Totalen Kahlschlag vermeiden

Fremdsprachenunterricht erst ab der dritten Klasse?

Autor: 
Reinhard Reck
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
10. Oktober 2017

Auch künftig gibt es die Möglichkeit für Ortenauer Schulen, in den ersten beiden Grundschulklassen Französischunterricht anzubieten. Heute soll der entsprechende Kabinettsbeschluss verabschiedet werden. ©dpa

Heute erfolgt die Verabschiedung des Kabinettsbeschlusses zum Fremdsprachenunterricht in den ersten beiden Grundschulklassen in Baden-Württemberg. Nach Informationen der Grünen-Abgeordneten Sandra Boser wurde ein völliger Kahlschlag verhindert.
 

Die Pläne, den Fremdsprachenunterricht in den ersten beiden Grundschulklassen völlig abzuschaffen, werden jetzt doch nicht in dieser radikalen Form verwirklicht. Wie das Stuttgarter Kultusministerium der Mittelbadischen Presse bestätigte, soll heute zwar der entsprechende Kabinettsbeschluss gefasst werden. 

Wahlmöglichkeiten

Nach Angaben der Ortenauer Grünen-Abgeordneten Sandra Boser gibt es aber Wahlmöglichkeiten. Demnach sollen die Stunden, die künftig durch die Streichung des Fremdsprachenunterrichts frei werden, grundsätzlich für stärkere Förderung in den Fächern Deutsch und Mathematik genutzt werden.

Gleichzeitig könnten betroffene Schulen aber unter bestimmten Bedingungen entscheiden, diese Deputate – zumindest zum Teil – erneut für den Fremdsprachenunterricht oder für andere Schwerpunkte zu nutzen.

Stärkere und schwächere Schüler unterstützen

Allerdings müssten die Schulen herausfinden, ob in Deutsch oder Mathematik ein verstärkter Förderungsbedarf besteht. Wie Boser der Mittelbadischen Presse erklärte, könne man beispielsweise stärkeren Schülern auch in den ersten beiden Grundschulklassen einen Fremdsprachenunterricht anbieten, schwächere hingegen in Deutsch und Mathematik vermehrt unterstützen.

Bisher wurde in den ersten beiden Grundschulklassen an der Rheinschiene, zu der bis auf Hornberg der ganze Orte­naukreis gehört, Französischunterricht angeboten und in den übrigen Gebieten Englischunterricht. Das vom Kultusministerium lancierte Vorhaben, diesen Fachunterricht ab dem Schuljahrsbeginn 2018 ganz abzuschaffen, stieß in der Ortenau auf heftige Kritik.

- Anzeige -

Nicht alle Schulen betroffen

Landrat Frank Scherer (parteilos), der Kehler Oberbürgermeister Toni Vetrano (CDU) und andere Beteiligte wandten sich an Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), wobei Vetrano zumindest für Kehl unter Verweis auf die grenzüberschreitenden Projekte mit Straßburg eine Ausnahmeregelung forderte.

Widerspruch kam auch aus dem Elsass, beipielsweise von Sophie Béjean, Rektorin der »Academie de Strasbourg«. Nicht betroffen von der Änderung sind Schulen mit einem biligualen Profil wie die Kehler Falkenhausenschule.

Nachholbedarf

Das Kultusministerium seinerseits hatte betont, dass man trotz des Streichprojekts beim Niveau des Fremdsprachenunterrichts »keine Abstriche« machen wolle. Gleichwohl gebe es Anhaltspunkte dafür, dass ein Fremsprachenunterricht  schon zu Beginn der Grundschulzeit »zu wenig wirklich nachhaltige Wirkung« zeige. Den Stuttgarter Bildungsstrategen geht es insbesondere darum, die landesweit rund 630 frei werdenden Lehrer-Deputate für den Deutsch- und Mathematikunterricht zu nutzen.

Denn da sieht man einen erheblichen Nachholbedarf. Sandra Boser hatte sich für eine Öffnungsklausel eingesetzt, um Schulen die Möglichkeit zu geben, den Fremdsprachenunterricht weiter in den ersten beiden Grundschulklassen anzubieten.

Nach Angaben der Abgeordneten hatte die Grünen-Landtagsfraktion einen entsprechenden Beschluss gefasst. Nun erfolgt noch eine öffentliche Anhörung zu dem Thema, wobei Boser jedoch nicht mit gravierenden Änderungen rechnet.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

Präfekt der Region Grand Est
vor 10 Stunden
Kein Brexit des Elsass, aber womöglich eine Fusion der beiden elsässischen Departements innerhalb der Region Grand Est. So könnte die institutionelle Zukunft des Elsass aussehen, die der Präfekt der Region Grand Est, Jean-Luc Marx, in einem Bericht für die Regierung in Paris skizziert. Dieses neue...
Die modellhafte Nachbildung der Justitia steht auf dem Tisch eines Richters.
Münster
vor 10 Stunden
Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) wird für seine Forderung kritisiert, wonach Richter auch das Rechtsempfinden der Bevölkerung im Blick haben müssten.
Martin Dulig, sächsischer Wirtschaftsminister und Ostbeauftragter der SPD, fordert eine Wahrheits- oder Versöhnungskommission für eine gesamtdeutsche Aufarbeitung der Nachwendezeit.
Berlin
vor 11 Stunden
Zum Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Sachsen pocht die SPD auf ein umfassendes Konzept für eine Art Agenda Ost.
Ein Unterstützer hält bei einer Demonstration in Brasilia ein Foto des ehemaligen brasilianischen Präsidenten Lula da Silva.
Brasília
vor 19 Stunden
Der inhaftierte brasilianische Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva will es noch einmal wissen: Seine linke Arbeiterpartei (PT) schrieb ihn als Kandidaten für die Präsidentenwahl ein.
Das Grab der getöteten Silke Bischoff auf dem Friedhof in Heiligenrode.
Stuhr
vor 19 Stunden
Mit Kranzniederlegungen gedenken Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und Bremens Regierungschef Carsten Sieling (SPD) heute der Opfer des Gladbecker Geiseldramas, bei dem vor 30 Jahren drei Menschen ums Leben kamen.
Der ehemalige CIA-Direktor John Brennan gilt als scharfer Trump-Kritiker.
Washington
vor 19 Stunden
US-Präsident Donald Trump hat mit dem ehemaligen CIA-Chef John Brennan einem seiner wortgewaltigsten Kritiker einen Denkzettel verpasst. Das Weiße Haus entzog dem ehemaligen Geheimdienstchef die Sicherheitsgenehmigung - er ist damit künftig von geheimen Informationen abgeschnitten.
Ricarda Brandts, Präsidentin des nordrhein-westfälischen Verfassungsgerichtshof und Oberverwaltungsgerichts, äußert im Fall Sami A. deutliche Kritik an der Politik.
Münster
vor 20 Stunden
Nach dem Urteil im Fall des zu Unrecht nach Tunesien abgeschobenen Islamisten Sami A. geraten die zuständigen Behörden in die Kritik.
Ein Kommentar von Werner Kolhoff
Kommentar
vor 21 Stunden
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident will abgelehnten Asylbewerbern ein Bleiberecht als Arbeitskräfte in Deutschland bieten. Kritiker fürchten falsche Anreize. Dabei gäbe es einfache Möglichkeiten, nur diejenigen zu belohnen, die sich wirklich integrieren wollen.
Die Digitalisierung in Baden-Württembergs Schulen wurde als «überdurchschnittlich» bewertet.
Ländervergleich
15.08.2018
Das Saarland war viele Jahre lang die graue Maus im deutschen Bildungssystem. Noch 2013 lag es auf Platz 15 von 16 Bundesländern. Jetzt ist es auf Rang sechs vorgerückt und macht bella figura. Berlin hat die rote Laterne, die es seit dem ersten Bildungsmonitor der wirtschaftsnahen »Initiative Neue...
Der von den Sicherheitsbehörden als islamistischer Gefährder eingestufte Sami A. war Mitte Juli nach Tunesien abgeschoben worden.
Münster
15.08.2018
Nach wochenlangem juristischen Tauziehen müssen die Behörden den abgeschobenen Islamisten Sami A. endgültig nach Deutschland zurückholen.
Ein 2012 nach Deutschland Geflüchteter bei der Arbeit während seiner Ausbildung zum Industriemechaniker in Mainz.
Berlin
15.08.2018
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sorgt schon wieder für Gesprächsstoff. Abgelehnte Asylbewerber sollen leichter Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt bekommen, fordert er, einen «Spurwechsel» aus dem Asyl- ins Aufenthaltsrecht.
Vor dem Parlament in London ist eine Auto in eine Sicherheitsabsperrung gefahren.
London
15.08.2018
Der mutmaßliche Terroranschlag vor dem Londoner Parlament soll übereinstimmenden Medienberichten zufolge von einem Briten sudanesischer Herkunft verübt worden sein.