Oslo

Norwegische Insel will erste zeitfreie Zone der Erde werden

Autor: 
dpa
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19. Juni 2019
Die Sonne geht hinter der Sommaroy-Brücke unter, die die Inseln Kvaloya und Sommaroy verbindet.

Die Sonne geht hinter der Sommaroy-Brücke unter, die die Inseln Kvaloya und Sommaroy verbindet. ©dpa - Hinrich Bäsemann

Eine nordnorwegische Insel will die auf ihr geltende Zeit abschaffen. Weil Sommarøy in den Sommermonaten von der Mitternachtssonne gesegnet sei und die Sonne damit knapp 70 Tage lang nicht untergehe, bemüht sich die Insel darum, offiziell als erste zeitfreie Zone der Erde anerkannt zu werden.

Weil es immer hell sei, müsse man gar nicht so genau wissen, wie spät es gerade sei, sagte Kjell Ove Hveding von der entsprechenden Initiative auf Sommarøy der Deutschen Presse-Agentur.

«Wenn du im Norden Norwegens lebst, macht es keinen Sinn, über Zeiten fürs Abendessen oder irgendeine andere Zeit zu reden», sagt Hveding. «Uns wird beigebracht, abends ins Haus zu gehen und um 21.00 Uhr Fernsehen zu gucken. Wir denken darüber gar nicht nach. Aber warum soll man um 17.00 Uhr Essen, wieso nicht erst um 22.00 Uhr? Lasst uns um Mitternacht Fußball spielen, warum nicht?» Zeitliche Begrenzungen gebe es so nicht.

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Mitternachtssonne

Sommarøy (deutsch: «Sommer-Insel») liegt bei Tromsø im hohen Norden Norwegens. Für die rund 350 Bewohner der Insel verschwinde die Sonne vom 18. Mai bis zum 26. Juli nicht hinter dem Horizont, sagt Hveding. Das sorge dafür, dass Kinder auch mitten in der Nacht draußen spielten und Hausbesitzer ihre Fassaden auch mal nachts strichen. «Die Mitternachtssonne macht Uhren bei uns überflüssig.»

Hveding räumt ein, dass es sich um eine durchaus verrückte Idee handele. Diese habe aber einen ernsten Hintergrund: «Wir haben mehr und mehr darüber diskutiert, wie unsere Uhr uns Zeit nimmt, anstatt sie uns zu schenken», sagt er. Während Verliebte anderswo Schlösser an Brückengeländer hängten, täten dies manche auf Sommarøy nun mit ihren Uhren. Und die Idee nimmt immer konkretere Züge an: Eine Petition wurde unterzeichnet, Hveding überreichte sie vor wenigen Tagen einem Parlamentsmitglied. Ob die Regierung in Oslo dem Ganzen zustimmt? Das ist noch unklar.

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