Kommentar des Tages

Zahl der Erwerbslosen weiter gesunken: Arbeit für Jamaika

02. November 2017
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Der weiter kräftige Herbstaufschwung und die robuste deutsche Konjunktur haben die Arbeitslosigkeit im Oktober erstmals seit der deutschen Wiedervereinigung unter die 2,4-Millionen-Marke sinken lassen. 

Auch wenn es bei den Unterhändlern einer künftigen Jamaika-Koalition immer wieder Dissonanzen gibt, so ist doch zumindest die Begleitmusik vom Arbeitsmarkt voller Harmonie:  Noch nie seit der Wiedervereinigung waren so wenige Menschen ohne Job wie jetzt. Und noch nie gab es so viele Beschäftigte. 

Ein Grund, dieses Thema politisch zu den Akten zu legen, ist das aber noch längst nicht. Denn auch der größte Beschäftigungsboom kann nicht über den eher stagnierenden Anteil der Langzeitarbeitslosen hinwegtäuschen. Zumeist handelt es sich um ältere und wenig qualifizierte Personen. Um auch sie wieder in Lohn und Brot zu bringen, sind nicht nur die Jobcenter stärker gefordert. 

Viele Arbeitsmarktforscher halten hier schon länger  die Schaffung eines »zweiten Arbeitsmarktes« für erforderlich. In der Vergangenheit mangelte es dafür am notwendigen Geld, aber vor allem am politischen Willen. Vor diesem Hintergrund könnte eine mögliche Jamaika-Regierung tatsächlich neue Wege gehen. Wenn die Union ihr erklärtes Ziel einhalten will, die Arbeitslosigkeit bis zum Jahr 2025 zu halbieren, wird sie an einer Beschäftigungsoffensive für Langzeitarbeitslose kaum vorbeikommen.  

Und noch etwas droht die gute Arbeitsmarktbilanz längerfristig  zu verdüstern: Mit der wachsenden Anzahl bearbeiteter Asylanträge kommen auch immer mehr Flüchtlinge auf den Arbeitsmarkt. Auch darum muss sich eine künftige Regierung also verstärkt kümmern. Alles andere wäre verschenktes Potenzial. 

Autor:
Stefan Vetter

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