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Interview des Tages

Wenn die Toleranz zu weit geht

Sie ist CDU-Mitglied, war bei den Femen, stammt aus Mazedonien und hält die Gesellschaft für zu tolerant. Ein Interview mit Zana Ramadani über Integration und Islam.
29. April 2017
&copy Jörg Schulz

Zana Ramadani gehört zu den islamkritischen Stimmen in Deutschland. Im Interview mit der Mittelbadischen Presse erklärt die 32-Jährige, warum Deutschland zu tolerant ist und warum die muslimischen Mütter der Schlüssel für eine  gelungene Integration sein können.
 

Frau Ramadani, Sie haben ein fulminantes Buch geschrieben. Sie werden nicht nur deshalb von vielen Seiten angefeindet. Auf Facebook ist die Hölle über Sie hereingebrochen. Bereuen Sie schon irgendetwas, das Sie geschrieben haben?
Ramadan
i: Nein, auf keinen Fall. Das würde ja bedeuten, dass ich nicht zu dem stehe, was ich geschrieben habe. Letztlich habe ich nur das aufgeschrieben, was ich schon seit Jahren sage. Ich bereue nichts, was ich in meinem Leben getan habe. Ich habe dafür gekämpft, ein selbstständiger und selbstbestimmter Mensch zu sein. Mein Buch liegt mir am Herzen. Es soll auch Menschen einen Weg zeigen, dass ein Miteinander unterschiedlicher Kulturen möglich ist.

Sie sind schwanger. Mancher will Ihr Kind aus Ihrem Bauch herausschneiden. Macht Ihnen das Angst?
Ramadani:
Das nimmt mich zurzeit sehr mit. Ich hadere abends oft mit mir, warum ich mir das antue. Denn jetzt trage ich nicht nur die Verantwortung für mich, sondern auch für meine Tochter. Ich weiß, dass ich auch etwas tun muss, damit meine Tochter frei leben kann. Sehen Sie, es sind genau die Menschen, die mich auf Facebook angreifen, die ich in meinem Buch beschreibe. Und ich bin nicht bereit, diesen Menschen das Feld zu überlassen und mich zu unterwerfen. Niemals.

Gehen Sie gegen diese Hater juristisch vor?
Ramadani:
Ich bringe alles zur Anzeige. Allerdings sind der Polizei die Hände gebunden. Sie kann erst etwas unternehmen, wenn etwas passiert ist. Viele Hater haben nur einen Fakeaccount. Ich habe mittlerweile auch einen Waffenschein und bin bewaffnet.

Ja, würden Sie die Waffe auch einsetzen?
Ramadani:
Ja natürlich. Ich war bisher immer Pazifistin und habe nichts von Waffen gehalten. Aber in diesem Land werden Menschen wie ich nicht geschützt. Dafür werden Täter geschützt. Das ist ein großes Problem. Ich möchte mich nicht auf den guten Willen der Täter verlassen.

Sie haben Ihre Wurzeln in Mazedonien, waren noch vor Monaten bei den Femen aktiv und sind Mitglied in der CDU. Was war die Initialzündung, um politisch aktiv zu werden.
Ramadani:
Ich war schon als Kind immer unbequem. Ich habe immer versucht mein Ding zu machen. Politisch bin ich dann erst im Tierschutz geworden. Irgendwann bin ich ins Siegerland zurück. Dort bin ich aufgewachsen. Ich wollte in der Gemeinde aktiv sein, die mir sehr viel gegeben hat. Das Engagement und die Möglichkeiten bei der CDU reichten mir nicht aus. Deshalb wollte und musste ich bei den Femen eine andere Ausdrucksform der Politik ausprobieren.

Da sind Sie nicht  mehr dabei, warum?
Ramdani:
Ich finde das heute noch unglaublich provokant und eine sehr gute Möglichkeit, sich politisch zu artikulieren. Zum Schluss musste ich jedoch die Mädchen davon abhalten, Unsinn zu machen – zum Beispiel die Deutschlandfahne auf dem Holocaust-Mahnmal in Berlin zu verbrennen. Das ist ja völlig idiotisch. Als sich dann Femen für die Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg bedankt haben, bin ich ausgestiegen.

Der Islam ist in Europa und Deutschland in Misskredit geraten. Zu Recht?
Ramadani:
Natürlich gibt es auch in dieser monotheistischen Religion negative Inhalte. Es hängt an den Muslimen selbst, sich von diesen Teilen des Islams zu emanzipieren. Selbst die westlichen Muslime haben sich von diesen negativen Inhalten bisher nicht vollständig gelöst. Man darf aber auch nicht übersehen, dass viele einen rein spirituellen Islam leben.

Wenn ich Sie richtig verstehe, passt der Islam nicht in unsere Kultur?
Ramadani:
Der diffuse und undefinierte Islam, der derzeit die Schlagzeilen bestimmt, passt nicht zu unserer Kultur. Jede monotheistische Religion hat solche negativen Inhalte – auch das Christentum. Doch die Christen haben sich schon lange vom Mittelalter verabschiedet und losgelöst. Von islamischer Seite muss das noch geschehen. Ein rein spiritueller Islam passt in unsere Gesellschaft, weil er ihr nicht widerspricht.

Der Islam ist patriarchalisch geprägt. Lässt sich das tatsächlich aufbrechen?
Ramadani:
Den Christen ist das doch auch gelungen.

Wir haben dafür ein paar hundert Jahre gebraucht.
Ramadani:
Das ist richtig. Aber heute ist eine andere Zeit. Wir haben alle einen enormen Wissensstand. Ich denke, da müssten die muslimischen Gelehrten aus der Geschichte lernen und die Entwicklung zu einem emanzipierten Islam vorantreiben. Mir ist es ein Rätsel, warum das nicht gelingt.

Sie prangern in Ihrem Buch die muslimischen Frauen an. Warum das denn?
Ramadani:
Anprangern will ich sie nicht. Ich finde nur, dass sie ganz viel Einfluss auf die nächsten Generationen haben. Die Frauen erziehen die Kinder. Die Männer beteiligen sich kaum daran. Im Haus haben sie ganz viel Macht. Sie haben die Zukunft in der Hand.

Wie soll das gehen, sie werden unterdrückt?
Ramadani:
Das ist ein ganz einfacher Mechanismus. Wenn Sie eine Frau zu Hause haben, die Ihnen die Hölle heiß macht, dann bringen Sie irgendwann auch den Müll nach draußen.

Im Moment hat die Frau jedoch ein andere Rolle.
Ramadani:
Sie erzieht die Kinder. Der Vater kommt da erst viel später in strafender Form dazu. Die Mütter sind zurzeit die größten Unterdrücker ihrer Töchter. Deshalb wäre es so wichtig, bei der Integration auf die Frauen zu setzen, ihnen die Errungenschaften der westlichen Welt aufzuzeigen, denn in der muslimischen Welt sind sie für die Aufrechterhaltung der Familienehre zuständig, nicht die Männer.

Wie muss ich mir das konkret vorstellen?
Ramadani:
Die Söhne können Drogen verkaufen, gewalttätig sein, das ist alles kein Problem für die Mütter, denn dadurch nimmt die Familien-
ehre keinen Schaden. Aber die Jungfräulichkeit der Tochter, die muss um jeden Preis erhalten werden. Wenn das nicht der Fall ist, hat die Mutter versagt, bringt Schande über die Familie. Die Mutter ist auch die Bedienstete der Familie.

Die Söhne verpfuschen die Mütter auch, richtig?
Ramadani:
Genau, die Jungs werden zu Prinzen erzogen. Sie haben einen großen Stellenwert. Sie werden verhätschelt, verwöhnt, bedient und damit ...

... zu Versagern, schreiben Sie. Warum ist das so?
Ramdani:
Sie scheitern an der Leistungsgesellschaft des Westens, weil ihnen zu Hause etwas ganz anderes beigebracht wird. Sie kennen es nicht, dass etwas von ihnen verlangt wird, dass sie sich anstrengen müssen. Schuld sind dann natürlich alle anderen: Die Lehrerin ist ein ungläubige Schlampe, die dem Sohn nichts zu sagen hat. Alle anderen sind Rassisten, die den Muslimen keine Chance geben. Und die Mütter unterstützen sie auch noch bei dieser Sichtweise. Der eine oder andere junge Mann macht sich dann nach Syrien auf den Weg, um sich dem IS anzuschließen. So haben wir die nächsten Terroristen.

Diese von Ihnen skizzierten Entwicklungen treffen in Deutschland auf eine tolerante Gesellschaft und auf eine liberale Rechtsprechung. Sind wir Deutsche zu tolerant?
Ramadani:
Auf jeden Fall.  Schauen Sie, ich persönlich empfinde es als sehr angenehm, wenn Männer ihr Gockelgehabe einstellen. In der muslimischen Community gehört das jedoch zum Alltag. Es wird als Schwäche angesehen, wenn ein Mann nicht dominant auftritt. Die Jungs bekommen schnell mit, dass sie Straftaten begehen, Leute bedrohen und unsere Gesetze gegen uns ausnutzen können, ohne das ihnen groß etwas passiert. Die können mich übelst auf Facebook beschimpfen und bedrohen und sehen das als freie Meinungsäußerung an. Und wir reagieren darauf mit viel zu viel Verständnis und trauen uns auch nicht, den islamischen Hintergrund anzusprechen. Deutsche fürchten immer gleich die Nazikeule.

Was gilt es zu tun?
Ramadani:
Wir müssten da ganz harte Grenzlinien ziehen und konsequent handeln. Wer keine deutsche Staatsbürgerschaft hat, straffällig und verurteilt wird, muss sofort abgeschoben werden. Da überlegt es sich der Nächste fünfmal, ob er eine Straftat begeht. Diese Konsequenz und diese klare Kante vermisse ich in Deutschland. Deshalb geht unsere Toleranz eindeutig zu weit.

Autor:
Christoph Rigling