Berlin

Deutscher Abgasskandal: Die Geduld geht zu Ende

Autor: 
Werner Kolhoff
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
24. Juli 2017
Mehr zum Thema

Nach »Dieselgate« droht nun der nächste Skandal aus der Automobilbranche. ©dpa

Zehn Tage vor dem Diesel-Gipfel in Berlin haben Enthüllungen über illegale Absprachen der fünf großen deutschen Autohersteller das Thema unversehens in den Wahlkampf gerückt. Die Grünen fordern bereits eine Sondersitzung des Verkehrsausschusses des Bundestages mitten in der Sommerpause. »Das Ganze entwickelt sich zur Fortsetzung des Abgasskandals in neuer Dimension«, sagte Grünen-Verkehrsexperte Oliver Krischer.

VW, Audi, Porsche, BMW und Daimler stehen laut einem Bericht des »Spiegel« unter dem Verdacht jahrelanger illegaler Absprachen zulasten von Verbrauchern und Zulieferern. Sie sollen sich regelmäßig in über 60 gemeinsamen Arbeitsgruppen bei rund 1000 Treffen über Technik, Kosten und Zulieferer verständigt haben. »Der Spiegel« beruft sich auf eine Selbstanzeige von VW beim Bundeskartellamt, die nach beginnenden Ermittlungen erfolgt sei. Auch von Daimler liege eine Selbstanzeige vor. Laut dem Bericht betrafen die Absprachen auch die Größe des sogenannten AdBlue-Behälters in Dieselfahrzeugen, der den für die Abgasreinigung notwendigen Harnstoff aufnimmt. Er sei aus Kostengründen so klein gewählt worden, dass die Manipulation der Abgaswerte über die Software die spätere Folge gewesen sei. 

Fall wird bereits geprüft

- Anzeige -

Die EU-Kommission prüft den Fall bereits. Die Autobauer selbst schwiegen zu den Vorwürfen. Der Linken-Politiker  Herbert Behrens sagte: »Sollten sich die Meldungen zu Absprachen bestätigen, hätten die betreffenden Konzerne damit nicht nur die Zulieferer geschädigt, sondern auch ihre Kunden und vor allem die Gesundheit der in Innenstädten lebenden Menschen.« Er bekräftigte seine Kritik an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), dem auch die Grünen einen zu laschen Umgang mit der Industrie vorwerfen. Deren Parteichef Cem Özdemir forderte, Kanzlerin Merkel solle Dobrindt die Verantwortung entziehen und den Skandal zur »Chefsache machen«. 

Von dem Diesel-Gipfel nächste Woche, zu dem Dobrindt und Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) eingeladen haben, hatten sich die Hersteller eigentlich ein Entgegenkommen der Politik vor allem in der Frage von Fahrverboten erhofft. VW-Chef Matthias  Müller sagte, er erwarte, »dass es auf Bundesebene eine Lösung gibt, die für unsere Kunden Verbindlichkeit herstellt«. Bislang liegt die Zuständigkeit für Fahrverbote bei den Kommunen. Die neuen Enthüllungen sind da freilich wenig hilfreich. So sprach Dobrindt bereits von einer »zusätzlichen Belastung für die Thematik, die wir gerade mit der Automobilindustrie haben«. 

Wer bezahlt dafür?

Bei dem Gipfel soll es auch darum gehen, wie die Industrie den Schaden für ihre Kunden beheben kann. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte Ende April als Ziel ausgegeben, dass die Hersteller ihre Pkw auf eigene Kosten nachrüsten und die Stickoxid-Emissionen um mindestens die Hälfte senken sollten. Auch ihr Parteikollege, Justizminister Heiko Maas,  sagte am Wochenende, dass die Kosten nicht an den Autokäufern hängenbleiben dürften.  »Sie haben es nicht zu verantworten, wenn eine zweifelhafte oder manipulierte Software in ihrem Auto ist.« Eine mögliche Kostenbeteiligung des Staates lehnte  Maas ab.

Mehr zum Thema

24.07.2017
Artikel

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

Martin Horn ist seit 14 Monaten Freiburger Oberbürgermeister.
vor 1 Stunde
Zwischenbilanz
Martin Horn war in Freiburg der Überraschungssieger des vergangenen Jahres. Nach 14 Monaten als Oberbürgermeister regiert er nun mit einem neuen Gemeinderat. Und sieht ein landesweites Problem.
vor 4 Stunden
Nachrichten
Als Monarchin auf Zeit hat Carolin Klöckner mehr als 200 Termine absolviert. Jetzt nimmt die «First Lady des Weins» Abschied. Ihrer Nachfolgerin gibt sie vor allem einen Rat.
Sie wollen an der Spitze der Bundestags-Grünen bleiben und diese in die nächste Regierung führen: Anton Hofreiter und Katrin Göring-Eckardt.
13.09.2019
Berlin
Sie wollen an der Spitze der Bundestags-Grünen bleiben und diese in die nächste Regierung führen: Im Rennen um den Fraktionsvorsitz haben die Amtsinhaber Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter die Abgeordneten offiziell um Vertrauen gebeten.
Im Sankt Marien-Hospital in Gelsenkirchen-Buer hat es eine ungewöhnliche Häufung von Neugeborenen mit Handfehlbildung gegeben.
13.09.2019
Gelsenkirchen
In einem Krankenhaus in Nordrhein-Westfalen hat es eine ungewöhnliche Häufung von Neugeborenen mit Handfehlbildung gegeben.
Der Komet C/2019 Q4 kommt möglicherweise aus einem anderen Sonnensystem.
13.09.2019
Pasadena
Ein Ende August entdeckter Komet stammt möglicherweise von außerhalb unseres Sonnensystems.
Zwei Frauen der Initiative Maria 2.0 werben vor dem Freiburger Münster für «Weiheämter auch für Frauen».
13.09.2019
Bonn/Rom
Der Vatikan hat den geplanten Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland scharf kritisiert. Die deutsche Teilkirche könne nicht über Themen wie die Position der Frauen entscheiden, weil diese die ganze Weltkirche beträfen, heißt es in einem Gutachten des «Päpstlichen Rats der...
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht der AfD das Recht ab, sich «bürgerlich» zu nennen.
13.09.2019
Berlin
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat dem Anspruch der AfD, das Bürgertum zu vertreten, klar widersprochen und der Partei indirekt eine «antibürgerliche» Haltung bescheinigt.
13.09.2019
Gerichtsverhandlung
Der Karlsruher SC hat Mitte August beim Landgericht Karlsruhe vier einstweilige Verfügungen gegen die Stadt beantragt. Der Fußball-Zweitligist befürchtet, dass die Stadt durch vertragswidriges Verhalten beim Stadion-Neubau Fakten schafft, die für den KSC zu Nachteilen führen könnten. Die Stadt...
Golfspieler Tiger Woods will mit Justin Timberlake den Opfern von Hurrikan «Dorian» auf den Bahamas mit Geldspenden helfen.
13.09.2019
New York
Popstar Justin Timberlake und Golfer Tiger Woods wollen den Opfern von Hurrikan «Dorian» auf den Bahamas mit Geldspenden helfen.
Parlamentspräsident John Bercow Mitte Februar bei einer Debatte im Unterhaus zum Stand der Brexit-Vorbereitung.
13.09.2019
London
Der scheidende Präsident des britischen Unterhauses, John Bercow, hat Premierminister Boris Johnson vor einer Missachtung des Gesetzes gegen einen ungeregelten Brexit gewarnt.
Beim Treffen im Kanzleramt steht der Klimaschutz im Vordergrund.
13.09.2019
Berlin
Eine Woche vor der entscheidenden Sitzung des Klimakabinetts ringen die Spitzen von SPD und Union um Kompromisslinien im Kampf gegen die Erderhitzung.
13.09.2019
Baden-Airpark
Zwei Männer sorgten im Verlauf des frühen Donnerstagabends für Verzögerungen beim Boarding am Flughafen in Rheinmünster. Alkohol spielte dabei eine entscheidende Rolle. Und kurioserweise betraf es denselben Flieger aus Moskau.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • 10.09.2019
    Feiern in Dirndl und Lederhose
    Fürs Oktoberfest nach München fahren? Das muss nicht sein! Denn die »Wunderbar« in Neuried-Altenheim holt das Event am 2. und 5. Oktober stilecht in die Ortenau – im beheizten Zelt mit Maßbier, Haxn und Live-Band.
  • 06.09.2019
    Die Edelbrennerei Wurth in Neuried-Altenheim feiert Mitte September ihr 100-jähriges Bestehen. 
  • Auch eine neue Brennerei wird am 14. September eingeweiht und vorgestellt.
    30.08.2019
    Am 14. und 15. September
    Die Edelbrennerei Wurth in Neuried-Altenheim feiert Mitte September ihr 100-jähriges Bestehen. Dafür öffnet Inhaber Markus Wurth ein Wochenende lang seine Tore und bietet außerdem exklusive Editionen seiner Kreationen an. 
  • 28.08.2019
    Relaxen und Genießen im Renchtal
    Das Ringhotel Sonnenhof in Lautenbach im Renchtal begrüßt seine Gäste mit einer einzigartigen Kulisse am Fuße des Schwarzwaldes. Ob im Restaurant, bei den Spa-Angeboten, für Tagungen oder Hochzeiten – der Sonnenhof ist die ideale Adresse zum Relaxen und Genießen.