Regierungschaos in Italien

Renzi, der ewige Querulant

Autor: 
Almut Siefert
Lesezeit 2 Minuten
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13. Januar 2021
Matteo Renzi war mal Premierminister Italiens. Nun stürzt er als kleinster Koalitionspartner der aktuellen Regierung von Giuseppe Conte das Land in die politische Krise.

Matteo Renzi war mal Premierminister Italiens. Nun stürzt er als kleinster Koalitionspartner der aktuellen Regierung von Giuseppe Conte das Land in die politische Krise. ©Foto: dpa/Fabio Cimaglia

Wieder einmal wird in Italien die Regierung gestürzt – wieder einmal ist Matteo Renzi an allem Schuld. Der stürzt das Land zum schlechtesten Zeitpunkt überhaupt in die politische Krise. Und macht damit seinem schlechten Ruf als Querulant alle Ehre, kommentiert unsere Redakteurin Almut Siefert.

Rom - Italia Viva heißt die Kleinstpartei, die Italien nun zu Boden reißt. Ihr Chef: Ex-Premierminister Matteo Renzi. Dem ehemaligen Sozialdemokraten fällt gerade nichts besseres ein, als die Regierungsarbeit mit seiner Ex-Partei, dem Partito Democratico, und der Fünf-Sterne-Bewegung unter der Führung des parteilosen Giuseppe Conte aufzukündigen. Seit Wochen geht der 46-Jährige damit den Koalitionspartnern auf die Nerven – nun ließ er Taten sprechen und zog am Mittwochnachmittag seine zwei Ministerinnen aus der Regierung ab.

Als gäbe es gerade keine anderen Probleme

Ausgerechnet jetzt, in der zweiten Welle der Corona-Pandemie, die auch Italien wieder mit voller Wucht trifft, die auch hier täglich hunderte Tote fordert und die ohnehin schon schwächelnde Wirtschaft an den Rand des Abgrunds treibt, stürzt Renzi nun auch noch die italienische Politik ins Chaos und die Regierung wieder einmal in eine schwere Krise. Der Zeitpunkt für langwierige Personalverhandlungen oder gar Neuwahlen könnte schlechter nicht sein.

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Seinen Ruf als arrogant und dickköpfig hat der Florentiner in Italien schon lange weg. Die jetzige Aktion ist nur ein weiterer Ausdruck seiner kleinbürgerlichen Großmannssucht. Italia Viva (IV) gründete Renzi im Herbst 2019, einer bundesweiten Wahl stellen musste sich die neue Partei noch nicht. 31 Abgeordnete und 18 Senatoren konnte er aus der gewählten Riege anderen Parteien abwerben.

Bei Neuwahlen käme Italia Viva laut Umfragen auf nur etwa drei Prozent. Doch für die knappe Regierungsmehrheit Contes sind Renzis Leute leider das Zünglein an der Waage. Dass Renzi dies ausnützen würde, war bereits bei Gründung der Koalition klar. Womit der Querulant seinem Ruf mal wieder alle Ehre macht.

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