Kommentar des Tages

Nach Las Vegas: Die üblichen Reflexe

04. Oktober 2017
&copy Redaktion

Unser Korrespondent Friedemann Diederichs analysiert die Diskussion in den USA nach dem Massaker von Las Vegas.

Nach dem Massaker von Las Vegas hat die in den USA übliche Debatte mit den bekannten Reflexen begonnen. Im linken Spektrum ruft man nach den 59 Toten und mehr als 500 Verletzten nach schärferen Schusswaffen-Gesetzen, vor allem für jene automatischen Waffen, die im Krieg verwendeten Maschinengewehren ähneln. Im rechten Lager hingegen wird vor voreiligen Schlüssen mit dem Standard-Hinweis gewarnt: Nun wenn sich aufrechte Bürger entsprechend bewaffnen würden, könnten sie sich im Notfall auch zur Wehr setzen.
Diese beiden Positionen, die nach jeder Massenmord-Tragödie zutage treten, scheinen unvereinbar. Ein Wille zu Kompromissen ist zudem auf politischer Ebene in Washington nicht erkennbar. Dabei gäbe es durchaus Ansätze, die das Verfassungsrecht der Bürger zum Waffenbesitz nicht außer Kraft setzen würden. Denn muss es wirklich möglich bleiben, dass Personen wie der Todesschütze von Las Vegas ein Arsenal von insgesamt 42 Pistolen und Gewehren zusammenkaufen können, um dann 23 von ihnen bei der Attacke aus den Hotelfenstern heraus im Zimmer zu haben? Diese Erwerbe geschahen offenbar auf legaler Basis mit den üblichen Überprüfungen durch das FBI, ohne dass kritische Fragen gestellt wurden. Amerikas Parlamentarier sind nun – wie bei vorausgegangenen Anschlägen mit vielen Opfern – gefordert, vor allem weil auch sie Betroffenheit äußern. Doch die Realität ist so brutal wie das Gemetzel in der Spieler-Metropole: Wer sich gegen die Waffen-Lobby wendet, verliert wichtige Wählerstimmen. Vor allem deshalb dürfte es auch nach dieser Bluttat keine wirklich spürbaren Konsequenzen geben.
 

Autor:
Friedemann Diederichs

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