Düsseldorf

Über den Wolken online - Internet im Flugzeug

Autor: 
dpa
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
20. Juli 2018
Zwar ist Internet im Flugzeug schon lange möglich und vor allem in den USA weit verbreitet. In Europa aber bleiben viele Airlines skeptisch.

Zwar ist Internet im Flugzeug schon lange möglich und vor allem in den USA weit verbreitet. In Europa aber bleiben viele Airlines skeptisch. ©dpa -  Maja Hitij

Was für ein ungewohntes Gefühl: Das Handy ausschalten, sich für ein paar Stunden von der Welt abkapseln, für niemanden erreichbar sein.

In den vergangenen Jahren war das gefühlt nur noch im Flugzeug möglich. Selbst Geschäftsleute oder Manager dürften diese erzwungene Pause frei von Mails und Anrufen heimlich genossen haben. Dabei verschwindet zunehmend auch dieser letzte Hort der Unerreichbarkeit. Schon lange ist es technisch möglich, über Satellit hoch oben in der Luft im Internet zu surfen. Weil die Technik immer ausgeklügelter wird, sprechen Experten schon von einer «Goldgrube» für die Luftfahrtunternehmen.

«Breitband-Internet an Bord von innereuropäischen Flugzeugen verspricht der gesamten Branche einen Riesen-Reibach», sagt etwa der Luftfahrtjournalist Andreas Spaeth. Die London School of Economics etwa gehe davon aus, dass bis 2035 weltweite Umsätze in Höhe von 130 Milliarden US-Dollar erzielt werden können. 30 Milliarden Dollar entfielen allein auf Extra-Einnahmen der Airlines.

«Die Airlines wissen das und nicht nur sie sehen den Milliardenmarkt», sagt auch Christian Schiele, Bereichsleiter Telekommunikation beim Preisportal Verivox. «Zuletzt wurde die Absicht des Online-Giganten Google bekannt, sich als Internetausrüster für Flugzeuge einzukaufen.»

Internet zwar möglich aber zu teuer

Zwar ist Internet im Flugzeug schon lange möglich und vor allem in den USA weit verbreitet. In Europa aber bleiben viele Airlines skeptisch. Das liegt vor allem an der bisher eingesetzten Technik, bei der die Daten über Satelliten an Empfänger am Flugzeug übermittelt werden.

Zu teuer sei das und die Internet-Geschwindigkeit oft «unzureichend», heißt es etwa beim Billigflieger Ryanair. «Wir erachten W-Lan nicht als die große Neuerung, da immer mehr Kunden Inhalte vor dem Flug auf ihr persönliches Gerät herunterladen», teilt die irische Airline auf Anfrage mit.

- Anzeige -

Auch die zu Thomas Cook gehörende deutsche Fluggesellschaft Condor plant derzeit kein entsprechendes W-Lan-Angebot in ihren Maschinen. «Die Kosten für die Einrichtung und das Betreiben einer Internetverbindung an Bord sind sehr hoch», teilt ein Sprecher mit. Die Airline gilt als Urlaubsflieger, ihre Kunden sind vor allem Familien mit Kindern - bei denen übernehme kein Arbeitgeber die hohen Entgelte. «Unsere Angebote müssen daher attraktiv und auch für einen Privatreisenden erschwinglich sein», heißt es.

Dabei hielten in diesem Jahr einer aktuellen Umfrage des Bundesverbands der deutschen Luftverkehrswirtschaft zufolge rund 47 Prozent der Befragten Internet an Bord für eine gute Sache. Fünf Jahre zuvor waren es demnach noch 40 Prozent. Im selben Zeitraum ging die Zahl der Gegner zurück.

«Einige sind sogar froh, während ihres Fluges nicht kontaktiert werden zu können»

Auch neue Technik könnte viele Airlines in Europa zum Umdenken bewegen. So testet die Deutsche Telekom gemeinsam mit dem Satelliten-Unternehmen Inmarsat und Nokia derzeit ihre sogenannte EAN-Technologie. Dabei werden Daten nicht nur über Satellit, sondern auch per LTE-Signal über Funkantennen am Boden ins Flugzeug übertragen - bei Fluggeschwindigkeiten von bis zu 1200 Kilometern pro Stunde.

Knapp 300 solcher Antennen seien in ganz Europa aufgestellt, sagt David Fox, bei der Telekom zuständig für Flugdienstleistungen. Schneller und günstiger soll die Datenübertragung damit werden. Erster Kunde ist das britische Luftfahrtunternehmen IAG. Noch befindet sich die Technik in der Testphase. «Es finden aber bereits Gespräche mit anderen Airlines statt», sagt Fox.

Aufgeschlossen dürfte auch die Lufthansa sein, die seit jeher zu den Vorreitern beim Thema Internet an Bord zählt. Der Konzern und dessen Tochter Eurowings setzen bei Langstreckenflügen bereits seit vielen Jahren auf ein entsprechendes Angebot. «Seit dem Frühjahr 2017 bietet Lufthansa auch auf ihren Deutschland- und Europa-Routen W-Lan-Zugang an», teilt eine Sprecherin mit. Ganz günstig ist der Service allerdings nicht. Zudem räumt der Luftfahrtriese ein, dass die Verbindungsqualität über Satellit «von diversen Umweltfaktoren beeinflusst» werde. Beim Übergang zwischen den Satelliten könne die Datenübertragung zudem einige Minuten unterbrochen werden.

Billigflieger Ryanair will das Thema auf jeden Fall im Auge behalten. «Wir werden weiterhin beobachten, wie sich das weiterentwickelt», teilt das Unternehmen mit, merkt aber gleichzeitig an: «Einige sind sogar froh, während ihres Fluges nicht kontaktiert werden zu können und eine Auszeit von E-Mails und sozialen Medien zu haben.»

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

Der wegen Kindesmissbrauchs verurteilte Lebensgefährte (l) wird nach der Urteilsverkündung aus dem Gerichtssaal gebracht.
Freiburg
vor 1 Stunde
Im Staufener Missbrauchsprozess geht der vom Landgericht Freiburg verurteilte Hauptangeklagte in Revision.
Ein türkischer Simit-Verkäufer vertreibt sich die Wartezeit auf Kunden mit der Zeitungslektüre.
Istanbul
vor 1 Stunde
Die Armen essen ihn, die Reichen essen ihn, die Touristen essen ihn, mit Käse, Olivenpaste oder Nutella. Er steht bei vielen Mahlzeiten auf dem Tisch und ist an jeder türkischen Straßenecke zu haben.
Aus Deutschland abgeschobene Asylbewerber werden nach ihrer Rückführung am Hauptstadtflughafen von Angehörigen begrüßt.
Kabul
vor 2 Stunden
In der afghanischen Hauptstadt Kabul ist am Mittwochmorgen ein weiterer Abschiebeflug aus Deutschland eingetroffen. Beamte am Flughafen bestätigten, die Maschine aus München sei kurz nach 8.30 Uhr Ortszeit gelandet.
Die Sonne scheint in einem Wald. Bäume verlieren bei großer Hitze häufig plötzlich Äste.
Neuruppin
vor 2 Stunden
Nur ein kurzes Knacken kündigt die Gefahr an, dann stürzt plötzlich mit großer Wucht ein Ast auf den Boden: Vor allem an heißen Tagen kommt es bei augenscheinlich gesunden Bäumen immer wieder zu so genannten Grünastbrüchen, die niemand vorhersehen kann.
Der Tag danach: Passanten blicken auf die eingestürzte Autobahnbrücke.
Genua
vor 2 Stunden
Die Stimmung auf dem großen Parkplatz eines Möbelhauses im italienischen Genua ist bedrückend. Immer wieder fahren Autos und Motorroller vor, auch mitten in der Nacht stehen Leute am Zaun.
Baden-Württemberg
vor 3 Stunden
Güterzüge aus Italien dienen Flüchtlingen immer häufiger als Vehikel zur illegalen Einreise nach Deutschland. Der Tod ist dabei ständiger Begleiter. In Baden-Württemberg ist das Problem besonders groß. Die Bundespolizei schaut genauer hin - und sieht erschreckende Bilder.
Experten raten Internetnutzern vor allem, ihre Anti-Viren-Programme auf dem neuesten Stand zu halten.
Berlin
vor 4 Stunden
«Das System hat in der letzten Stunde Malware gefunden», heißt es in der Mail, die Hajo Löffler an diesem Vormittag im Computerraum der Heinrich-Heine-Schule in Heikendorf bei Kiel erhält. Es ist Mitte Januar und im Internet kostet eine Einheit Bitcoin noch immer so viel wie ein Kleinwagen.
Opfer von Sexuellem Missbrauch durch Geistliche und Familienangehörige von Opfern reagieren während Generalstaatsanwalt Shapiro eine Pressekonferenz im Pennsylvania Capitol gibt.
US-Staat Pennsylvania
vor 5 Stunden
Es ist die umfassendste Sammlung von Missbrauchsvorwürfen in der katholischen Kirche der USA: Mehr als 300 Priester sollen über Jahrzehnte hinweg mehr als 1000 Kinder missbraucht haben. Die Kirchenführung soll vieles vertuscht haben.
Ein Albino-Orang-Utan in einem Tierheim in Indonesien.
Nyaru Menteng
vor 5 Stunden
Der weltweit einzige bekannte weiße Orang-Utan, ein Weibchen namens Alba, muss noch länger auf die Freiheit warten.
Das von der Feuerwehr zur Verfügung gestellte Foto zeigt Rettungsarbeiten an der teilweise eingestürzte Morandi Autobahnbrücke.
Genua
vor 5 Stunden
Nach dem verheerenden Einsturz einer Autobahnbrücke in Genua rückt die Frage nach der Ursache für die Katastrophe in den Fokus.
Absperrungen an einer maroden Häuserwand sind auf dem Gelände einer Berliner Schule zu sehen.
Frankfurt/Main
vor 5 Stunden
Dreckige Toiletten, baufällige Turnhallen - viele Schulen in Deutschland sehen traurig aus. Und oft fehlt Städten und Gemeinden das Geld, um Abhilfe zu schaffen.
Ein Wolf in einem Wildgehege.
Rietschen
vor 6 Stunden
Wölfe breiten sich in Deutschland weiter aus: Dem jüngsten bundesweiten Wolfsmonitoring zufolge wurden von Mai 2017 bis April 2018 insgesamt 60 Rudel, 18 Paare und zwei territoriale Einzeltiere nachgewiesen.