Kommentar

Chaostage

Autor: 
Stefan Vetter
Lesezeit 2 Minuten
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19. Oktober 2017

Kommentator Stefan Vetter: "Man muss der SPD wirklich dankbar sein, dass sie den Weg der Opposition gewählt hat." ©Mittelbadische Presse

Zu allem fähig, aber zu nichts zu gebrauchen – diesen Ruf hat sich die Linkspartei in den letzten Tagen und Wochen hart erarbeitet.  Wer das jüngste Hauen und Stechen bei ihr verfolgt hat, kann sich nur mit Grausen abwenden. Sicher, auch bei anderen Parteien rappelt es zuweilen im Karton. In der CSU zum Beispiel sieht sich Parteichef Horst Seehofer derzeit mit zahlreichen Rücktrittsforderungen konfrontiert. Gegen den offenen Hass und die presseöffentlich zur Schau getragene, wechselseitige Verachtung der Partei- und Fraktionsspitzen bei den Linken muten die Begebenheiten in Bayern allerdings wie ein harmloser Heimatfilm an. Ausgerechnet die Linke, der Solidarität und  Weltfrieden doch angeblich so viel bedeuten, versinkt regelmäßig in Kleinkriegen und Intrigen. Ein Trauerspiel.

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Auf ihrer Klausur in Potsdam haben die  Fraktionsvorsitzenden Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch den Machtkampf weitgehend für sich entschieden. Doch ihre Widersacher Katja Kipping und Bernd Riexinger sind auch Teil dieser Fraktion. Und beide sind die Parteivorsitzenden. Da ist es nur eine Frage Zeit, bis die Feindschaften wieder neu aufbrechen. Zumal auch die Richtungsfrage völlig ungeklärt ist. Im Osten ist die Linkspartei bei der Bundestagswahl regelrecht eingebrochen. Bundesweit hat sie 400 000 Wähler an die AfD verloren. Als Protestpartei haben die Rechtspopulisten der Linken jetzt den Rang abgelaufen. Eine neue Kursbestimmung täte also bitter not. Vor allem in der Flüchtlingsfrage, über die Wagenknecht mit großen Teilen der Partei heillos zerstritten ist. In Potsdam wäre dazu schon Gelegenheit gewesen. Doch das Chaos überlagerte alles. So, als hätte die Linke den Schuss nicht gehört. 

Man muss der SPD wirklich dankbar sein, dass sie den Weg der Opposition gewählt hat. Als ernst zu nehmende Stimme fällt die Linke dort bis auf Weiteres nämlich aus. Wieder einmal ist sie sich selbst Opposition genug.        

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