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Zehnteilige Serie: Der Klimawandel in der Region

30. März 2017
&copy Symbolbild: Pixabay&copy Symbolbild: Pixabay

Der Klimawandel ist schon längst auch bei uns in Baden-Württemberg angekommen. In unserer zehnteiligen Serie beleuchtet die Mittelbadische Presse immer donnerstags die Auswirkungen des Klimawandels auf Mensch und Natur in unserer Region. 

Der Klimawandel ist das Thema, das in den nächsten Jahrzehnten den Alltag vieler, wenn nicht aller Menschen bestimmen oder zumindest in irgendeiner Weise berühren wird, sind sich die Experten sicher.  Das Wetter, die Pflanzen, wir Menschen, die Tiere – absolut alles wird durch den Klimawandel beeinflusst werden, und die Bevölkerung muss sich darauf einstellen. Das Wasser, die Landwirtschaft, der Naturschutz, die Energiewirtschaft, die Infrastruktur, der Tourismus und noch viele weitere Gebiete werden betroffen sein.

Den Klimawandel noch aufhalten zu wollen, erscheint angesichts der weitweiten Vorhersagen als eher aussichtslos und somit ist die Frage nicht ob er kommt, da er ja bereits begonnen hat, sondern wie stark er ausfallen und wie groß die Auswirkungen sein werden.  Das IPCC (Intergovernmental Panel of Climate Change), dass von den Vereinten Nationen bereits 1988 eingerichtet wurde, um den weltweiten Klimawandel zu untersuchen, präsentierte 2007 Forschungsergebnisse, laut denen zwischen 1900 und 2005 die globale Durchscnittstemperatur um etwa 0,7 Grad Celsius angestiegen ist, allein um rund 0,6 Grad Celsisus zwischen 1957 und 2007.

Bis 2100 könnte sie nach diesen Berechnungen im Jahr 2100 in Europa sogar mehr als sechs Grad Celsius betragen. Die Betonung liegt dabei auf »könnte«, denn die Folgen der Erderwärmung exakt vorherzusagen ist aufgrund unzähliger Einflüsse auf die Daten schlichtweg nicht möglich, wie man auch an der Grafik rechts erkennen kann.

Die Temperaturen steigen - das ist sicher

Aber auch hier gilt: Dass die Temperaturen steigen, ist sicher – nur nicht, um wie viel sie steigen. Da das Klimasystem auf Veränderungen eher träge reagiert, werden sich die Auswirkungen der in die Luft geblasenen Treib-hausgasemissionen in den kommenden Jahrzehnten erst nach und nach bemerkbar  machen. 

Auch wenn man beim Stichwort Klimawandel zumeist erst mal an das abtauen der Gletscher in den Alpen, das ansteigen des Meeresspiegels oder das zurückgehende Eis an den Polen denkt, ist auch in Baden-Württemberg der Klimawandel bereits deutlich messbar. Das Klima im Land hat sich im Laufe des letzten Jahrhunderts spürbar verändert: Die Durchschnittstemperatur ist in den letzten hundert Jahren um etwas mehr als einen Grad Celsius von um die acht Grad Celsius auf über neun Grad Celsius gestiegen, und die Rheintalebene schiebt dabei den Durchschnitt noch deutlich nach oben, hier dürfte der Temperaturanstieg also sogar bereits über einem Grad innerhalb der vergangenen 100 Jahre liegen.

Desweiteren haben laut Messungen die Sommertage im Land mit einemTagesmaximum von über 25 Grad Celsius zugenommen, und die Eistage mit einer Tageshöchsttemperatur unter 0 Grad Celsius sind deutlich seltener geworden. Zudem zeigten die Daten der vergangenen Jahre einen Trend zu höheren Niederschlägen im Winter und zu trockeneren Sommern. Aktuellen Klimamodellen zufolge wird sich diese Entwicklung in den kommenden Jahrzehnten fortsetzen und sogar verstärken, was erhebliche Auswirkungen auf die Natur haben wird.

Gravierende Veränderungen

Dass der Anstieg der Lufttemperatur und die Veränderungen all der weiteren Messdaten, die teils gravierende Veränderungen in der Umwelt und Natur aufzeigen, auf den Klimawandel zurückzuführen sind, hat die Landesregierung bereits vor mehreren Jahren  erkannt. 1999 wurde in Zusammenarbeit mit dem Land Bayern und dem Deutschen Wetterdienst unter dem Namen »Klimaveränderung und Konsequenzen für die Wasserwirtschaft« (Kliwa) ein Projekt gestartet, dass zum Ziel hat, die Auswirkungen des Klimawandels auf den regionalen Wasserhaushalt zu erkennen.

2001 wurden in dem Projekt »Klimawandel – Auswirkungen, Risiken, Anpassung« (Klara) Bereiche ausßerhalb der Wasserwirtschaft betrachtet, und von 2006 bis 2010 wurde das Forschungsprogramm »Herausforderung Klimawandel Baden-Württemberg« durchgeführt. 2011 wurde schließlich das Forschungsprogramm »Klimawandel und modellhafte Anpassung in Baden-Württemberg« (Klimopass) gestartet, dass Grundlagenforschung betreibt und auch angewandte Forschungsprojekte durchführt. Klimopass soll die Erforschung der regioonalen Klimaauswirkungen vorantreiben, Unsicherheiten in der Forschung beseitigen und Lösungsvorschläge erarbeiten, wie auf den Klimawandel reagiert werden kann.

Baden-Württemberg scheint sich also zu rüsten, was auch daran liegen mag, dass das Land  nicht nur vom Klimawandel betroffen ist, sondern auch selbst überdurchschnittlich zum Klimawandel beiträgt. 0,3 Prozent der weltweiten Treibhausemissionen werden hier verursacht. Das ist mehr, als dem Anteil des Landes an der weltweiten Bevölkerung entspricht. Auch deshalb hat die Landesregierung 2013 den nächsten Schritt getan und das Klimaschutzgesetz beschlossen, dessen oberstes Ziel die Treibhausgasreduzierung ist.

Vorgaben für die Reduzierung von Treibhausgasen 

In dem Gesetz werden Vorgaben für die Reduzierung von Treibhausgasen genannt: Der CO2-Ausstoß des Landes soll bis 2020 um mindestens 25 Prozent und bis 2050 um 90 Prozent sinken. Des Weiteren sieht das Gesetz vor, dass die unvermeidbaren Auswirkungen des Klimawandels mit Hilfe einer landesweiten Anpassungsstrategie zu begrenzen sind. 

Inwieweit das Gesetz Wirkung zeigt, hat sich bisher nicht feststellen lassen. Zu kurz ist es in Kraft, zu zeitverschoben sind Ergebnisse beim Klimaschutz zu erkennen. Da sich das Klima aber nicht um Gesetze schert und sich die Erderwärmung bestimmt nicht durch sie aufhalten lässt, kann es nur als ein winziger Baustein in den Anstrengungen, den Klimawandel zu bekämpfen, gesehen werden.


 

Hintergrund

Auswirkungen des Klimawandels

Klimawandel heute - Die Temperaturen steigen

Die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) hat anhand des Beispiels Karlsruhe die Auswirkungen eines doch eher unbedeutend erscheinenden Anstiegs der Durschnittstemperatur um ein Grad Celsius in den vergangenen Jahren von acht auf neun Grad Celsius verdeutlicht. So herrschen in der Fächerstadt heute die gleichen Temperaturen wie im französischen Lyon vor 75 Jahren. Die Höchstniederschläge hat durch das plus von einem Grad Celsius im Winter bis zu 35 Prozent zugenommen, genauso wie die Zahl der Hochwasserereignisse in den vergangenen 30 Jahren. Die Sommer sind dagegen eher trockenener.    
  

Klimawandel morgen - Mehr Niederschläge

Laut den Berechnungen aller Klimaszenarien wird die Durchschnittstemperatur in Baden-Württemberg auch weiterhin stark zunehmen, bis 2050 um 0,8 bis 1,7 Grad Celsius. Hitzetage mit Höchsttemperaturen von mindestens 30 Grad Celsius sollen dann sehr viel häufiger auftreten, die Frost- und Eistage gehen hingegen deutlich zurück. Die Rheinebene wird besonders betroffen sein, hier gibt es momentan im Durchschnitt 60 Sommertage im Jahr, bis Mitte des Jahrhunderts sollen es 80 Tage sein. Die Niederschläge im Winter werden je nach Region um bis zu 35 Prozent zunehmen, womit im Winter automatisch auch eine größere Hochwassergefahr einhergeht.          
 

Zukunftsperspektiven - Mit Klimasimulationen

Mit weltweiten Vorhersagen für den Klimawandel kann man regional wenig anfangen, zu groß sind die Abweichungen. Das Institut für Meteorologie und Klimaforschung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) hat deshalb eine Reihe von regionalen Kleinsimulationen für die jüngere Vergangenheit (1971 bis 2000) und die Zukunft (2011 bis 2040) durchgeführt. Dazu benutzten die Forscher das regionale Klimamodell COSMO-CLM in einer Auflösung von sieben Kilometern. Damit sind kleinräumigere Aussagen möglich, und Kommunalverwaltungen oder Landratsämter können somit genauer abschätzen, welche Folgen auf ihr Gebiet zukommen können.      
 

Extremereignisse - Stürme und Hagel

Es ist noch nicht eindeutig belegt, ob der anstieg der Häufigkeit von Unwettern mit dem Klimawandel zu tun hat. allerdings hat die Anzahl von starken Winterstürmen mit Böengeschwindigkeiten von bis zu über 200 km/h in den vergangenen 20 Jahren zugenommen. Auch die Häufigkeit und Intensität von Hagelstürmen hat zugenommen. Gebäudeversicherungsdaten für Baden-Württemberg zeigen, dass zwischen 1986 und 2008 die Schadenssummen stark gewachsen sind. Die Zahl der Tage, an denen Hagelschäden gemeldet wurden, lag in den 1980ern bei etwa zehn pro Jahr, in den 1990ern bei etwa 20 und jetzt zwischen 30 und 40 Tagen. fi

Info

Alle Folgen der Klimaserie im Überblick

Teil 1: Übersicht über die globale Entwicklung und die Auswirkungen auf Baden-Württemberg.

Teil 2: Auswirkungen des Klimawandels und des damit verbundenen Gesundheitsrisiken auf die Menschen in der Region.

Teil 3: Auswirkungen des Klimawandels auf die Wassersituation und damit verbundene Probleme in der Region.

Teil 4: Auswirkungen des Klimawandels auf die Beschaffenheit und die Ertragfähigkeit der Böden in der Region.

Teil 5: Auswirkungen des Klimawandels auf die Arbeit in der Landwirtschaft in der Region.

Teil 6: Auswirkungen des Klimawandels auf die Forstwirtschaft und die Arbeit im Wald in der Region.

Teil 7: Auswirkungen des Klimawandels auf die Natur und den Artenschutz in der Region.

Teil 8: Auswirkungen des Klimawandels auf den Sommer und Wintertourismus in der Region.

Teil 9: Auswirkungen des Klimawandels auf die Wirtschaft und die Arbeitsverhältnisse in der Region.

Teil 10: Interview mit einem Klimaexperten, wie es aufgrund des Klimawandels 2050 in der Region aussehen könnte.

29. März 2017
Artikel Flashbook
29.03.2017
Autor:
Markus Fix

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