Berlin

Nach Aufnahmestopp für Migranten nimmt Kritik an Tafel zu

Autor: 
dpa
Lesezeit 2 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
23. Februar 2018
Die Essener Tafel will keine nichtdeutschen Neukunden mehr aufnehmen.

Die Essener Tafel will keine nichtdeutschen Neukunden mehr aufnehmen. ©dpa - Roland Weihrauch

Die Entscheidung der Essener Tafel, vorerst keine neuen Migranten mehr als Bedürftige aufzunehmen, stößt bundesweit auf Kritik und Unverständnis.

Nach den Grundsätzen des Dachverbandes «Tafel Deutschland e.V.» sei die Hilfe der gemeinnützigen Essensausgaben für alle gedacht, die dieser Unterstützung bedürften, sagte die Vorsitzende der Berliner Tafel, Sabine Werth, der Deutschen Presse-Agentur. «Für die Berliner Tafel gibt es keine Bedürftigen erster oder zweiter Klasse.» Und: «Wir orientieren unser Handeln an der Mitmenschlichkeit und spielen die Bedürftigkeit der vielen Menschen in Berlin nicht gegeneinander aus.»

Der Vorsitzende der Essener Tafel, Jörg Sartor, verteidigte den umstrittenen Schritt. «Ich stehe dazu», sagte er am Freitag in Essen. Es sei im Tafel-Vorstand lange diskutiert worden über den Entschluss, abgesehen von den bisherigen Kunden vorerst keine weiteren Migranten mehr aufzunehmen. «Wir wollten erreichen, dass der Weg in die Tafel für alle wieder offen ist», sagte Sartor. Zuletzt seien aber weniger Alleinerziehende und Rentner gekommen. Der Aufnahmestopp sei nur eine vorübergehende Maßnahme, «wahrscheinlich nicht über den Sommer hinaus».

- Anzeige -

Ähnlich kritisch wie die Berliner Tafel äußerten sich auch andere Landesverbände, etwa in Niedersachsen, Bremen und Hessen. «Wir sind für alle Bedürftigen da, egal welche Hautfarbe oder Nationalität sie haben», sagte auch der Thüringer Landesvorsitzende Nico Schäfer der dpa am Freitag. Der Paritätische Wohlfahrtsverband in NRW kritisierte die Entscheidung ebenfalls. «Natürlich kann ich nachvollziehen, dass Tafeln unter großem Druck stehen und ihre Ressourcen im Blick haben müssen», sagte Landesgeschäftsführer Christian Woltering am Freitag. «Aber Maßnahmen wie ein Aufnahmestopp sind Wasser auf die Mühlen der Rechtspopulisten».

Es widerspreche den Grundsätzen der Tafeln in Deutschland, die Essensvergabe an die Staatsangehörigkeit zu koppeln, teilte der Bundestagsabgeordnete Kai Gehring (Grüne) mit. Am Donnerstag war bekannt geworden, dass die Tafel in Essen seit Mitte Januar nur noch Bedürftige mit deutschem Pass neu in ihre Kundenkartei aufnimmt. Grund sei ein Anstieg des Anteils der Migranten an den Kunden auf etwa drei Viertel. In den vergangenen zwei Jahren hätten sich gerade ältere Tafel-Nutzerinnen sowie alleinerziehende Mütter von fremdsprachigen jungen Männern in der Warteschlange abgeschreckt gefühlt, hieß es.

Die Tafeln bewahren Lebensmittel vor der Vernichtung und verteilen sie an Bedürftige. Die Empfänger müssen Hartz IV, Grundsicherung oder Wohngeld beziehen und dies nachweisen.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

Derzeit fliegen Bundeswehr-Tornados Aufklärungsflüge über dem brennenden Moor im Emsland, zudem gab es Drohnen-Erkundungsflüge.
Meppen
vor 3 Minuten
Die Grünen verlangen mehr Transparenz über die Luftbelastung durch den Moorbrand bei Meppen. Die Ergebnisse der Luftmessungen sollten sofort offengelegt werden, sagte die Fraktionsvorsitzende im niedersächsischen Landtag, Anja Piel, der «Neuen Osnabrücker Zeitung».
Blumen, Kerzen und Gedenkschreiben liegen im März am Eingang zur Eisschnelllaufhalle an der Konrad-Wolf-Straße in Berlin zum Gedenken an die ermordete Schülerin.
Berlin
vor 5 Minuten
Rund sechs Monate nach dem gewaltsamen Tod der Berliner Schülerin Keira beginnt heute der Prozess gegen ihren mutmaßlichen Mörder. Der angeklagte Mitschüler ist erst 15 Jahre alt.
Will weiterhin Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion bleiben: Volker Kauder im Gespräch mit Kanzlerin Angela Merkel.
Berlin
vor 26 Minuten
Erstmals seit 13 Jahren muss Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) sein Amt in einer Kampfkandidatur verteidigen. Die Abstimmung der Bundestagsabgeordneten von CDU und CSU ist f+für heute Nachmittag angesetzt.
Wie gut kennen Pariser die Ortenau?
vor 41 Minuten
Ab Dezember kann man ab Offenburg mit dem TGV direkt nach Paris fahren. Im Umkehrschluss könnten auch Pariser einen Kurztrip in die Ortenau unternehmen. Doch offenbar kennen viele dort den Landkreis nicht einmal. Aber warum eigentlich?  
Erdogan kommt auf Einladung von Bundespräsident Steinmeier zu einem Staatsbesuch nach Deutschland.
Berlin
vor 1 Stunde
Die Türkische Gemeinde in Deutschland hofft, dass der Besuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Deutschland eine Phase der Entspannung einläuten wird.
Maaßen und ein Ende?
vor 5 Stunden
Von nun an soll alles besser werden mit der Großen Koalition. Das haben die Spitzen von CDU und SPD am Tag Eins nach der Lösung im Fall Maaßen versichert. Doch Zweifel bleiben, zumal CSU-Chef Horst Seehofer das Zündeln nicht lassen kann. 
Kommentar des Tages
vor 5 Stunden
In der Causa Maaßen leisten CDU und SPD Abbitte. Ob das reicht? 
Hintergrund
vor 14 Stunden
Zum Jahresende 2015 waren in Deutschland genau 2 860 293 Menschen pflegebedürftig, rund 783 000 davon lebten in Heimen. So besagen es die aktuellsten Zahlen des Bundesamts für Statistik.
Regierugnspläne
vor 14 Stunden
Pflegebedürftige, die im Heim leben, werden künftig teilweise von Kostensteigerungen in der Unterbringung entlastet, wenn ein Gesetzesvorhaben aus dem Gesundheitsausschuss des Bundestags Realität wird.
Interview der Mittelbadischen Presse
vor 14 Stunden
Pflegebedürftige könnten von den immensen Kosten der Heimunterbringung teilweise entlastet werden, wenn ein Vorschlag des Vorsitzenden des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Erwin Rüddel (CDU), Realität würde: die Deckelung der Pflegekosten für die Betroffenen.   
Amerika
vor 16 Stunden
Millionen Hühner und Schweine fielen in den USA dem Hurrikan »Florence« zum Opfer. Die Öffentlichkeit erfährt davon kaum etwas – doch die wenigen Bilder, die es gibt, sind erschütternd.
Polizisten beseitigen eine Barrikade im Hambacher Forst.
Kerpen
vor 20 Stunden
Im Hambacher Forst hat die Räumung neu errichteter Barrikaden begonnen. Die Barrikaden von Rodungsgegnern waren nach Angaben des NRW-Innenministeriums am Wochenende aufgebaut worden.