Wegen Teilmobilmachung

Russen fliehen in Nachbarländer

red/AFP
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
22. September 2022
Auch an der Grenze zu Finnland versuchen einige Russen, das Land zu verlassen.

Auch an der Grenze zu Finnland versuchen einige Russen, das Land zu verlassen. ©Foto: IMAGO/Lehtikuva/IMAGO/Lauri Heino

Der russische Präsident Wladimir Putin ordnet eine Teilmobilmachung der eigenen Streitkräfte an. Viele Russen wollen dem Einsatz an der Front entgehen – und fliehen.

Angesichts der von Präsident Wladimir Putin angekündigten Teilmobilmachung haben bereits zahlreiche Russen das Land verlassen, um einem Einsatz an der Front zu entgehen. Von den Grenzen zu mehreren Nachbarländern wurden am Donnerstag lange Warteschlangen gemeldet, aktuelle Zahlen von aus Russland flüchtenden Menschen waren zunächst aber nicht bekannt.

Ein Einreisender an der Grenze zur Mongolei berichtete der Nachrichtenagentur AFP, dass er zwölf Stunden lang habe warten müssen, bis er mit dem Auto die Grenze überqueren konnte. 

Die Ankündigung hatte auch zu einem Ansturm auf Tickets für Auslandsflüge geführt. Laut der in Russland beliebten Buchungsseite „Aviasales“ waren alle Direktflüge in die nächstgelegenen ehemaligen Sowjetrepubliken Armenien, Georgien, Aserbaidschan und Kasachstan am Mittwoch ausgebucht.

Frau und Kinder noch in der Heimat

Auf dem Flughafen von Eriwan in Armenien sagten Russen der AFP, vor der Mobilisierung geflohen zu sein. Der 45-jährige Dmitri ließ nach eigener Schilderung Frau und Kinder in der Heimat zurück. „Ich will nicht in diesem sinnlosen Krieg sterben. Es ist ein Bruderkrieg“, sagte er. 

Die Situation in Russland würde jeden dazu bringen, das Land zu verlassen, sagte ein 44-Jähriger. Sein 17-jähriger Sohn fügte hinzu: „Wir wollen nicht warten, bis wir eingezogen werden.“

Rund 50.000 Menschen sollen nach Georgien geflohen sein

„Im 21. Jahrhundert in den Krieg zu ziehen, ist – gelinde gesagt – falsch“, sagte ein 39-Jähriger, der sich nicht sicher war, ob er jemals wieder nach Russland zurückkehren können würde.

- Anzeige -

Armenien ist seit Kriegsbeginn zu einem wichtigen Exilland für flüchtende Russen geworden - armenische Behörden haben seitdem mindestens 40.000 Ankünfte aus Russland in der ehemaligen Sowjetrepublik verzeichnet. Rund 50.000 Menschen sollen ins benachbarte Georgien geflohen sein. 

Finnische Grenzbeamten berichteten am Donnerstag, dass die Zahl der Grenzübertritte nur „mäßig“ gestiegen sei - Russen benötigen dort für die Einreise ein Visum.

Nancy Faeser äußert sich

Während Polen und die baltischen Staaten in den vergangenen Wochen die Einreise für Russen drastisch beschränkt hatten, erklärte sich Deutschland am Donnerstag bereit, Deserteure der russischen Armee aufzunehmen. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) sagte: „Wer sich dem Regime von Präsident Wladimir Putin mutig entgegenstellt und deshalb in größte Gefahr begibt, kann in Deutschland wegen politischer Verfolgung Asyl beantragen.“

Putin hatte am Mittwoch eine Teilmobilmachung von Russen im wehrfähigen Alter angekündigt. Nach Angaben von Verteidigungsminister Sergej Schoigu sollen rund 300.000 Reservisten zur Verstärkung der russischen und separatistischen Kräfte in den Osten und Süden der Ukraine entsandt werden.

Festnahmen bei Protesten gegen Teilmobilmachung

Nach Angaben des russischen Militärs meldeten sich binnen 24 Stunden rund 10.000 Menschen, um in der Ukraine zu kämpfen. Sie seien freiwillig und ohne auf die Vorladung zu warten in die Rekrutierungsbüros gekommen, sagte ein Militärsprecher am Donnerstag der russischen Nachrichtenagentur Interfax.

Am Mittwoch waren in Russland bei Protesten gegen die Teilmobilmachung landesweit mehr als 1300 Menschen festgenommen worden, wie die Bürgerrechtsorganisation OVD-Info mitteilte.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

Es sind nicht nur Ukrainer wie hier, die nach Deutschland flüchten. Vermehrt kommen auch wieder Flüchtlinge aus Staaten wie Syrien, Tunesien und Afghanistan.
vor 6 Stunden
Nachrichten
Volle Unterkünfte – Kommunalpolitiker schlagen Alarm.
02.10.2022
Nachrichten
Eine Datenauswertung zeigt: Es gibt einen Zusammenhang zwischen Extremtemperaturen und Übersterblichkeit. Steigende Temperaturen sind besonders deswegen gefährlich, weil die Bevölkerung immer älter wird.
In Berlin klappte am Wahltag am 26. September 2021 nichts, und deshalb wird die Wahl wiederholt. Hier beispielsweise mussten Feuerwehrleute um Viertel nach acht eine Seitentür zu dem Gebäude öffnen, in dem sich zwei Wahllokale befanden – die Schlüsselkarte fürs Gebäude hat nicht funktioniert. Andere Wahllokale mussten aufgrund von technischen Schwierigkeiten rund eine Stunde später öffnen.
30.09.2022
Das Berliner Wahldesaster
Der Berliner Verfassungsgerichtshof ist für eine komplette Wiederholung der vor einem Jahr verpatzten Wahl zum Landesparlament – gut so. Zu viel ist schiefgelaufen. Es hinzunehmen, wäre fatal.
Der Kanzler spricht, der Wirtschaftsminister lauscht.
23.09.2022
Nachrichten
Umfragen zeigen: Das Vertrauen in die Demokratie nimmt ab. Dafür ist auch die „Ampel“ verantwortlich. Nur mit Verlässlichkeit, Kompetenz und Selbstkritik lassen sich die Bürger überzeugen – nicht mit Arroganz oder staatlichen Erziehungsprogrammen.
Die hohen Energiepreise treiben die Inflation in die Höhe, was wiederum zu einem empfindlichen realen Kaufkraftverlust der privaten Haushalte führt.
21.09.2022
Nachrichten
Erst Stagflation, dann Rezession – und ein rekordhoher Kaufkraftverlust.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Im neu eingerichteten Küchenstudio können die Kunden 40 Musterküchen in Augenschein nehmen.
    30.09.2022
    4. bis 15. Oktober: Küchen-Service-Wochen bei Möbel Seifert
    Fünf Etagen, 5000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, Qualität zu fairem Preis und immer wieder Sonderaktionen – das ist Möbel Seifert in Achern. Aktuell rücken die Küchen in den Fokus. Im neu eingerichteten Studio gibt es ab 4. Oktober Sonderkonditionen beim Küchenkauf.
  • Claudio Labianca lädt zum verkaufsoffenen Sonntag, 9. Oktober, in Offenburg zum Streifzug durch die modernisierten Räume in der Zährigerstraße ein. 
    30.09.2022
    Geschäfts- und Ausstellungsräume rundum modernisiert
    Das Klavierhaus Labianca in der Zährigerstraße in Offenburg präsentiert sich am verkaufsoffenen Sonntag, 9. Oktober, in neuem Glanz. Verkaufs- und Ausstellungsflächen wurden nach 17 Jahren von Grund auf modernisiert und neu strukturiert – es hat sich sichtbar gelohnt!
  • Das E5-Team vor dem Studio in der Offenburger Okenstraße 65. 
    30.09.2022
    Wendepunkt: Für mehr Effektivität und Wohlbefinden im Leben
    Egal ob Rückenprobleme oder einfach mehr körperliche Fitness – wer rasche Erfolge erzielen möchte, für den bietet sich das EMS-Training im Studio von Simone Metz in der Okenstraße 65 in Offenburg an.
  • Modern, sicher, barrierefrei und zentrumsnah in Achern wohnen.
    30.09.2022
    Attraktives Konzept: AcherApartments – Wohnungen fürs Alter
    Wir werden immer älter, bleiben dabei meist fit und gesund. Neue Wohnformen für die Generation 65plus sind gefragt. Und genau hier wird in Achern eine Lücke gefüllt. "Unser Konzept ist einzigartig in der Region", so Diplom Ingenieur und Architekt Michael Wilhelm.