Köln

Tunesier soll Bio-Waffen hergestellt haben

Autor: 
dpa
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
14. Juni 2018
Ein Polizeifahrzeug steht vor dem Hochhaus in Köln, in dem der Verdächtige festgenommen wurde.

Ein Polizeifahrzeug steht vor dem Hochhaus in Köln, in dem der Verdächtige festgenommen wurde. ©dpa - Oliver Berg

Der in Köln gefasste 29-Jährige soll bereits seit mehreren Wochen biologische Waffen in seiner Wohnung hergestellt haben und bei der Produktion seines tödlichen Gifts weit fortgeschritten sein.

Das Material zur Herstellung des hochgiftigen Rizin hatte der Tunesier sich nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft im Internet gekauft und seit Anfang Juni zusammengemischt. Es bestehe deswegen dringender Tatverdacht, teilte die Justizbehörde in Karlsruhe mit. Anhaltspunkte für eine «konkretisierte Anschlagplanung» oder eine Mitgliedschaft des Beschuldigten in einer terroristischen Vereinigung gebe es aber bislang nicht.

«Das Gefahrenpotenzial, was von ihm ausging, war schon relativ hoch», sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU). Nach Ansicht des Düsseldorfer Toxikologen Gerhard Fritz ist die geringste Dosis Rizin schon tödlich. «Es gibt kaum etwas, was gefährlicher wäre.» Der Stoff aus einem einzigen Samen könne bei einem Kind zum Tode führen.

Mittäter soll der Mann nach bisherigen Erkenntnissen des nordrhein-westfälischen Innenministeriums nicht gehabt haben. «Ich habe im Moment keinen Hinweis darauf», sagte Innenminister Reul in Düsseldorf.

Der 29-jährige Tunesier hatte den Verdacht der Sicherheitsbehörden geweckt, weil er auffällig im Internet eingekauft hatte. Unter anderem hatte Sief Allah H. bei einem Online-Versandhändler 1000 Rizinus-Samen und eine elektrische Kaffeemühle gekauft. «Anfang Juni 2018 setzte der Beschuldigte sein Vorhaben um und stellte erfolgreich Rizin her», teilte die Bundesanwaltschaft mit. «Dieses konnte bei dem Beschuldigten sichergestellt werden.»

- Anzeige -

Nach «Spiegel»-Angaben orientierten sich die Bestellungen an einer Anleitung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zur Herstellung einer Rizin-Bombe. Laut Bundesanwaltschaft ist aber «nicht abschließend geklärt», ob der Tunesier einen islamistisch motivierten Anschlag begehen wollte. «Vor diesem Hintergrund besteht derzeit kein dringender Tatverdacht wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat», hieß es weiter. Hinweise, wann und wo der Mann sein Bio-Gift eventuell hätte einsetzen können, gebe es nicht.

Nach Ansicht des Toxikologen Fritz ist es höchst bedenklich, dass man die Samen frei im Internet bestellen könne. Bei einem derart giftigen Stoff, der schon in geringen Mengen tödlich wirke, sei das «sehr beunruhigend».

Der Bundesgerichtshof hatte am Mittwochabend Haftbefehl gegen den 29-Jährigen erlassen. Laut «Kölner Stadt-Anzeiger» und «Express» soll der Tatverdächtige erst im November 2016 nach Deutschland eingereist und polizeilich nicht in Erscheinung getreten sein. Staatsschutz und Ermittlungsbehörden hätten einen Hinweis auf den Mann erhalten, der dann observiert und am Dienstagabend festgenommen wurde. Spezialkräfte stürmten die Wohnung des Mannes, seiner Frau und Kinder in einem Hochhaus.

Das angesehene Robert Koch-Institut (RKI) stuft das leicht erhältliche Rizin aus dem Samen des Wunderbaums als «potenziellen biologischen Kampfstoff» ein. Handel und Umgang mit der Reinsubstanz seien nach dem Chemiewaffen-Übereinkommen von 1997 beschränkt.

Vor einigen Wochen waren in Frankreich zwei Brüder festgenommen worden. Die jungen Männer ägyptischer Herkunft sollen nach Angaben des französischen Innenministeriums einen Anschlag entweder mit Sprengstoff oder mit Rizin vorbereitet haben.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

Die Digitalisierung in Baden-Württembergs Schulen wurde als «überdurchschnittlich» bewertet.
Ländervergleich
vor 4 Stunden
Das Saarland war viele Jahre lang die graue Maus im deutschen Bildungssystem. Noch 2013 lag es auf Platz 15 von 16 Bundesländern. Jetzt ist es auf Rang sechs vorgerückt und macht bella figura. Berlin hat die rote Laterne, die es seit dem ersten Bildungsmonitor der wirtschaftsnahen »Initiative Neue...
Der von den Sicherheitsbehörden als islamistischer Gefährder eingestufte Sami A. war Mitte Juli nach Tunesien abgeschoben worden.
Münster
vor 8 Stunden
Nach wochenlangem juristischen Tauziehen müssen die Behörden den abgeschobenen Islamisten Sami A. endgültig nach Deutschland zurückholen.
Ein 2012 nach Deutschland Geflüchteter bei der Arbeit während seiner Ausbildung zum Industriemechaniker in Mainz.
Berlin
vor 9 Stunden
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sorgt schon wieder für Gesprächsstoff. Abgelehnte Asylbewerber sollen leichter Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt bekommen, fordert er, einen «Spurwechsel» aus dem Asyl- ins Aufenthaltsrecht.
Vor dem Parlament in London ist eine Auto in eine Sicherheitsabsperrung gefahren.
London
vor 10 Stunden
Der mutmaßliche Terroranschlag vor dem Londoner Parlament soll übereinstimmenden Medienberichten zufolge von einem Briten sudanesischer Herkunft verübt worden sein.
Katarina Barley (SPD) spricht mit Jens Spahn (CDU) zu Beginn der Kabinettssitzung.
Berlin
vor 10 Stunden
Im Geburtenregister soll künftig der Eintrag einer dritten Geschlechtsoption möglich sein. Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch einen Gesetzentwurf, der neben «männlich» und «weiblich» auch den Eintrag «divers» vorsieht.
Kaiser Akihito kommt zu einem Gedenkgottesdienst anlässlich des 73. Jahrestages der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg.
Tokio
vor 10 Stunden
Japans Kaiser hat in seiner letzten Rede zum Jahrestag der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg erneut seine «tiefe Reue» für die kriegerische Vergangenheit seines Landes zum Ausdruck gebracht.
Touristen sind mit einem Ausflugsgsschiff auf der Spree in Berlin unterwegs.
Offenbach
vor 10 Stunden
Wer Sonnenbrille und -schutz in den vergangenen Tagen weggelegt hat, sollte sie von Donnerstag an wieder bereit halten: Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes kehren in großen Teilen Deutschlands dann Sonne und hohe Temperaturen zurück.
Die 2500 Meter lange «Harilaos Trikoupis»-Brücke verbindet das westgriechische Festland mit dem Westen des Peloponnes.
Berlin
vor 10 Stunden
Der Einsturz einer Autobahnbrücke in Genua hat nicht nur in Italien die Sicherheit solcher Bauwerke in den Blickpunkt gerückt. In mehreren Ländern, in denen auch Deutsche oft unterwegs sind, läuft die Diskussion über den Zustand der eigenen Brücken:
Die türkische Währung ist nicht mehr so viel wert wie Anfang des Jahres.
Istanbul
vor 10 Stunden
Angesichts der Währungskrise in der Türkei verzichten viele Türken auf Anschaffungen. «Unsere Kunden warten ab», sagte ein Werkzeug-Importeur in Istanbul der Deutschen Presse-Agentur.
Die Gamescom hat sich zum weltweit größten Event für Computer- und Videospiele entwickelt.
Köln
vor 11 Stunden
Das Geschäft mit Computer- und Videospielen boomt: Im ersten Halbjahr 2018 sei der Umsatz des Games-Marktes um 17 Prozent auf rund 1,5 Milliarden Euro gestiegen, berichtete der Verband der deutschen Games-Branche (game) in Köln zur bevorstehenden Messe Gamescom.
Der wegen Kindesmissbrauchs verurteilte Lebensgefährte (l) wird nach der Urteilsverkündung aus dem Gerichtssaal gebracht.
Freiburg
vor 13 Stunden
Im Staufener Missbrauchsprozess geht der vom Landgericht Freiburg verurteilte Hauptangeklagte in Revision.
Ein türkischer Simit-Verkäufer vertreibt sich die Wartezeit auf Kunden mit der Zeitungslektüre.
Istanbul
vor 13 Stunden
Die Armen essen ihn, die Reichen essen ihn, die Touristen essen ihn, mit Käse, Olivenpaste oder Nutella. Er steht bei vielen Mahlzeiten auf dem Tisch und ist an jeder türkischen Straßenecke zu haben.