Clemens. Was freilich nicht stimmt. Die SPD verfolgt ein ganz ähnliches Konzept. Mit ganz ähnlicher Technik.

Tauber berichtet stolz, unter den CDU-Mitgliedern sei durch die App, die auch ein Ranking enthält,  ein regelrechter Wettbewerb entstanden. Manch einer habe 17 Besuche in einer Stunde geschafft. Dass jemandem dabei mal regelrecht »Hass« entgegengeschlagen sei, sei eine absolute Ausnahme. Die Erfolge bei den Landtagswahlen im Saarland und in Nordrhein-Westfalen führt Tauber nicht nur, aber auch auf dieses Mittel zurück. Insgesamt will die CDU für ihren Wahlkampf 20 Millionen Euro ausgeben, um wieder die 40-Prozent-Marke zu knacken. Von der CSU kommen auch noch einige Millionen dazu.
Ob die Parteivorsitzende und Kanzlerin höchstpersönlich in den Haustürwahlkampf einsteigt? Die Frage überrascht Tauber etwas. Er antwortet: »Angela Merkel ist ganz begeistert von dem Projekt.« Aber selber irgendwo klingeln wird sie nicht. Dafür schaut sie aber ab und an in der Wahlkampfzentrale vorbei. Wenigstens etwas. 

- Anzeige -

Verwandte Inhalte zu dem Artikel

  • Serie: »Wahlkampfzentralen und ihre Macher«

  • 6,5 Millionen Euro für den Wahlkampf der Linken

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

Was für ein toller und spannender Besuch: Carolin (von links), Feli, Simon und Moritz haben von Buchbinder Josef Wunsch in dessen Werkstatt in Oberkirch so viele interessante Dinge erfahren, etwa, wie man kleine Fotoalben prägt und heftet, Zeitungen zu großen Bänden bindet und was eine Pappschere ist.
Oberkirch
20. Februar 2018
Vier Robby-Leser durften am Freitag einen Blick in Josef Wunschs Buchbinderei in Oberkirch werfen. Eineinhalb Stunden haben die Jungs und Mädels viel Spannendes über das Binden von Büchern und das Prägen von Einbänden erfahren.
18. Februar 2018
Zum 24. Mal fand am Freitag die Kinder-Uni an der Hochschule in Offenburg statt. Wie jedes Mal war das Interesse der 160 »Kinderstudenten« riesig und die Vorlesungen der Professoren sehr spannend und informativ.
10. Februar 2018
Tobias Kienzle ist gerade mal fünf Jahre jung und schon ein begeisterter Guggenmusiker bei den Haslacher »Gassenfezer«. Er hat gemeinsam mit seinem Papa Markus über sein närrisch-musikalisches Hobby gesprochen.  
08. Februar 2018
Heute ist Berlinertag: Am Schmutzigen Donnerstag und den folgenden Fasnachtstagen sind Berliner und Scherben so beliebt wie nie. Robbys Assistentin hat beim Gutacher »Dorfbeck« einen Blick in die Fritteusen werfen dürfen, wo die fettgebackenen Leckereien herkommen.  
05. Februar 2018
Robbys Ordner mit Buchkritiken seiner Mitarbeiter ist fast leer, dafür ist sein Bücherschrank wieder einigermaßen gefüllt.  Hier findet ihr deshalb ab heute wieder eine Liste mit Büchern, die er momentan auf Lager hat. Es ist für fast jedes Alter etwas dabei.
05. Februar 2018
Ab Donnerstag übernehmen die Narren bis zum Aschermittwoch das Kommando. Die Fasnachtszeit ist vor allem für Hästräger etwas ganz Besonderes. Vier junge Fischerbacher Giftzwerge berichten Robby Rheinschnake, warum sie in einer Narrenzunft sind und warum es dort so viel Spaß macht.
Die Ohlsbacher Umbeisen, Hexen und Rekruten stellten den Kindern der Weinbergschule nicht nur ihre Kostüme ausführlich vor, sie ließen die Schüler das fasnachtliche Brauchtum in einer Schnitzeljagd auch selbst erkunden.
Ohlsbach
03. Februar 2018
Die Narrenzunft Ohlsbach hat den Schülern der Weinbergschule Ohlsbach gestern das fasnachtliche Brauchtum in einer abenteuerlichen Schnitzeljagd lebendig erklärt.
Beim Haslacher Maskenschnitzer Hubert Schultis hatten die neun Gewinner von Robbys erster Aktion 2018 viel Spaß.
»Man muss nur wegschlagen, was zu viel ist«
01. Februar 2018
Am Dienstagnachmittag durften neun Robby-Leser hinter die Kulissen von Hubert Schultis’ Schnitzerei in Haslach blicken und erfahren, wie eine Fasnachtsmaske entsteht. 
Die »Gobots« in Rockenhausen
01. Februar 2018
Die »Gobots« stehen heute im Semifinale der First-Lego-League. In Rockenhausen wollen sie den Einzug ins Finale Zentraleuropa in Aachen karmachen, das Mitte März ist.