Baden-Württemberg

Sind Lehrer fit genug für den digitalen Unterricht?

Autor: 
dpa
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06. Dezember 2018
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Ein Schüler lernt mit einem Tablet-PC. ©dpa

Mal angenommen, die fehlenden Computer in den Schulen seien angeschafft – wer weiß dann eigentlich, wie man sie sinnvoll im Unterricht einsetzt? Viel zu wenig Lehrkräfte, meinen Gewerkschaft, Wissenschaft – und zuletzt die Schüler selbst.

Die Lehrer im Südwesten müssen aus Sicht von Experten und Schülern besser auf den Einsatz digitaler Medien im Unterricht vorbereitet werden. «Es gibt nur wenig Angebote für Lehrkräfte, sich aus- und fortzubilden», sagte Andreas Lachner, Junior-Professor für Lehren und Lernen mit digitalen Medien an der Universität Tübingen der Deutschen Presse-Agentur. Er verwies auf eine Studie, nach der nur ein Drittel der Lehrer regelmäßig neue Medien im Unterricht einsetze. Er forderte ebenso wie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Landesschülerbeirat mehr Qualifizierung in Sachen Digitalisierung. «Es muss insgesamt was passieren - sei es aus den Mitteln des Bundes oder des Landes», betonte Lachner.

Die Länder hatten am Mittwoch eine Grundgesetzänderung zunächst gestoppt. Unter anderem für die Digitalisierung der Schulen aus Bundesmitteln streben die Länder ein Vermittlungsverfahren an.

Schulen brauchen zügig die neue Ausstattung

Der Bund muss aus Sicht von Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) auch ohne Grundgesetzänderung rasch die fünf Milliarden Euro für die Digitalisierung der Schulen herausgeben. Die Investitionen seien wichtig, um in den Ländern die Grundlagen für eine bessere Ausbildung im digitalen Zeitalter zu schaffen, sagte Eisenmann der Deutschen Presse-Agentur. «Der Bund hat uns in die Lage gebracht, in der wir jetzt sind», sagte die CDU-Politikerin vor der Kultusministerkonferenz am Donnerstag in Berlin. Eine dort zunächst geplante Bund-Länder-Vereinbarung zum Digitalpakt werde nicht unterzeichnet.

Die Ministerin sprach von einem Erfolg für das föderale System in Deutschland, dass die Ministerpräsidenten am Mittwoch geschlossen gegen eine Verfassungsänderung gestimmt hätten. «Der Bund hat die Grundgesetzänderung angestrebt, weil er nicht nur Geld geben und Technologien fördern will, sondern weil er in die Bildungshoheit der Länder eingreifen will», sagte Eisenmann. Wichtig sei, dass jetzt schnelles Internet samt technischer Ausstattung an die Schulen komme.

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Eisenmann wies Vorwürfe von Bundespolitikern zurück, dass die Länder mit ihrem Widerstand gegen die Verfassungsänderung den Geldfluss für die Schulen verhindern würden. «Das ist Unsinn», sagte sie. Der Bund hätte nach ihrer Darstellung bereits vor zwei Jahren die angekündigten fünf Milliarden über den Artikel 91C des Grundgesetzes – zur Finanzierung der technischen Infrastruktur – auszahlen können. Stattdessen sei das Verfahren zuletzt «verkompliziert und verlängert» worden.

Wohin fließt das Geld?

Besonders kritisch findet Eisenmann, dass der Bund auch über das Personal an den Schulen habe entscheiden wollen. Die Personalpolitik an den Schulen ist Ländersache. Dagegen forderte GEW-Landeschefin Doro Moritz eine Grundgesetzänderung. «Wenn Herr Kretschmann mehr Geld will, das an keine Bedingungen geknüpft ist, dann ist nicht sichergestellt, dass es wirklich in die Bildung fließt.» Unterstützung des Bundes sei auch bei den beiden anderen Großprojekten Ganztagsbetreuung und Integration behinderter Kinder an den Regel-Schulen unverzichtbar. «Es ist richtig, dass eine Grundgesetzänderung kommt.»

Um den Digitalpakt umzusetzen, müssen nach Meinung von Moritz die Lehrer erst fit gemacht werden. Im kommenden Jahr werde erstmals eine Weiterbildung dazu angeboten - allerdings nur für Fortgeschrittene. Ein Konzept habe das Kultusministerium viel zu spät entwickelt; dabei sei der Digitalpakt schon vor Jahren angekündigt worden. Das Wissen soll über 120 Fortbilder, die ihr Können an 1200 Lehrkräfte weitgeben, bis an die Basis vordringen - aus Sicht von Moritz eine «Schmalspurfortbildung». Zudem müsse sichergestellt werden, dass an Geräten geübt werden könne. «Trockenschwimmen nützt da nichts.»

Wissenschaftler Lachner in Tübingen erläuterte, Schwerpunkt einer Aus- oder Fortbildung müsse sein, wie Lehrer neue Medien optimal einsetzen können. Die Lehrer müssten dies fachübergreifend und fachspezifisch vom Studium an lernen. Auch die Schüler wünschen sich kompetente Lehrer. Der Vorsitzende des Schülerbeirates, Leandro Karst, meinte: «Wir Schüler erklären oft den Lehrern, wie die Medien eingesetzt werden - das sollte nicht so sein.»

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