Berlin

Spahn für offene Arzt-Sprechstunden ohne Termin

Autor: 
dpa
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
20. Juli 2018
Sprechstunden für Patienten ohne Termin? - Die Kassenärztliche Bundesvereinigung befürchtet, dass Patienten während offener Sprechstunden stundenlang im Wartezimmer ausharren müssten.

Sprechstunden für Patienten ohne Termin? - Die Kassenärztliche Bundesvereinigung befürchtet, dass Patienten während offener Sprechstunden stundenlang im Wartezimmer ausharren müssten. ©dpa - Sina Schuldt/Symbol

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat Ärzten mehr Geld für zusätzliche Sprechstunden ohne Terminvergabe in Aussicht gestellt.

«Ärzte, die uns dabei helfen, die Versorgung zu verbessern, sollen höher und außerhalb des Budgets vergütet werden», kündigte Spahn im «Deutschen Ärzteblatt» an. Das Zusatzgeld solle gezahlt werden, wenn etwa Hausärzte, Kinderärzte oder Gynäkologen pro Woche fünf offene Sprechstunden für Patienten ohne Termin anbieten. Ärzte und Krankenkassen lehnten den Vorstoß ab.

Patienten könnten zu diesen Zeiten schnell etwas abklären lassen. «Das wirkt wie ein Überlaufventil bei zu langen Terminwartezeiten», sagte Spahn. Geplant seien Grundpauschalen für offene Sprechstunden, aber auch höhere Vergütungen für Ärzte, die Termine über die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen annehmen.

Stundenlange Wartezeiten befürchtet

Kassen und Ärzteschaft sollten verhandeln, für welche Arztgruppen unter welchen Bedingungen das gelten solle. «Ich weiß, dass viele Ärzte diese Anforderungen schon übererfüllen. Aber durch klarere Vorgaben schützen wir genau diese große Mehrheit der Ärzte, die teilweise bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit arbeitet, vor einer Minderheit, die ihren Versorgungsauftrag nicht voll ausfüllt.»

- Anzeige -

Spahn kündigte an, bald einen geplanten Gesetzentwurf zur Verbesserung der Patientenversorgung vorzulegen. Geplant ist, die Terminservicestellen auszubauen und die Mindestzahl der Sprechstunden für gesetzlich Versicherte von 20 auf 25 pro Woche zu erhöhen.

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, wies Spahns Vorstoß als «Mogelpackung» zurück. Chaos und längere Wartezeiten in den Praxen würden die Folgen sein. «Das ärztliche und nichtärztliche Personal in den Praxen wird immer knapper, und die Terminvergabe, auf die vor Jahren nicht zuletzt auch die Politik gepocht hatte, hat sich grundsätzlich bewährt.» Die KBV meint, dass Patienten, die schnelle Hilfe bräuchten, während offener Sprechstunden stundenlang im Wartezimmer ausharren müssten.

Schritt in die richtige Richtung

Der Deutsche Hausärzteverband lobte Spahns Ankündigung als Schritt in die richtige Richtung. «Was wir klar ablehnen würden, wären verpflichtende Regelungen, die den Ärztinnen und Ärzten vorschreiben, wie sie konkret ihren Praxisalltag zu organisieren haben», kündigte der Vorsitzende Ulrich Weigeldt aber an. Dem NAV-Virchow-Bund, einem Verband der niedergelassenen Ärzte, reichen Spahns Ankündigungen nicht aus. Er forderte, alle Grundleistungen der Ärzte von den heutigen Bezahlobergrenzen zu befreien, nicht nur offene Sprechstunden und über die Servicestellen vermittelte Patienten.

Der Kassen-Spitzenverband lobte, «dass die Bundesregierung die Mindestsprechzeiten erhöhen, offene Sprechzeiten verpflichtend einführen und die Terminservicestellen ausbauen möchte». Zusätzliche Gelder für Ärzte, die Patienten über die Servicestellen annehmen, dürften den Beitragszahlern aber nicht zusätzlich in Rechnung gestellt werden, sagte der Vizechef des Verbands, Johann-Magnus von Stackelberg. Die gesetzliche Krankenversicherung zahle im Schnitt pro Jahr über 380.000 Euro Honorar an jede Arztpraxis. Wenn ein kleiner Teil der Ärzte nicht genug Termine anbiete, sei das ein innerärztliches Verteilungsproblem. Die Kassen lehnten weitere Zuschläge dafür ab, dass die Ärzte in ihrer Gesamtheit die Aufgaben bei Sprechzeiten und Terminvergabe nicht länger vernachlässigen.

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
  • vor 42 Minuten
    Ärger um Oppenauer Großbaustelle
    Die Kritik von Geschäftsleuten an den Bauarbeiten in der Straßburger Straße hat Hans Kimmig (UWO) am Montag in den Oppenauer Gemeinderat getragen. Die Verwaltung ließ das nicht auf sich sitzen.
  • 21.03.2019
    In Friesenheim-Oberschopfheim
    Klasse statt Masse und Lebensmittel aus der Region – dieser Lebensstil ist nicht erst seit gestern immer mehr Menschen wichtig. Doch für viele ist es schwierig, diese Produkte vor Ort zu finden. Abhilfe schaffen hier kleinere Lebensmittelläden, wie „Xaver‘s Landmarkt“ in Oberschopfheim. Das Angebot...
  • 20.03.2019
    Eröffnung am 30. März
    Beim Grillen wird es jetzt richtig heiß: Der Obi Markt in Offenburg eröffnet am Samstag, 30. März, seine neue 500 Quadratmeter große »BBQ & Grillwelt« – und macht sich zur Top-Adresse für Grill-Fans. Kunden erwartet ein konkurrenzlos großes Angebot an Grills und Zubehör von Top-Marken. Zur...
  • 19.03.2019
    Kehl
    Zum 29. Mal können Gäste am Wochenende des 30. und 31. März in der Kehler Innenstadt den Kehler Autopark besuchen. Eingerahmt ist er in ein Frühlingsfest, der Sonntag ist außerdem verkaufsoffen.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

Der algerische Präsident Abdelaziz Bouteflika sitzt seit einem Schlaganfall 2013 im Rollstuhl und hat große Probleme zu sprechen.
vor 10 Stunden
Algier
Algeriens Militärchef hat die Absetzung von Präsident Abdelaziz Bouteflika gefordert. Stabschef Gaid Salah forderte am Dienstag in einer Ansprache die Anwendung von Artikel 102 der algerischen Verfassung.
Auch Whistleblower Edward Snowden reagierte tief enttäuscht auf die Entscheidung des EU-Parlaments.
vor 11 Stunden
Berlin/Straßburg
Das Ja des Europaparlaments zur umstrittenen Reform des Urheberrechts sorgt für empörte Reaktionen, erfährt aber auch viel Lob. Auch der besonders umstrittene Artikel 13 blieb Teil der Richtlinie. Er soll Plattformen wie YouTube beim Schutz der Urheberrechte von Kreativen und Autoren stärker in die...
Plattformen wie Google News sollen für das Anzeigen von Artikel-Ausschnitten in ihren Suchergebnissen künftig Geld an die Verlage zahlen.
vor 12 Stunden
Straßburg
Eigentlich sollte mit einem neuen Urheberrecht alles besser werden. Stattdessen hat die Copyright-Reform auf EU-Ebene für heftigen Streit gesorgt. Am Dienstag stimmte das Europaparlament der Reform ohne Änderungen zu. Das Wichtigste im Überblick.
vor 12 Stunden
Finanzen
Das Land Baden-Württemberg hat im vergangenen Jahr seine Schulden abbauen können, die Gemeinden hingegen kämpfen mit einem höher werdenden Schuldenberg von inzwischen 8,1 Milliarden Euro. Damit bilden die baden-württembergischen Gemeinden eine Ausnahme im Bundestrend.
Angesichtes einer Häufung von Krankheitsfällen in mehreren Regionen hatte die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin kürzlich eine Impfpflicht gefordert.
vor 13 Stunden
Düsseldorf
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich für eine Masern-Impfpflicht in Kitas und Schulen ausgesprochen. «Aus meiner Sicht macht es bei Gemeinschaftseinrichtungen Sinn», sagte Spahn am Dienstag am Rande einer CDU-Landtagsfraktionssitzung in Düsseldorf.
Tim Cook, Vorstandsvorsitzender von Apple, und Oprah Winfrey, Moderatorin aus den USA, begrüßen sich bei der Vorstellung neuer Apple-Produkte auf der Bühne. Apple hat einen eigenen Video-Streamingdienst mit dem Namen «Apple TV Plus» vorgestellt. Foto
vor 13 Stunden
Cupertino
Licht aus, Licht an - und plötzlich steht für ein paar Minuten Steven Spielberg auf der Bühne beim Apple-Event in der Firmenzentrale in Cupertino.
Im Inneren setzt Huawei weitgehend auf die schon vom Mate 30 bekannte Hardware wie den Prozessor Kirin 980 oder einen Fingerabdrucksensor im Display.
vor 13 Stunden
Paris
Huawei hat die mit Spannung erwarteten Smartphones P 30 und P30 Pro vorgestellt. Herzstück des in Paris präsentierten Spitzenmodells P 30 Pro ist die gemeinsam mit Leica entwickelte Vierfach-Kamera.
Uber-Chef Dara Khosrowshahi auf der Innovationskonferenz Digital-Life-Design (DLD). in München 2018.
vor 13 Stunden
San Francisco/Dubai
Der US-Fahrdienstvermittler Uber baut vor seinem erwarteten Börsengang seine Position im Nahen Osten aus. Uber-Chef Dara Khosrowshahi kündigte an, den in Dubai ansässigen Konkurrenten Careem für 3,1 Milliarden Dollar (2,7 Mrd. Euro) zu übernehmen.
Sehr allein: Premierministerin Theresa May sieht sich im britischen Parlament mit Labour-Parteichef Jeremy Corbyn (vorne) konfrontiert.
vor 13 Stunden
München/Wolfsburg
Rund 20 Prozent der deutschen Autoexporte gehen nach Großbritannien.
Der Neunjährige reagierte geistesgegenwärtig, als er sah, dass das Auto Feuer gefangen hatte.
vor 14 Stunden
Nürnberg
Ein neunjähriger Junge hat in Nürnberg seine zweijährige Schwester aus einem brennenden Auto gerettet. Die Geschwister hatten am Dienstagmorgen zunächst alleine im Auto auf ihre Mutter gewartet, die ihr drittes Kind in einem Kindergarten abgab.
vor 15 Stunden
Straßburg
Das Europaparlament hat der umstrittenen Reform des Urheberrechts ohne Änderungen zugestimmt und damit den Weg für eine baldige Umsetzung geebnet. Auch der besonders kontrovers diskutierte Artikel, der Plattformen wie Youtube stärker in die Pflicht nimmt, fand am Dienstag in Straßburg eine Mehrheit...
vor 15 Stunden
Nachrichten
Im Frühling plötzlich dunklere Vormittage, im Herbst mit einem Mal kürzere Abende: Die Umstellung zwischen Winter- und Sommerzeit hat in Europa viele Gegner. Das EU-Parlament hat das Ende der Zeitumstellung jetzt einen entscheidenden Schritt näher rücken lassen.