Siegen

Teenager gesteht: 16-Jährigen in der Nähe der Schule erwürgt

Autor: 
dpa
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
18. April 2019
Die Skulptur eines gebrochenen Herzens vor dem Schulzentrum im sauerländischen Wenden: In der Nähe hatte ein 14-Jähriger seinen zwei Jahre älteren Mitschüler erwürgt.

Die Skulptur eines gebrochenen Herzens vor dem Schulzentrum im sauerländischen Wenden: In der Nähe hatte ein 14-Jähriger seinen zwei Jahre älteren Mitschüler erwürgt. ©dpa - Caroline Seidel

Während die Schulkinder der Kleinstadt Wenden in der zweiten Stunde dem Unterricht folgen, spielt sich ganz in ihrer Nähe ein grausiges Drama ab. In dem Waldstück direkt neben der Schule soll ein 14-Jähriger seinen zwei Jahre älteren Mitschüler mit bloßen Händen erwürgt haben.

Weil der Ältere seine Liebe nicht erwiderte, keine Beziehung zu ihm wollte, seine Annäherungen zurückwies. Der verstörende Fall hat im Oktober 2018 bundesweit Entsetzen ausgelöst. Am Donnerstag begann nun der Totschlagsprozess am Landgericht von Siegen (Nordrhein-Westfalen) - mit einem Geständnis des Angeklagten. Ihm drohen zehn Jahre Gefängnis.

Sein Mandant habe schon zuvor zugegeben, für den Tod des 16-Jährigen verantwortlich zu sein, sagte sein Verteidiger Martin Kretschmer vor Journalisten. «Das ist heute so geblieben.» Das ungewöhnliche Verfahren startete unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Opfer habe die Gefühle des Angeklagten nicht erwidert

Zunächst wurde die Anklage verlesen. Dem zufolge sollen der damals 14-jährige Angeklagte und sein späteres Opfer am 30. Oktober die zweite Stunde geschwänzt und sich zu einer Aussprache im Waldstück getroffen haben. Der Jüngere war von kräftiger Statur und körperlich überlegen. Der Ältere wird beschrieben als eher schmächtig und noch wie ein jüngeres Kind.

Der Angeklagte hatte den Vorwürfen zufolge schon mit 13 Jahren seine homosexuelle Neigung offenbart. Er sei verliebt gewesen in den Älteren. Die beiden waren trotz des Altersunterschieds in einer Jahrgangsstufe, besuchten einige AGs zusammen. Am Tag der Tat habe der 14-Jährige auf Sex gehofft. Der 16-Jährige erwiderte die Gefühle des Jüngeren aber nicht, es kam zum Streit. Der Jüngere reagierte mit Gewalt auf die Zurückweisung. Er würgte seinen Mitschüler laut Anklage, «bis Blut aus Mund und Nase austrat», das Gesicht des Jugendlichen lief blau an.

- Anzeige -

Anschließend schleppte der 14-Jährige demnach die Leiche zu einem anderen schulnahen Waldstück. Dort fand ihn ein Feuerwehrmann am Abend des nächsten Tages bei einer Suchaktion. Der Vater des Opfers hatte seinen Sohn vermisst gemeldet. Der 14-Jährige war zunächst als Zeuge befragt worden, verstrickte sich dann in Widersprüche. Mitschülern war dessen verdreckte und durchnässte Kleidung aufgefallen. Der Teenager sitzt in Untersuchungshaft.  

Sehr junger Angeklagter

Am ersten Verhandlungstag äußerte sich der inzwischen 15-jährige Deutsche auf der Anklagebank nicht. Sein Verteidiger verlas eine Erklärung, die sein Mandant aber selber formuliert habe. Der junge Mann sei «einigermaßen gefasst» vor die Vorsitzende Richterin Sabine Metz-Horst getreten.

Kretschmer beschrieb ihn als «einen sehr, sehr jungen Angeklagten, der sich jetzt einem gewaltigen Justizapparat gegenübersieht». Er müsse «die Tat und alles, was damit in Zusammenhang steht», nach knapp sechs Monaten erst noch verarbeiten. «Das ist sehr schwer für ihn und sicherlich für die anderen Verfahrensbeteiligten auch.» Die Eltern des Opfers sind Nebenkläger, sie kamen am Donnerstag nicht nach Siegen. Ihr Anwalt machte zu Prozessbeginn keine Angaben. 

Konnte der Teenager das Unrecht einer solchen Tat einsehen? Ein von der Staatsanwaltschaft angefordertes Gutachten sagt: Ja. Es handele sich um einen Jugendlichen «mit Verantwortungsreife». Auch das Gericht hat zu der Frage einen Gutachter bestellt, wie Sprecher Sebastian Merk sagte. Außerdem seien rund 30 Zeugen vorgesehen, darunter auch die Eltern des Opfers, Schüler, Lehrer. Ob es erforderlich sei, alle Zeugen tatsächlich zu befragen, sei offen, meinte Kretschmer mit Blick auf das Geständnis seines Mandanten.

Dem Angeklagten droht eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren. Nach weiteren vier Verhandlungstagen soll das Urteil schon am 11. Juni fallen. 

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
  • 13.05.2019
    »Schöne Zeit« – der zeitlose Weingenuss
    Fruchtig, farbenfroh und voller Lebensfreude – so zeigt sich der neue »Schöne Zeit«-Weißwein der Durbacher WG. Der Name ist Programm und steht für zeitlosen Genuss für jedes Alter – aus dem Herzen des Durbachtals.
  • 09.05.2019
    Experten von Steinhof Fitness in Oberkirch beraten
    80 Prozent der Deutschen haben Rückenschmerzen - viele sogar chronisch. Ursache dafür ist in den allermeisten Fällen eine mangelnde oder falsche Bewegung. Die Experten von Steinhof Fitness in Oberkirch zeigen, wie Rückenschmerzen künftig der Vergangenheit angehören können - und beraten kostenlos.
  • 07.05.2019
    Mitgliederversammlung
    Es war eine geheime Abstimmung beim SV Berghaupten. Doch danach stand fest: Die Führungsmannschaft bleibt bis 2021 im Amt. Robert Harter wurde erneut die SVB-Präsidentenwürde zuteil.  
  • 01.05.2019
    Relaxen und Genießen im Renchtal
    Das neugestaltete Ringhotel Sonnenhof in Lautenbach im Renchtal begrüßt seine Gäste mit einer einzigartigen Kulisse am Fuße des Schwarzwaldes. Ob im Restaurant, bei den Spa-Angeboten, für Tagungen oder Hochzeiten – der Sonnenhof ist die ideale Adresse zum Relaxen und Genießen.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

Die Partei Volt Deutschland hat erreicht, dass der Wahl-O-Mat zur Europawahl vorerst auf Eis gelegt werden muss.
vor 3 Stunden
Köln/Berlin
Nach der erfolgreichen Klage gegen den sogenannten Wahl-O-Maten hofft die Partei «Volt», dass das Internetangebot in überarbeiteter Form bald wieder ans Netz geht.
Nationales IT-Lagezentrum des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).
vor 3 Stunden
Bonn
Bislang hat es in Deutschland zur Europawahl keine nennenswerten Cyber-Angriffe oder illegalen, digitalen Beeinflussungsversuche gegeben.
Der Fernbus war von der mittleren Fahrspur nach rechts abgekommen und an der Böschung auf die Seite gekippt.
vor 4 Stunden
Leipzig
Nach dem schweren Busunglück auf der Autobahn 9 bei Leipzig ermittelt die Staatsanwaltschaft Leipzig gegen den 59 Jahre alten Busfahrer. Ihm werden fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.
Die Treue zur eigenen Hausbank bröckelt im Zuge der Digitalisierung.
vor 6 Stunden
Berlin
Die Treue zur eigenen Hausbank bröckelt im Zuge der Digitalisierung laut einer aktuellen Studie - und das dürfte für viele Geldinstitute zu einem verschärften Wettbewerb führen.
Damit muss endlich Schluss sein: 2,8 Milliarden Einweg-Becher vor allem für Kaffee verbrauchen die Deutschen im Jahr.
vor 6 Stunden
Berlin
Kaffee kaufen, unterwegs trinken und Becher wegwerfen: 2,8 Milliarden Einweg-Becher vor allem für Kaffee verbrauchen die Deutschen im Jahr. Die Deutsche Umwelthilfe fordert deswegen ein bundesweites Pfandsystem für Mehrwegbecher, an denen sich auch die großen Kaffeeketten beteiligen.
Fahrt auf einem unu Elektroroller in Berlin. Die E-Roller gehen nun ins Netz.
vor 7 Stunden
Berlin
Die E-Roller des Berliner Anbieters Unu gehen ins Netz: Mit Hilfe einer fest verbauten Sim-Karte lassen sich die neusten Modelle des Start-ups künftig über eine Smartphone-App mit Freunden und Familienangehörigen teilen.
Airlines, die ihre Check-In-Zeit sehr knapp bemessen, tragen mit zum Gedränge bei den Sicherheitskontrollen bei.
vor 7 Stunden
Berlin/Frankfurt
Das Bundesinnenministerium hat Flughafenbetreiber und Luftfahrtunternehmen vor Beginn der Hauptferienzeit davor gewarnt, die Schuld für Verspätungen und Engpässe der Bundespolizei zuzuschieben.
Ärzte werden ihre Diagnosen künftig mit neuen Codes diagnostiziren - für krankhaftes Video- oder Online-Spielen ist es «6C51». Bild: Oliver Berg/Symbolbild
vor 8 Stunden
Genf
WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus hat die Anstrengungen mehrerer Länder gelobt, der Bevölkerung eine bezahlbare Gesundheitsversorgung zu ermöglichen.
Trump kritisierte die Entscheidung des Gerichts und kündigte an, dagegen Berufung einzulegen.
vor 8 Stunden
Washington
Im Streit über die Offenlegung seiner Finanzunterlagen hat US-Präsident Donald Trump eine Niederlage einstecken müssen. Trump hatte sich vor Gericht gegen den Versuch der Demokraten im Kongress gewehrt, über eine Buchhaltungsfirma Einsicht in dessen Finanzen zu bekommen.
Aus Sicht der Experten muss das Bildungssystem künftig flexibler auf die regionalen Bedingungen und die Bedürfnisse vor Ort zu reagieren.
vor 9 Stunden
München
Der Aktionsrat Bildung sieht keine großen Bildungsunterschiede zwischen Stadt und Land in Deutschland. «Vielmehr geht der Trend hin zu eher quartiersbezogenen Unterschiedlichkeiten», heißt es in einem Gutachten.
Kurz vor der Europawahl haben die Bundestagsparteien in einem TV-Schlagabtausch noch einmal ihre Konzepte präsentiert.
vor 10 Stunden
Berlin
In scharfer Abgrenzung gegen Rechtspopulisten sind sich die größeren deutschen Parteien kurz vor der Europawahl einig - bis auf die AfD. Ansonsten betonen die Vorsitzenden von CDU, CSU, SPD, AfD, FDP, Grünen und Linken im Schlussspurt des Wahlkampfs viele Unterschiede.
Gewitter und heftige Regenfälle Einsatzkräfte vielerorts in Deutschland in Alarmbereitschaft versetzt.
vor 10 Stunden
Offenbach
Tief «Axel» hat am Montagabend und in der Nacht zu Dienstag in mehreren Bundesländern für heftige Regenfälle gesorgt. In Hessen und Nordrhein-Westfalen seien in sechs Stunden teilweise bis zu 50 Liter Regen gefallen.