Kommentar

SPD-Lebenszeichen

16. Oktober 2017
&copy Iris Rothe

Erst mal in Ruhe die Landtagswahl in Niedersachsen abwarten und dann gestärkt die Koalitionsverhandlungen beginnen: Dieser taktische Plan im Kanzleramt ging gestern völlig in die Hose. Für Angela Merkel beginnt jetzt eine ganz harte Woche. Die Zahl derjenigen in der Union wird weiter steigen, die die Parteichefin zunehmend als Belastung empfinden. Der gestrige Nackenschlag für die CDU ist ein Stück weit auch eine Reaktion auf die sogenannte unionsinterne Einigung in der Flüchtlingspolitik, die nicht glaubwürdig wirkte.

Für die Sozialdemokraten ist der Wahlerfolg des biederen Stephan Weil, der am Schluss nicht für möglich gehaltene Wahlkampf-Fähigkeiten zeigte, Balsam auf ihre geschundene Seele. Parteichef Martin Schulz bleibt jetzt ein bisschen Zeit zum Durchschnaufen nach drei verlorenen Landtagswahl und der historischen Pleite im Bund. Damit ist seine Wiederwahl auf dem Parteitag im Dezember wohl gesichert. Mehr aber nicht. Schulz sollte nicht der Fehlinterpretation erliegen, den gestrige Wahlsieg als Vertrauensbeweis in seine Person zu sehen. Er ist einer auf Abruf in der SPD-Führung.

Für FDP und AfD bedeutet diese Wahl eine Lektion in Sachen Demut. Sie müssen ganz schnell lernen, dass der Erfolg flüchtig sein kann. Und für Jamaika im Bund ist das gestrige Wahlergebnis die kluge Aufforderung der Wähler, sich in Berlin zusammenzuraufen, auch wenn in Niedersachsen alles auf eine Ampel deutet. Das Wahlergebnis ist eine Aufforderung zur Vernunft.

Und es zeigt, dass viele Wähler ein ganz gutes Gespür dafür haben, was sich gehört und was nicht. Die pöstchengeile, zur CDU übergelaufene und von dieser bereitwillig aufgenommene Grünen-Abgeordnete Twesten, die diese vorgezogene Wahl erst ermöglicht hatte – diese unappetitliche Fleischtopf-Mentalität hat im Kern zum gestrigen Wahlergebnis geführt. Das ist gut so.

Autor:
Wolfgang Kollmer

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