Reno

Satelliten-Skulptur soll im All fliegen

Autor: 
dpa
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
05. September 2018
Datum unbekannt, Ort unbekannt: Das Handout des Nevada Museum of Art zeigt eine grafische Darstellung des Satelliten «Orbital Reflector».

Datum unbekannt, Ort unbekannt: Das Handout des Nevada Museum of Art zeigt eine grafische Darstellung des Satelliten «Orbital Reflector». ©dpa - www.orbitalreflector.com/dpa

Unter Wasser, in der Wüste, im Gletscher-Eis: Künstler wagen sich mit ihren Arbeiten mitunter in schwer zugängliches Terrain. Trevor Paglen will noch einen Schritt weiter - und höher. Sein spiegelnder, schillernder Satellit «Orbital Reflector» soll Mitte November in die Umlaufbahn der Erde starten.

580 Kilometer über der Erdoberfläche soll die Skulptur fliegen und das All in ein Freiluftmuseum für Erdbewohner verwandeln. Einige Wissenschaftler sind verärgert und warnen vor unnötigem Weltraumschrott.

Mehr als 1800 Satelliten kreisen nach UN-Angaben derzeit um den Planeten, allein 2017 wurden gut 550 neue Objekte angemeldet. Sie sammeln Wetterdaten, helfen beim Navigieren oder spionieren feindliche Ziele aus. Sie steuern den Schiffsverkehr oder stimmen die Zeit in Stromnetzen, Banken und Computernetzwerken ab. Anders «Orbital Reflector»: Der Satellit ist als «rein künstlerische Geste» gemeint und «dient keinen militärischen, kommerziellen oder wissenschaftlichen Zwecken», heißt es in einem Video zum Projekt. «Es ist in vielfacher Weise das Gegenteil jedes Satelliten, der je in die Umlaufbahn gesetzt wurde.»

«Dieses Projekt steuert nichts bei, was wir nicht schon haben»

Genau diese Zweckfreiheit lässt einige Astronomen aufstöhnen. Als im Januar ein Spiegel-Ball namens «Humanity Star» ins All gesetzt wurde - ebenfalls als Kunstobjekt -, fürchteten einige um die Genauigkeit ihrer Messungen. «Es ist die Weltraum-Entsprechung einer neonfarbenen Werbetafel direkt vor deinem Schlafzimmer», sagte Astrophysiker Jonathan McDowell vom Center for Astrophysics (CfA) seinerzeit, das von der Harvard-Universität und der Smithsonian Institution betrieben wird. Das Online-Magazin «Gizmodo» forderte: «Hey Künstler, hört auf, glänzenden Scheiß ins All zu setzen.»

Doch Paglens «glänzender Scheiß» könnte zumindest manche Weltraum-Enthusiasten in Verzückung versetzen. Sofern die US-Behörde FCC (Federal Communications Commission) den Start zulässt, soll eine «Falcon 9»-Rakete von Elon Musks Unternehmen SpaceX als Taxi in den Orbit dienen, wo sich ein 30 Meter langer, diamantenförmiger Ballon öffnen soll. Dessen spiegelnde Oberfläche würde Sonnenlicht auch auf die Schattenseite der Erde werfen und könnte ohne Teleskop am Nachthimmel sichtbar sein. Ein Spendenaufruf bei Kickstarter brachte Paglen und dem Nevada Museum of Art, das das Projekt unterstützt, 76 000 Dollar (65 000 Euro) ein - ein Bruchteil der Gesamtkosten von 1,3 Millionen Dollar (1,1 Mio Euro).

- Anzeige -

«Dieses Projekt steuert nichts bei, was wir nicht schon haben», schrieb Wissenschaftler Mark McCaughrean von der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) bei Twitter. «Viele Menschen würden ein bisschen mehr Ehrfurcht vor der natürlichen Welt schätzen statt noch eine weitere künstliche Konstruktion hinzuzufügen», sagt auch Caleb Scharf, Direktor des Columbia Astrobiology Center in New York dem Magazin «Atlantic». Der Nachthimmel sei wie ein «bedrohtes Tier, das sich am besten im Naturzustand betrachten lässt».

US-Künstler Paglen sieht nicht ein, warum ausgerechnet sein Satellit unter Hunderten das Problem sein soll. Weil die Skulptur nach einigen Wochen in die Atmosphäre eintreten und verglühen soll, würde sie «keine Spuren hinterlassen», verspricht das Projekt. Auf der Website ist von einer «vorübergehenden Weltraum-Geste» die Rede. Paglan will dazu ermuntern, mit «neuer Verwunderung in den Nachthimmel zu blicken, unseren Platz im Universum zu prüfen und neu darüber nachzudenken, wie wir auf diesem Planeten zusammenleben.» Und wenn Kunst auf der Erde keinem Zweck dienen muss außer sich selbst, sollte dasselbe nicht auch im Weltraum gelten?

Nutzen für die Menschheit?

Schon Russlands Avantgarde-Künstler Kasimir Malewitsch (1878-1935), von dem Paglen sich inspirieren ließ, träumte von einem «Sputnik» (russisch für Begleiter oder Satellit) zwischen Mond und Erde. Während sich die Raumfahrt zunehmend privatisiert, wandelt sich auch das Verständnis darüber, was ins All gehört und was nicht. Vom einem Nutzen für die Menschheit konnte bei Elon Musks rotem Elektro-Sportwagen, den er im Februar mit seiner Rakete Falcon Heavy in den Weltraum schickte, schließlich auch keine Rede sein.

«Wer entscheidet, was gefährlich und was nützlich ist, was Müll und was Schatz?», fragt Nasa-Stipendiatin Lisa Ruth Rand im Gespräch mit dem «Atlantic». Ein Startverbot der Behörde FCC könnte Künstler auf die Barrikaden treiben, eine Genehmigung als Freifahrtschein für weitere Kunstprojekte dienen. Laut Rand gilt auf der Erde wie im Weltraum: «Des einen Graffiti ist des anderen Street Art.»

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
  • 18.04.2019
    Ab Samstag
    In Kehl startet am Samstag wieder der beliebte Ostermarkt. Bis zum 28. April warten auf Besucher dort zahlreiche Attraktionen und ein vielfältiges Programm.
  • 17.04.2019
    500 Quadratmeter Fläche
    Der Obi Markt in Offenburg hat seine neue 500 Quadratmeter große »BBQ & Grillwelt« eröffnet – und ist damit die Top-Adresse für Grill-Fans. Kunden erwartet ein konkurrenzlos großes Angebot an Grills und Zubehör von Top-Marken. In den kommenden Wochen gibt es dazu ein sehenswertes Showprogramm.
  • 08.04.2019
    Was ist wichtig bei der Planung der perfekten Traumküche? Hier sind die 10 wichtigsten Fragen und Antworten!
  • 01.04.2019
    Lahr
    Wer auf der Suche nach einem Suzuki-Neuwagen oder einem Gebrauchten ist und gleichzeitig eine vertrauensvolle, persönliche Beratung möchte, dem kann geholfen werden: Das Suzuki-Autohaus Baral in Lahr ist genau die richtige Adresse für jegliches Anliegen rund um Suzuki. 

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kultur

Verena Lafferentz-Wagner und der damalige Festspielleiter Wolfgang Wagner 2008 in bayreuth.
vor 13 Stunden
Bayreuth/Überlingen
Sie war die letzte Enkelin des Komponisten Richard Wagner (1813-1883): Nun ist Verena Lafferentz-Wagner am vergangenen Freitag im Alter von 98 Jahren in Nußdorf, einem Ortsteil von Überlingen am Bodensee, gestorben. Das teilte das Präsidiumsmitglied im Richard-Wagner-Verband International, Rainer...
Cervantes-Preisträgerin Ida Vitale (m) mit König Felipe und Königin Letizia von Spanien nach einer Zeremonie.
vor 14 Stunden
Madrid
Die uruguayische Dichterin Ida Vitale (95) hat den Premio Cervantes, die bedeutendste Literaturauszeichnung der spanischsprachigen Welt, in Empfang genommen.
Blick in die Ausstellung «Mantegna und Bellini. Meister der Renaissance».
vor 16 Stunden
Berlin
Zwei Legenden der Renaissance locken weiter kräftig Besucher: Die Ausstellung «Mantegna und Bellini. Meister der Renaissance» in Berlin erfreut sich anhaltend großer Nachfrage.
Inga Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) wagen einen Tandem-Fallschirmsprung.
vor 21 Stunden
Berlin
Mit der stärksten Einschaltquote am Montagabend hat sich das Bremer «Tatort»-Duo Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) aus der ARD-Reihe verabschiedet. Den letzten Fall «Wo ist nur mein Schatz geblieben?» verfolgten im Ersten durchschnittlich 8,56 Millionen Zuschauer - das war...
Die Stadt Emden will ihren Ehrenbürger Otto mit speziellen Ampeln würdigen. Fotocredit: Otto Waalkes/
vor 21 Stunden
Emden
Der wahrscheinlich bekannteste Ostfriese der Welt bekommt vielleicht bald eine eigene Ampel. Die Stadt Emden will ihren Ehrenbürger Otto Waalkes mit speziellen Lichtzeichenanlagen würdigen. Als Motive für Rotlicht- und Grünlichtphasen sind die berühmten Rüsseltiere («Ottifanten») des Komikers und...
Alt-Großherzog Jean von Luxemburg starb im Alter von 98 Jahren im Kreise seiner Familie. (Archivbild von 2006).
vor 21 Stunden
Luxemburg
Im Kreis des Hochadels war sein Platz immer in der ersten Reihe: Auf Tuchfühlung und Augenhöhe mit den anderen Königinnen und Königen Europas, vor allem aber mit der englischen Monarchin. Altgroßherzog Jean von Luxemburg, von 1964 bis zur Abdankung im Jahr 2000 Staatschef, war als Mitglied des...
»Der Freischütz« weit weg von pittoreskem Brauchtum: Das Volk trägt Militär-Overalls,
vor 23 Stunden
Rheinoper in Straßburg
Bei Jossi Wieler und Sergio Morabito ist »Der Freischütz« keine romantische Oper. Ihre modernisierte und nicht minder kontroverse Neuauflage von Carl Maria von Webers National-Epos feierte am Mittwoch in der Straßburger Rheinoper eine insgesamt umjubelte Premiere.  
Antwortschreiben von Hanni Hase an Kinder aus aller Welt.
20.04.2019
Ostereistedt/Zeven
Der Osterhase hatte viel zu tun: 40.560 Kinder aus aller Welt haben in diesem Jahr an seine Adresse im niedersächsischen Ostereistedt geschrieben und Antwort bekommen.
Bunt, schrill und mitreißend: eine Szene aus dem Musical »Falco«.
19.04.2019
Musical in Offenburg
»Unsterblich bin ich erst, wenn ich tot bin«. So wird der ikonische Star Falco gern zitiert. In seinen Liedern lebt er jedenfalls weiter. Die Musical-Fans tauchten am Mittwoch in der Oberrheinhalle tief in die bunten und schrillen 1980er-Jahre ein.    
Das Eichhörnchen Fridolin mit Watte im Maul.
18.04.2019
Berlin
Sie heißen Koala, Fridolin und Frédéric, haben buschige Schwänzchen und Kulleraugen und sind mittlerweile kleine Internetstars: Der Berliner Frank Wilde hat Eichhörnchen, die ihn regelmäßig auf seiner Dachterrasse besuchen, auf seinem Facebook-Account berühmt gemacht.
Pedro Almodóvar ist im Wettbewerb vertreten.
18.04.2019
Paris
Mit Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, Ken Loach, den Dardenne-Brüdern und Terrence Malick schickt das Filmfestival von Cannes große Namen in das Rennen um die Goldene Palme.
Die Mitwirkenden des Offenburger Passionsspiels im Jahr 1911 auf der Bühne des Saalbaus »Union«.
18.04.2019
Vor über 100 Jahren Passionsspiele in Offenburg
Oberammergau ist berühmt für seine Passionsspiele. Auch in Ötigheim spielt das ganze Dorf mit, wenn das Leiden und die Auferstehung Jesu Christi auf den Spielplan der Freilichtbühne steht. In Offenburg setzte vor mehr als 100 Jahren der katholische Gesellenverein die Passion in Szene.