Garching

Teleskop eRosita auf dem Weg ins All

Autor: 
dpa
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
14. Juni 2019
Das Röntgenteleskop eRosita besteht aus sieben identischen Spiegelmodulen mit je 54 Spiegelschalen.

Das Röntgenteleskop eRosita besteht aus sieben identischen Spiegelmodulen mit je 54 Spiegelschalen. ©dpa - Peter Friedrich/MPE

Mit Röntgenstrahlen den Kräften des Urknalls auf der Spur: Das deutsche Teleskop eRosita soll Forschern einen neuen erhellenden Blick auf die Dunkle Energie des Universums ermöglichen. Am Ende soll eRosita eine Himmelskarte liefern, die das Universum und seine Entwicklung in bisher unerreichter Qualität abbildet.

Am 21.6. soll eine russische Rakete das Teleskop als Teil des Weltraumobservatoriums Spektrum-RG vom Weltraumbahnhof Baikonur ins All bringen. Forscher sprechen vom größten bilateralen russisch-deutschen Raumfahrtprojekt.

Die Hoffnungen sind groß. «Ich will nicht sagen, dass wir das Rätsel um diese Dunkle Energie lösen werden, aber wir sind ihr zumindest auf der Spur», sagt Peter Predehl, wissenschaftlicher Leiter von eRosita beim Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching bei München. «Das Teleskop bietet ein riesiges Potenzial.»

Das All sichtbar machen 

Über Röntgenstrahlung soll eRosita (extended Roentgen Survey with an Imaging Telescope Array), gebaut unter Federführung des Garchinger Instituts mit Beteiligung weiterer Einrichtungen in Deutschland und Russland, die Entwicklung des Alls und seine Strukturen sichtbar machen. Weil Licht von fernen Galaxien lange unterwegs ist, kann das Teleskop bis zu sechs Milliarden Jahre zurückblicken. «Wir können in die Vergangenheit gucken und wir können sehen: Wie sah das Universum damals aus, wie sieht es heute aus», sagt Predehl.

Der Schlüssel sind Galaxienhaufen, Ansammlungen von Tausenden Einzelgalaxien, die durch Schwerkraft aneinander gebunden sind. «Galaxienhaufen bilden eine großräumige Struktur, die einem kosmischen Netz ähnelt», sagt Predehl. Die Verteilung der Galaxienhaufen zeigt, wie sich das Universum seit dem Urknall ausdehnt. Das wird maßgeblich bestimmt durch die Dunkle Energie, die weiter unsichtbar bleibt. Für eRosita werden die Kräfte durch 100 Millionen Grad heißes Gas in den Galaxienhaufen erfassbar: Die Temperatur ist so hoch, dass das Gas Röntgenstrahlung aussendet, die eRosita aufnimmt.

100.000 Galaxienhaufen identifizieren

- Anzeige -

«Je heißer die Objekte, desto hochenergetischer strahlen sie auch», sagt Thomas Mernik, Projektleiter beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das die Verträge mit der russischen Weltraumorganisation Roskosmos abschloss und eRosita zusammen mit dem MPI finanzierte. Das Teleskop wird nicht in erster Linie einzelne Galaxienhaufen beobachten. «Wir tasten den gesamten Himmel komplett ab und werden auf dieser Datengrundlage eine Himmelskarte erstellen können», sagt Mernik. Die Dynamik der Galaxienhaufen gestatte Rückschlüsse auf die Dynamik des Universums im Ganzen. «Dies wird helfen, die Natur der Dunklen Energie besser verstehen zu können.»

Etwa 100.000 Galaxienhaufen soll eRosita binnen vier Jahren identifizieren und ihre Verteilung im Universum bestimmen. Damit knüpft eRosita an die Forschung des deutschen Satelliten Rosat an, der acht Jahre Daten aus dem All lieferte und 2011 ausgedient im Indischen Ozeans versank. Rosat hatte unter anderem mehr als 150 000 neue kosmische Röntgenquellen gefunden. Mit neuer Technik ist eRosita zwanzigmal empfindlicher als Rosat. Sieben Spiegelsysteme bilden die Optik. Im Brennpunkt jedes Spiegelsystems sitzt eine hochempfindliche, eigens für die Mission entwickelte Kamera.

Dunkle Materie 

US-Forscher hatten 1948 die Röntgenastronomie begründet, als sie die Röntgenstrahlung der Sonne bei einem Höhenflug einer erbeuteten deutschen V2-Rakete entdeckten. Zuvor war die Röntgenstrahlung außerhalb der Atmosphäre unbekannt. Denn die Lufthülle der Erde hält die Strahlen ab. Observatorien wie Spektrum-RG, das neben eRosita das russische Teleskop ART-XC trägt, werden deshalb auf Satelliten stationiert. ART-XC und eRosita messen in unterschiedlichen Energiebereichen und werden bei der Beobachtung von Galaxienhaufen teils zusammenwirken.

Nach dem Start von Baikonur werden die Forscher zunächst die Instrumente prüfen. Nach drei Monaten wird eRosita den Zielbereich in etwa 1,5 Millionen Kilometern Entfernung von der Erde erreichen. «Erste Ergebnisse sind vielleicht Anfang September zu erwarten», sagt Predehl.

Auch eRosita wird Dunkle Energie und Dunkle Materie, die zusammen 95 Prozent des Weltalls ausmachen, nicht direkt zeigen können, sondern nur die Wirkung ihrer Kräfte. Der größte Teil des Universums bleibt ein Mysterium. Predehl: «Dunkel heißt hier: Wir wissen es nicht.»

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

vor 57 Minuten
Großbritannien
Der nächste britische Premierminister heißt Boris Johnson. Der ehemalige Brexit-Wortführer hat einen harten Kurs in Sachen EU-Austritt eingeschlagen. Einen No Deal will er in Kauf nehmen.
2018 flogen laut Statistischem Bundesamt 23,5 Millionen Passagiere im Inland.
vor 2 Stunden
Berlin
Die Grünen wollen das Bahnfahren in den nächsten 15 Jahren so attraktiv machen, dass sich Inlandsflüge nicht mehr lohnen. «Bis 2035 wollen wir Inlandsflüge weitestgehend obsolet machen», heißt es in einem Autorenpapier aus der Grünen-Bundestagsfraktion, das der «Süddeutschen Zeitung» vorliegt.
Der AfD-VorsitzendeJörg Meuthen sieht die Probleme um den rechtsnationalen Flügel der Partei vorerst gelöst.
vor 3 Stunden
Berlin
Der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen schätzt, dass knapp jedes fünfte Mitglied seiner Partei dem rechtsnationalen «Flügel» von Björn Höcke zugerechnet werden kann.
Der CSU-Chef Markus Söder knüpft seine Zustimmung für einen CO2-Preis an konkreten finanzielle Entlastungen für Unternehmen und Bürger.
vor 3 Stunden
München/Berlin
Der CSU-Vorsitzende Markus Söder hat seine Zustimmung für einen CO2-Preis an konkreten finanzielle Entlastungen für Unternehmen und Bürger geknüpft.
Das Innenministerium hat im ersten Halbjahr 78,7 Millionen Euro in externe Berater investiert.
vor 3 Stunden
Berlin
Die Bundesregierung hat im ersten Halbjahr mindestens 178 Millionen Euro für externe Berater ausgegeben. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Finanzministeriums in den 14 Ressorts, die auf Anfrage des Linken-Abgeordneten Matthias Höhn durchgeführt wurde.
Das Foto zeigt den britischen Öltanker «Stena Impero» in der Straße von Hormus, der von Schnellbooten der iranischen Revolutionsgarden umkreist wird.
vor 3 Stunden
London/Teheran/Washington
Großbritannien hat nach der Festsetzung eines britischen Tankers durch den Iran in der Straße von Hormus eine europäische Seeschutzmission in der Region angeregt.
Ein südkoreanischer F-15K-Jet hebt von einer Militärbasis ab (Archiv). Ein schwerer Zwischenfall hat die Streitkräfte des Landes alamiert.
vor 3 Stunden
Seoul
Südkoreanische Kampfjets haben Behördenangaben zufolge Warnschüsse gegen ein russisches Militärflugzeug im Luftraum des ostasiatischen Landes abgegeben.
Blick auf Caracas: Venezuela ist von einem massiven Stromausfall betroffen.
vor 3 Stunden
Caracas
Erneut sind in Venezuela die Lichter ausgegangen. Von einem massiven Stromausfall ab Montagnachmittag (Ortszeit) waren nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Netblocks alle Bundesstaaten des südamerikanischen Krisenlandes betroffen.
Zahlreiche Menschen in der Hauptstadt San Juan protestieren gegen den Gouverneur Rossello.
vor 4 Stunden
San Juan
Am elften Tag der Proteste gegen die Regierung von Puerto Rico und Korruption haben Zehntausende Menschen die Hauptstadt San Juan lahmgelegt. Die Demonstranten in dem US-Außengebiet blockierten am Montag eine Autobahn, zahlreiche Geschäfte und Büros blieben geschlossen.
Ein Kamerafahrzeug von Apple macht Aufnahmen für den Kartendienst Look Around.
vor 4 Stunden
München
Apple wird am kommenden Montag erstmals seine Kamera-Autos auch auf Straßen deutscher Städte schicken. Gut 80 Fahrzeuge sollen bis Mitte September Aufnahmen für den Kartendienst des iPhone-Konzerns machen.
Ein Schwimmring liegt in einem Freibad auf einer Liegewiese. Eine Hitzewelle rollt auf Deutschland zu.
vor 4 Stunden
Offenbach
Eine rekordverdächtige Hitzewelle kommt auf Deutschland zu. Nach den neuesten Vorhersagen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) könnten bereits am Mittwoch im Saarland und im Moseltal Temperaturen von 40 Grad erreicht werden.
vor 5 Stunden
Berlin
Gesundheitsminister Jens Spahn will eine Strukturreform für Akutfälle. Die SPD unterstützt die Pläne.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • 17.07.2019
    Große Wiedereröffnung
    Nur einige Meter vom alten Standort entfernt – und doch ist alles neu: Am Donnerstag, 18. Juli, öffnet um 8 Uhr im Lahrer Fachmarktzentrum nicht nur ein neuer, sondern zugleich der jüngste und modernste MediaMarkt Deutschlands seine Türen.
  • Die »Stand-up-Paddle-Boards« sind der Renner des Sommers.
    12.07.2019
    Erhältlich im EMUK Store in Lahr
    Durch einsame Landschaften streifen, sich frei fühlen und die Natur genießen – Camping ist Urlaub der besonderen Art. Doch was sollten Reisende einpacken? Hier sind aktuelle Trends für den Urlaub im Freien – und im Wasser.
  • 11.07.2019
    Edelbrennerei Wurth
    Gin, Whisky, Edelbrände – alles aus der Region, alles aus einer Hand und in höchster Qualität, das verspricht die Edelbrennerei Markus Wurth aus Altenheim. Neben Kooperationen mit heimischen Partnern ist das Familienunternehmen auch im Ausland inzwischen sehr erfolgreich.
  • 10.07.2019
    Offenburg
    Essensstände mit besonderen Leckereien sorgen für Genuss, Musiker und Illumination für Flair: Bei »Genuss im Park« wird der Offenburger Zwingerpark ab Donnerstag, 25. Juli, und bis Samstag, 27. Juli, wieder das stilvolle Ambiente für ein besonderes Fest sein.