Berlin

Neuer weltweiter Öko-Check soll bei Artenschutz helfen

Autor: 
dpa
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
25. April 2019
Gelbe Blumen blühen auf einer Wiese am Wank in Garmisch-Partenkirchen. Am Montag startet in Paris eine Konferenz zum neuesten Report über die weltweite Artenvielfalt und ihren Schutz.

Gelbe Blumen blühen auf einer Wiese am Wank in Garmisch-Partenkirchen. Am Montag startet in Paris eine Konferenz zum neuesten Report über die weltweite Artenvielfalt und ihren Schutz. ©dpa - Sven Hoppe

Inventur der Natur: Am Montag startet in Paris eine Konferenz zum neuen Report über die weltweite Artenvielfalt. Drei Jahre lang haben 150 Experten aus 50 Ländern das vorhandene Wissen zusammengetragen und analysiert.

Nun werden sie zusammen mit rund 100 Regierungsvertretern eine Woche lang an einem Papier mit den Kernaussagen ihres Reports feilen, das dann als Handlungsgrundlage etwa für Politiker dienen soll. Am 6. Mai will der Weltbiodiversitätsrat IPBES diese Zusammenfassung veröffentlichen. Beteiligte Forscher hoffen, dem Artenschutz neuen zu Aufwind verleihen und einen Wandel Richtung nachhaltige Entwicklung anstoßen zu können.

Es steht schlecht um die Artenvielfalt

Klimawandel, intensive Landwirtschaft, Verschmutzung, Überfischung, Wilderei und die Zerstörung natürlicher Lebensräume - die Ursachen sind bekannt. Wie schlimm es um die Artenvielfalt der Welt steht, hatte zuletzt 2005 das Millennium Ecosystem Assessment gezeigt: Die Ökosysteme seien in den davorliegenden 50 Jahren größeren Belastungen ausgesetzt gewesen als je zuvor. Und eine Umkehr sei dringend nötig. Nun legt der IPBES-Bericht nach. Noch ist über seine Ergebnisse nichts bekannt.

Dass sich zwischenzeitlich etwas grundlegend gebessert hat, ist kaum zu erwarten. Die aktuelle Fachliteratur zeige, dass der Rückgang der Artenvielfalt noch nicht gestoppt sei, sagt auch Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Halle, einer der drei Hauptautoren des IPBES-Berichts.

Mögliche Lösungen sind bekannt

Neben den Problemen sind auch mögliche Lösungen in den allermeisten Fällen bekannt. Was kann ein neuer Bericht an der dennoch ernüchternden Entwicklung ändern? «Das IPBES Globale Assessment führt erstmals seit dem Millennium Ecosystem Assessment von 2005 die gesamten wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Zustand und den Trend der Arten, Ökosysteme und Ökosystemleistungen zusammen», sagt Günter Mitlacher, Leiter Internationale Biodiversitätspolitik bei der WWF. «Seitdem sind neue Erkenntnisse hinzugekommen, so dass mit dem IPBES-Assessment die Erkenntnislage auf dem neusten Stand ist.»

- Anzeige -

Und das sei, so IPBES-Vorsitzender Sir Robert Watson, die Voraussetzung für erfolgreichen Artenschutz: «Politische Maßnahmen, Anstrengungen und Handlungen werden - auf allen Ebenen - nur erfolgreich sein, wenn sie auf bestem Wissen und Beweisen beruhen. Das ist es, was das Globale Assessment des IPBES bereitstellt.» Fast 15 000 Quellen haben die Experten für ihren Bericht analysiert, 250 weitere Fachleute lieferten Wissen direkt zu. Erstmals wurden auch Erkenntnisse und Interessen indigener Bevölkerungen und anderes Lokalwissen aufgenommen.

Experten analysieren Umsetzung der Artenschutz-Ziele, Un-Ziele und Pariser Klimaabkommen 

Die Forscher haben unter anderem geprüft, wie weit die Welt bei bereits vereinbarten Artenschutz-Zielen gekommen ist. Dazu zählen die 2010 von der Konferenz zur Biodiversitätskonvention (CBD) beschlossenen Aichi-Ziele. Sie sehen etwa vor, dass bis 2020 die Verlustrate an natürlichen Lebensräumen mindestens halbiert, die Überfischung der Weltmeere gestoppt sowie 17 Prozent der Landfläche und 10 Prozent der Meere unter Schutz gestellt werden. Auch die Umsetzung der UN-Ziele zur nachhaltigen Entwicklung (SDG) und des Pariser Klimaabkommens nahmen die Experten in den Blick.

Den besonderen Stellenwert der Meere hebt Mitautor Julian Gutt, Meeresbiologe am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven hervor. «Das Leben im Meer ist fast genauso wichtig für uns Menschen wie das Leben an Land.» Was darin passiere, sei aber schlechter sichtbar. Gutt zeigt sich mit Blick auf die Ozeane dennoch vorsichtig optimistisch. «Im Meer sind nach allem was wir wissen, bisher noch weniger Arten ausgestorben als an Land.» Das gebe Hoffnung, dass dezimierte Arten sich erholen könnten.

Zukunftsszenarien 

Wie unsere Welt in Zukunft aussehen könnte, stellten die IPBES-Autoren in sechs Szenarien dar, etwa unter der Annahme, dass die Menschheit weiter macht wie bisher oder lernt, global oder regional nachhaltig zu wirtschaften. Das ist einer der Bereiche, an dem auch die Sozialwissenschaft gefragt ist. Eine einzigartige Schnittstelle zwischen Politik und Wissenschaft nennt Jens Jetzkowitz von der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg den IPBES-Bericht. Es gehe darin nicht nur um die unmittelbaren Ursachen, sondern auch um indirekte Treiber von Artenverlust wie etwa Macht- und Finanzierungsstrukturen.

Oft wird der Weltbiodiversitätsrat mit dem Weltklimarat IPCC verglichen, der Wissen zum Stand und den möglichen Folgen des Klimawandels bereitstellt. Der IPBES-Bericht soll unter anderem eine Grundlage für die nächste Vertragsstaatenkonferenz der Biodiversitätskonvention (CBD) 2020 im chinesischen Kunming sein.
 

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

07.07.2020
Tag der Schokolade
Der 7. Juli ist der offizielle Tag der Schokolade, denn an diesem Tag erreichte sie Europa. Damit der Schokoladengenuss für die Zähne ohne Folgen bleibt, gibt Zahnarzt Sebastian Rudolph drei wichtige Zahnpflegetipps.
23.06.2020
Nachrichten
Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies zieht die NRW-Regierung die Notbremse. In zwei Kreisen wird das öffentliche Leben heruntergefahren.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Das edel-graue Parkett schafft eine klare Raumstuktur.
    06.07.2020
    Im grenznahen Neuried werden Wohnträume wahr
    Holz ist ein wunderbarer Werkstoff für den Innenausbau: Er ist durch und durch natürlich und passt sich den Anforderungen an. Dabei ist er genauso individuell wie die Menschen, die in den vier Wänden leben. Wer seinen Wohntraum in Holz verwirklichen will, ist bei marx Design in Holz in Neuried an...
  • Willkommen zu Hause: Stressless® steht für Komfort und Entspannung. Modell: Tokyo Linden Sand.
    02.07.2020
    Stressless®: Raus aus dem Alltag, rein ins Zuhause
    Möbel RiVo ist eine der führenden Adressen für anspruchsvolles Einrichten und Wohnen in Baden. Das Möbelhaus in Achern-Fautenbach ist Partner ausgewählter Marken und präsentiert mit Stressless® norwegischen Komfort. Die Welt des exklusiven Möbelherstellers wartet im Stressless®-Studio darauf,...
  • Kai Wissmann präsentiert am Donnerstag, 16. Juli, die Gewinner der Shorts 2020.
    25.06.2020
    Trinationales Event: Großes Finale am 16. Juli
    Die Shorts lassen sich nicht ausbremsen, auch nicht von einer weltweiten Pandemie: Das trinationale Filmfestival der Medienfakultät der Hochschule Offenburg wird diesmal komplett online ausgerichtet. Die Filme sind donnerstags und sonntags ab 19 Uhr im Live-Stream hier abrufbar. Das große Finale...
  • Eine reduzierte Formensprache, robuste Materialien und eine seriöse Optik zeichnen Möbel von Musterring aus.
    25.06.2020
    Möbel RiVo in Achern: Wohnwelt auf 8000 Quadratmetern
    Bei der Einrichtung zählt einzig und allein der persönliche Geschmack. Und Geschmack ist bekanntlich vielseitig. Gerade deshalb bietet das Einrichtungshaus Möbel RiVo in Achern-Fautenbach eine riesige Auswahl an Markenkollektionen von Top-Designern und -Herstellern wie Musterring.