Washington

Trump würde schädliche Informationen über Rivalen annehmen

Autor: 
dpa
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
13. Juni 2019
Nur falls er das Gefühl hätte, dass etwas faul sei, würde er das FBI einschalten, sagte Trump in dem Interview.

Nur falls er das Gefühl hätte, dass etwas faul sei, würde er das FBI einschalten, sagte Trump in dem Interview. ©dpa -  Evan Vucci/AP

US-Präsident Donald Trump würde im Wahlkampf durchaus von ausländischen Stellen Informationen annehmen, die seinem Gegner schaden würden.

«Ich glaube, ich würde das annehmen», sagte Trump auf eine entsprechende Frage in einem Interview mit dem US-Fernsehsender ABC, das am Mittwochabend veröffentlicht wurde. «Das ist keine Einmischung.» Es gehe einfach um Informationen. Auf die Frage, ob sein Wahlkampfteam derlei Hinweise - zum Beispiel von Russland oder China - akzeptieren oder lieber die Bundespolizei FBI einschalten sollte, sagte Trump: «Ich glaube, man sollte vielleicht beides machen.» Er betonte aber: «Ich denke, das sollte man sich anhören. Es ist nichts falsch daran, sich das anzuhören.»Trump sagte, dies seien schlicht Nachforschungen über den politischen Gegner - und solche Nachforschungen seien durchaus üblich, auch unter Mitgliedern des Kongresses. «Sie machen das alle», behauptete er.

Nur falls er das Gefühl hätte, dass etwas faul sei, würde er das FBI einschalten, sagte Trump. Zugleich betonte der US-Präsident: «In meinem ganzen Leben habe ich noch nie das FBI angerufen.» Das FBI habe auch gar nicht genug Leute, um sich um solche Dinge zu kümmern.
Auf den Einwand des Interviewers, dass es nach Ansicht der FBI-Leitung keineswegs zulässig sei, kompromittierende Informationen ausländischer Stellen über politische Konkurrenten anzunehmen, erwiderte Trump: «Der FBI-Chef liegt da falsch.»

Das Interview ist im Oval Office aufgenommen. Die Passage zu diesem Thema dauert keine zwei Minuten, aber sie hat durchaus politische Sprengkraft. Trumps Äußerungen kommen nur wenige Tage, bevor er seine Wahlkampagne für die nächste Präsidentschaftswahl 2020 einläuten will. Sie kommen nur wenige Wochen nach der Abschluss der Russland-Untersuchungen von Sonderermittler Robert Mueller. Und überhaupt ist es durchaus beachtlich, dass der Präsident der Vereinigten Staaten im Plauderton darüber spricht, dass er für seine Wiederwahl-Kampagne bei Bedarf auf Schmutz-Informationen aus dem Ausland zurückzugreifen würde, um sich gegenüber einem politischen Rivalen einen Vorteil zu verschaffen.

Sonderermittler Mueller war etwa zwei Jahre lang der Frage nachgegangen, ob das Wahlkampfteam von Trump geheime Absprachen mit Vertretern Russlands traf und ob Trump später, als er schon Präsident war, die Justizermittlungen dazu behinderte. Hintergrund der Ermittlungen war die mutmaßliche Einmischung Moskaus in den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016.

- Anzeige -

Mueller hatte erklärt, er und sein Team hätten eindeutige Bemühungen Russlands nachgewiesen, Einfluss auf den Präsidentschaftswahl 2016 zu nehmen. Russland soll sich damals mit Hackerangriffen in den Wahlkampf eingemischt haben, um Trump zu helfen und dessen damaliger Konkurrentin von den Demokraten, Hillary Clinton, zu schaden. Die russische Regierung wies derlei Vorwürfe bisher konsequent zurück.

In Muellers Abschlussbericht steht, es habe zahlreiche Kontakte zwischen Trumps Lager und Vertretern Russlands gegeben. Beweise für eine Straftat lägen aber nicht vor. Außerdem listete Muellers Team in diverse Versuche Trumps auf, Einfluss auf die Untersuchungen zu nehmen. Mueller ließ zwar offen, ob Trump sich der Justizbehinderung schuldig machte. Er sprach den Präsidenten aber auch ausdrücklich nicht von diesem Vorwurf frei, sondern legte alles Weitere quasi in die Hand des US-Kongresses.

Dort treiben die Demokraten auch nach dem Abschluss von Muellers Arbeit zahlreiche Untersuchungen gegen Trump und dessen Umfeld voran. Trump beklagt sich fast jeden Tag bitterlich darüber und fordert ein Ende der «Hexenjagd». Mit seinen neuen Äußerungen liefert er den Demokraten in der Debatte aber nur neue Argumente an die Hand.

Der Vorsitzende des Justizausschusses im US-Repräsentantenhaus, Jerry Nadler, nannte Trumps Äußerungen schockierend. Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren, die im Präsidentschaftsrennen gegen Trump antreten möchte, schrieb auf Twitter: «Eine ausländische Regierung hat unsere Wahl 2016 angegriffen, um Trump zu unterstützen, Trump hat das begrüßt, und Trump hat die Ermittlungen behindert.» Nun sage der Präsident offen, dass er dies noch mal tun würde. «Es ist an der Zeit, Donald Trump des Amtes zu entheben», forderte sie. Auch andere hochrangige Demokraten reagierten empört.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

vor 34 Minuten
Landgericht Freiburg
Umstrittene Indizien, empörte Anwälte und ein pöbelnder Angeklagter: Im Prozess um die mutmaßliche Gruppenvergewaltigung von Freiburg deutet sich ein zähes Verfahren an.
Die Luft ist in einigen Städten besser geworden - und doch wurde der EU-Grenzwert für Stickstoffdioxid 2018 immer noch in 57 Städten überschritten.
vor 2 Stunden
Luxemburg
Dicke Luft in der Innenstadt, Kritik aus Brüssel, Fahrverbote: Deutschland und andere Staaten stehen unter Druck, weil in Dutzenden Städten der EU-Grenzwert für Stickstoffdioxid überschritten wird.
In München hat ein Mann mit einer Wolfsmaske eine Elfjährige vergewaltigt.
vor 3 Stunden
München
Ein Mann mit Wolfsmaske hat ein elfjähriges Mädchen in München nach Polizeiangaben vergewaltigt. Wie die Beamten mitteilten, griff der Mann das Kind am Dienstagnachmittag unvermittelt an, zerrte es in ein Gebüsch, riss ihm den Ranzen herunter und missbrauchte es sexuell.
vor 4 Stunden
Freiburg
Im Prozess um die Gruppenvergewaltigung einer 18-Jährigen in Freiburg hat der Staatsanwalt jetzt neue Details bekanntgegeben. Eine Gruppe von Männern soll die junge Frau Mitte Oktober vergangenen Jahres nachts in Freiburg nach einem Discobesuch in einem Gebüsch vor der Diskothek vergewaltigt haben.
vor 5 Stunden
Und: Straßburg verringert Preise für Tram
Auch im Elsass hinterlässt die Hitze am Mittwoch ihre Spuren. Die Präfektur Bas-Rhin hat für das Unterelsass den Hitze-Alarm ausgerufen. In Straßburg wurden die Preise für den öffentlichen Nahverkehr unterdessen verringert.
vor 6 Stunden
Prozessbeginn
Kurz vor Beginn des Prozesses um die Gruppenvergewaltigung einer 18-Jährigen in Freiburg hat der Anwalt des Hauptangeklagten eine Erklärung seines Mandanten angekündigt.
Die 58-jährige Orang-Utan Dame Bella ist der wohl älteste Orang-Utan der Welt.
vor 6 Stunden
Hamburg
Am liebsten mag sie Grießbrei mit einem Schuss Maggi, warmen Tee und den höchsten Sitzplatz im Affenhaus. Die rothaarige Bella gilt dem Hamburger Tierpark Hagenbeck zufolge als der wohl älteste Orang-Utan der Welt.
Niedersachsens jüngste Abiturientin Mandy Hoffmann steht mit einem Blumenstrauss in der Hand vor ihrer Schule. Mandy hat mit 14 Jahren das Abitur mit der Note 1,0 bestanden.
vor 7 Stunden
Braunschweig
Die erst 14-jährige Mandy Hoffmann aus Peine hat das Abitur mit der Note 1,0 bestanden. Nach Angaben ihrer Schule in Braunschweig dürfte sie eine der jüngsten Absolventinnen Deutschlands mit dem Abschluss sein.
vor 8 Stunden
Nachrichten
In der Nacht zum 2. Juni wurde der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke ermordet. An dem Samstag, an dem er beerdigt wurde, ist Stephan E. als dringend tatverdächtig festgenommen worden. Nun hat der Mann, der wohl bis zuletzt Verbindungen ins rechtsextreme Milieu gehabt haben soll, die Tat...
Mette Frederiksen ist neue Ministerpräsidentin von Dänemark.
vor 8 Stunden
Kopenhagen
Dänemark wird künftig von der Sozialdemokratin Mette Frederiksen regiert. Nach fast dreiwöchigen Verhandlungen einigte sich die 41-Jährige mit den weiteren Parteien des linksgerichteten Lagers auf eine Regierungsvereinbarung.
Ein Wrackteil eines Eurofighters liegt auf einer Wiese in Nossentiner Hütte.
vor 8 Stunden
Laage
Nach der Kollision zweier Eurofighter-Kampfjets über der Ferienregion Mecklenburgische Seenplatte geht die Suche nach den Ursachen weiter.
Die großen Erwartungen werden scheinbar nicht erfüllt. CSU-Vize Manfred Weber hat kaum noch Chncen auf den Posten des EU-Kommissionspräsidenten.
vor 8 Stunden
Brüssel/Berlin
Wenige Tage vor dem EU-Sondergipfel zur Suche nach einem neuen EU-Kommissionspräsidenten ist für CSU-Vize Manfred Weber keine Mehrheit im Europaparlament in Sicht.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • vor 23 Stunden
    Sommerwein und Sonnenuntergang
    Eine traumhafte Kulisse erleben, delikate Köstlichkeiten genießen und dabei leger und trotzdem im stilvollen Ambiente feiern - das kann man am 28. und 29. Juni jeweils ab 18 Uhr auf dem Gutsfest auf dem Weingut Schloss Ortenberg. 
  • 21.06.2019
    Hochzeiten und andere Festlichkeiten
    Die Modeboutique in Achern ist die richtige Adresse für jeden Anlass: Ob Hochzeiten, Abschlussfeiern oder andere Festlichkeiten, die Auswahl im Geschäft ist groß.
  • 12.06.2019
    Storytelling von Reiff Medien
    Exakt bestimmen, wer meine Werbung sehen will und Produkte mit neuen Erzählformen und einflussreichen Gesichtern bewerben: Online-Marketing ist heute so kraftvoll wie nie – und die Experten von Reiff Medien Digital Natives unterstützen regionale Firmen auf diesem Weg.
  • Die Profis für Werbeanzeigen auf digitalen Plattformen (von links): Sebastian Daniels (Abteilungsleiter Digital Natives), Serkan Nezirov und Andreas Lehmann von Reiff Medien.
    12.06.2019
    Interview mit drei Experten
    Wie können sich Unternehmen in Zeiten der Digitalisierung ihren Kunden präsentieren? Die neue Abteilung »Reiff Medien Digital Natives« bietet maßgeschneiderte Lösungen an und hievt regionale Firmen auf Plattformen wie Facebook und Instagram.