Kommentar des Tages

Die paradoxe Lage bei den Grünen

02. Oktober 2017
&copy Redaktion

Unser Korrespondent Stefan Vetter analysiert die Lage bei den Grünen bezüglich der Bildung einer Jamaika-Koalition.

Das ist schon ein Treppenwitz der Geschichte: Die Grünen sind die ersten, die sich verhandlungstechnisch für ein mögliches Jamaika-Bündnis aufgestellt haben.  Ausgerechnet die vormalige Sponti-Truppe, die »Anti-Parteien-Partei« wirkt jetzt geradezu staatstragend, derweil sich die Union noch sortieren muss – so paradox kann Politik sein. 
Für die Grünen steht allerdings auch  besonders viel auf dem Spiel. Die Union wird auf jeden Fall regieren, in welcher Konstellation auch immer. Die Liberalen sind gerade erst wieder in den Bundestag zurückgekehrt. Schon das ist eigentlich Erfolg genug. Die Grünen jedoch drücken seit zwölf Jahren die harten Oppositionsbänke im Bundestag. Und das durchweg als politisch schwächste Kraft. Auch dem linken Flügel schwant, dass die Partei in einer erneuten Opposition − diesmal gar zwischen SPD und AfD − zu zerbröseln droht. 
Immerhin rund 40 Prozent der Grünen-Wähler haben sich erst kurz vor dem Wahltag für die Partei entschieden. Zu einer Zeit, als Jamaika sich klar als Option zur GroKo  herausgeschält hatte. Hinzu kam, dass die Grünen diesmal nicht mehr einseitig auf Rot-Grün abonniert waren, sondern sich auch als anschlussfähig jenseits der linken Mitte inszenierten. Das Schlagwort dafür hieß »Eigenständigkeit«. Insofern darf man den leichten Zugewinn der Partei durchaus als einen Regierungsauftrag interpretieren. 
 

Autor:
Stefan Vetter

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