Brigham

Opioid-Epidemie bringt USA mehr Spenderorgane

Autor: 
dpa
Lesezeit 2 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
17. Mai 2018
Ein Organ für eine Transplantation wird in einer Kiste getragen: Die Zahl der Drogentoten, die mindestens ein Organ spendeten, hat sich von 59 (2000) auf 1029 (2016) erhöht.

Ein Organ für eine Transplantation wird in einer Kiste getragen: Die Zahl der Drogentoten, die mindestens ein Organ spendeten, hat sich von 59 (2000) auf 1029 (2016) erhöht. ©dpa - University Of Utah Health Care

Durch die verheerende Opioid-Epidemie ist die Menge der verfügbaren Spenderorgane in den USA unerwartet gestiegen: Die Zahl der Drogentoten, die mindestens ein Organ spendeten, hat sich von 59 (2000) auf 1029 (2016) erhöht.

Fast 14 Prozent sämtlicher Organspenden gehen mittlerweile darauf zurück. Doch wie sicher sind die Organe von Drogentoten für die 110.000 Menschen, die in den USA dafür auf der Warteliste stehen? Forscher der University of Utah in Brigham geben nun zumindest für Lungen und Herzen grünes Licht.

Sie sichteten die Transplantationsakten von 2360 Patienten aus 17 Jahren und fanden heraus: Spender-Herzen und -Lungen von Drogentoten funktionierten ein Jahr nach der Transplantation genauso gut wie diejenigen von Menschen, die an einem Schlaganfall, Hirnblutungen oder Schusswunden gestorben waren. Das Team um Mandeep Mehra berichtet darüber im «New England Journal of Medicine».

- Anzeige -

«Wir waren überrascht zu sehen, dass fast die gesamte Erhöhung der Transplantationsaktivität in den USA der vergangenen fünf Jahren auf die Drogen-Krise zurückgeht», berichtet der Arzt.
Herz und Lungen seien für die Arbeit ausgewählt worden, weil diese Organe besonders sensibel auf Sauerstoffmangel reagierten, ergänzt Ko-Autor Josef Stehlik vom Zentrum für Hertransplantation der Universität. Mögliche Schäden hätten dann bald nach einer Transplantation sichtbar werden müssen. Das war aber nicht der Fall. «Bislang werden diese Organe oft nicht als geeignet für Organspende angesehen», beklagt Stehlik und hofft, dass sich das nach der Studie weiter ändert.

Durchschnittlich 115 Menschen starben in den USA in den vergangenen Jahren nach Angaben der Drogenbehörde Nida jeden Tag an einer Überdosis von Opioiden, darunter Schmerzmittel, Heroin und das synthetische Fentanyl. 2016 gab es einen gewaltigen Anstieg auf rund 62.000 Überdosis-Todesopfer, 22 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Im Mittleren Westen wuchs die Opferzahl sogar um 70 Prozent. Für 2017 rechnen Experten mit einem weiteren Anstieg.

In Deutschland spielen Spenderorgane von Drogentoten kaum eine Rolle. Ihr Einsatz ist - nach gründlicher Prüfung auf Infektionen wie HIV oder Hepatitis - zwar möglich, aber nur an bestimmte Empfänger: Diese müssen zuvor bereits zugestimmt haben, solche Organe zu akzeptieren. «Der Anteil der Organe ist extrem niedrig, er lag in den Jahren 2011-13 bei nur 0,6 Prozent aller Spender», berichtet Birgit Blome von der Deutschen Stiftung Organtransplantation. 2017 starben in Deutschland 1272 Menschen an illegalen Drogen.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

Nachrichten
vor 5 Stunden
Der Trierer Politikwissenschaftler Uwe Jun hält den Absturz der Koalitionsparteien in den Umfragen für stimmungsgetrieben. Bei der SPD sei freilich niemand in Sicht, der Parteichefin Andrea Nahles beerben könnte.
Spurensicherung der Polizei in der Apotheke im Hauptbahnhof, in der sich zuvor eine Geiselnahme ereignet hatte. Vorn an der Scheibe sind Einschusslöcher der Polizei zu sehen.
Köln
vor 18 Stunden
Der Geiselnehmer vom Kölner Hauptbahnhof hätte laut einem Zeitungsbericht zu einem frühen Zeitpunkt seines Aufenthalts in Deutschland abgeschoben werden können. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) habe aber die dafür bestehende Frist versäumt.
Grund zum Feiern: Die Bundesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen, Annalena Baerbock und Robert Habeck am Tag nach der Landtagswahl in Bayern.
Berlin
vor 19 Stunden
GroKo, große Koalition - seit Jahrzehnten ist klar, was das ist: Ein schwarz-rotes Bündnis von Union und SPD. Aber wie lange noch? Gerade mal 39 Prozent haben die beiden noch im «Deutschlandtrend» für das ARD-Morgenmagazin, im ZDF-«Politbarometer» sieht es mit 41 Prozent kaum anders aus.
Ramona Pop (Grüne), Berlins Wirtschaftssenatorin, spricht bei der Eröffnung von Europas größtem Fintech-Hub (H:32).
Frankfurt/Main
vor 19 Stunden
Deutsche Finanz-Start-ups haben Gelder in Rekordhöhe von Investoren eingesammelt, um ihre Geschäfte wie Online-Vermögensverwaltungen, Zinsvergleiche oder Zahldienste voranzutreiben.
Das Gebäude des Obersten polnischen Gerichts.
Luxemburg
vor 20 Stunden
Polen muss die umstrittene Zwangspensionierung von Richtern mit sofortiger Wirkung stoppen. Eine entsprechende einstweilige Anordnung erließ am Freitag der Europäische Gerichtshof in Luxemburg. Die Anordnung gilt sogar rückwirkend für die bereits pensionierten Richter des polnischen Obersten...
Manfred Weber (CSU), Fraktionsvorsitzender der Europäischen Volkspartei im EU-Parlament, könnte Nachfolger von Jean-Claude Juncker werden.
Brüssel
vor 20 Stunden
Noch ist EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im Amt, doch das Rennen um seine Nachfolge hat längst begonnen.
Eine grafische Darstellung zeigt die Sonde BepiColombo im Anflug auf den Merkur.
Darmstadt/Kourou
vor 21 Stunden
Der sonnennächste Planet Merkur birgt viele Geheimnisse. Um einige davon zu lüften, soll Samstagfrüh (3.45 Uhr MESZ) die Sonde BepiColombo vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana zum Merkur starten.
Gingen mit der Presse hart ins Gericht: FCB-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge (l) und Präsident Uli Hoeneß.
München
vor 22 Stunden
Die Bosse von Bayern München haben mit einer heftigen Medienschelte für Aufsehen gesorgt.
Polizeibeamte sperren den Tatort in Kirchheim ab.
Kirchheim/Weinstraße/Ludwigshafen
vor 22 Stunden
Bei einem Polizeieinsatz in Rheinland-Pfalz sind zwei Menschen ums Leben gekommen.
Stimmzettel für die Landtagswahl in Hessen und für die Volksabstimmung zu Änderungen und Ergänzungen der Landesverfassung.
Wiesbaden
vor 23 Stunden
Die letzte Landtagswahl in diesem Jahr ist mehr als eine Entscheidung über die Machtverhältnisse in Hessen. Mit ihrem Kreuz entscheiden die knapp 4,4 Millionen Wahlberechtigten auch ein Stück mit über das Schicksal der großen Koalition im Bund. Der Dauerstreit in Berlin hat Spuren hinterlassen,...
Die Polizei war mit einem Großaufgebot und Kriminaltechnikern im Einsatz und riegelte den Tatort am Alexanderplatz großflächig ab.
Berlin
19.10.2018
Mehrere Maskierte haben in der Nähe des Berliner Alexanderplatzes einen Geldtransporter überfallen.
Die ausländer- und islamfeindliche Pegida-Bewegung feiert an diesem Sonntag in Dresden vierjähriges Bestehen.
Dresden
19.10.2018
Der Dresdner Politikwissenschaftler Hans Vorländer macht die ausländer- und islamfeindliche Pegida-Bewegung für einen Rechtsruck in Deutschland mitverantwortlich.