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Kritik an geplanten Tötungen

Autor: 
Friedemann Diederichs
Lesezeit 3 Minuten
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06. März 2017

Todeszelle in Texas. ©dpa

Weil das Verfallsdatum der umstrittenen Tötungschemikalie Midazolam bald ausläuft, macht der Gouverneur von Arkansas offensichtilich Tempo. Doch die Anwälte der Todeskandidaten kündigten eine Klage an: Die Verwendung von Midazolam verstoße gegen die Verfassung, da der Todeskampf für Verurteilte unmenschlich lange ausfalle.
 

Washington. Wenn der 40-jährige Jason McGehee am 27. April im Gefängnis von Little Rock (Arkansas) auf eine Pritsche geschnallt und durch mehrere Chemikalien hingerichtet wird, so bestehen an seiner Schuld keine Zweifel: Die Beweislage ist überwältigend, dass der Mann zusammen mit zwei Komplizen im Jahr 1996 einen 15-jährigen Jungen zu Tode folterte. Doch McGehee wird diesmal aus einem ganz anderen Grund für Schlagzeilen sorgen: Er wird der letzte von acht Häftlingen – vier Schwarzen und vier Weißen – sein, die bei (in der US-Geschichte beispiellosen) Fließband-Hinrichtungen innerhalb von nur zehn Tagen in einem einzigen Bundesstaat sterben sollen. 
Der Gouverneur von Arkansas, der Republikaner Asa Hutchinson, setzte die Exekutionstermine kürzlich fest, nachdem er erfahren hatte, dass alle Todeskandidaten ihre Berufungen ausgeschöpft hatten. Und er drückt Medienberichten zufolge noch aus einem ganz anderen Grund aufs Tempo: Das Betäubungsmittel Midazolam, das als erstes von drei Substanzen den Delinquenten gespritzt wird, ist aufgrund von ethischen Bedenken in der Pharmaindustrie für Hinrichtungen nur noch schwer erhältlich – und das Haltbarkeitsdatum für den kleinen Vorrat, den sich Arkansas gesichert hat, läuft Ende April dieses Jahres ab. 
Heftige Schmerzen
Auch bei der nun geplanten Massen-Hinrichtung ist zu erwarten, dass die Rechtsvertreter der Todeskandidaten für einen Last-Minute-Aufschub kämpfen werden. Mehrere Anwälte kündigten neue Klagen an, weil sie durch die Verwendung von  Midazolam einen Verstoß gegen die Verfassung sehen, die eine »grausame und ungewöhnliche Bestrafung« verbietet. Denn die Chemikalie steht unter Verdacht, nicht immer die gewünschte Wirkung zu haben. Verurteilte hätten während der Injektion der zwei weiteren muskellähmenden und herzstoppenden Gifte heftige Schmerzen erlitten, so Kritiker. 
Deshalb arbeiten Menschenrechts-Organisationen und Anwälte wie Jeff Rosenzweig nun darauf hin, eine unbefristete Aussetzung der E­xekutionen zu erreichen. »Die Verwendung dieser Drogen ist verfassungswidrig«, so Rosenzweig. Besonders grausam war vor drei Jahren im Bundesstaat Oklahoma die Hinrichtung des Gefangenen Clayton Lockett verlaufen, bei dem die Injektionen aufgrund eines falsch gelegten Venenzugangs nur langsam wirkten. 43 Minuten dauerte die Tötungsprozedur, bei der sich Lockett mehrfach aufbäumte und aus seinen Fesseln zu befreien versuchte, bevor ein Arzt endlich den Herzstillstand feststellte. Eine Untersuchung in Oklahoma empfahl dann, künftig zwischen jeder Exekution mindestens sieben Tage vergehen zu lassen, um Pannen durch Hektik und Stress des Gefängnispersonals zu vermeiden. 
Doch in Arkansas, wo es seit zwölf Jahren keine Exekutionen gegeben hat, hegt man keine Bedenken und will an den Hinrichtungen im Sprinttempo festhalten. »Wir müssen die Gesetze erfüllen. Und wir müssen auch den Opfer-Familien, die so lange auf Gerechtigkeit gewartet haben, einen Abschluss erlauben«, so Gouverneur Hutchinson. Der Oberste Gerichtshof in Washington hatte kürzlich eine Berufung gegen das Hinrichtungs-Protokoll in Arkansas zurückgewiesen und damit das Urteil eines Bundesstaats-Gerichts bestätigt. Weitere geplante Einsprüche sind wohl chancenlos.

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