Berlin

UN warnt vor «perfektem Sturm» in der Sahelzone

Autor: 
dpa
Lesezeit 2 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
17. Oktober 2018
Männer arbeiten im Niger auf einem ausgedörrten Feld.

Männer arbeiten im Niger auf einem ausgedörrten Feld. ©dpa - Carola Frentzen/Archiv

Das Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen warnt vor einer Krise bislang ungeahnten Ausmaßes in der Sahelzone und deren Anrainerstaaten.

Bewaffnete Konflikte, Klimaextreme, politische Instabilität und eine rasch wachsende Bevölkerung gefährdeten die Ernährungssicherheit und könnten auch zu einer großen Migrationsbewegung führen, sagte WFP-Chef David Beasley der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

«Es ist der perfekte Sturm», sagte Beasley. Hier gehe es nicht etwa wie in Syrien um rund 20 Millionen Menschen, im größeren Sahelgebiet mit Nigeria lebten rund 500 Millionen Menschen. Die Welt müsse «aufwachen und die Wurzel des Problems angehen», sagte Beasley. «Ohne Ernährungssicherheit gibt es insgesamt keine Sicherheit.»

Einige Staaten der Sahelzone - etwa Mali, Burkina Faso, Niger und der Tschad - werden von islamistischen Terrorgruppen destabilisiert. Klimaextreme wie anhaltende Trockenzeiten machen der Landwirtschaft in dem Gebiet am Südrand der Sahara schwer zu schaffen. Trotzdem wächst die Bevölkerung dort mitunter rasant. Im Niger etwa, einem der ärmsten Länder der Welt, gebären Frauen im Durchschnitt 7,5 Kinder - die weltweit höchste Geburtenrate. Die Bevölkerung in Nigeria soll sich UN-Prognosen aus dem vergangenen Jahr zufolge von derzeit 185 Millionen Menschen bis 2100 auf 914 Millionen mehr als vervierfachen.

- Anzeige -

Beasley warnte, die Risiken des Bevölkerungswachstums würden unterschätzt. «Wenn wir schon damit ringen, 7,5 Milliarden zu ernähren, mit all den Ressourcen, dem Wohlstand und der Erfahrung, die wir heute haben, wie sehr werden wir ringen müssen bei 10 Milliarden Menschen in 25 Jahren und der Bevölkerungsexplosion in bestimmten Regionen der Welt», sagte er.

Die UN geht davon aus, dass in der Sahelzone im laufenden Jahr rund 32 Millionen Menschen zeitweise nicht genügend zu essen haben, rund fünf Millionen Kinder gelten als mangelernährt. «Die Länder der Sahelzone gehören zu jenen in der Welt, die am meisten von Krisen und Naturkatastrophen bedroht sind», erklärten die UN im März. Die Sahelzone ist ein rund 7000 Kilometer langer und bis zu 800 Kilometer breiter Streifen am südlichen Rand der Sahara, der sich von Mauretanien im Westen bis in den Sudan am Roten Meer erstreckt.

Weltweit hatte die Zahl der Hungernden zuletzt wieder zugenommen - nach Erfolgen seit der Jahrtausendwende. Bewaffnete Konflikte gelten als wesentlicher Grund. Der UN-Bevölkerungsfonds stellt an diesem Mittwoch in New York seinen neuen Weltbevölkerungsbericht vor.

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
  • 18.04.2019
    Ab Samstag
    In Kehl startet am Samstag wieder der beliebte Ostermarkt. Bis zum 28. April warten auf Besucher dort zahlreiche Attraktionen und ein vielfältiges Programm.
  • 17.04.2019
    500 Quadratmeter Fläche
    Der Obi Markt in Offenburg hat seine neue 500 Quadratmeter große »BBQ & Grillwelt« eröffnet – und ist damit die Top-Adresse für Grill-Fans. Kunden erwartet ein konkurrenzlos großes Angebot an Grills und Zubehör von Top-Marken. In den kommenden Wochen gibt es dazu ein sehenswertes Showprogramm.
  • 08.04.2019
    Was ist wichtig bei der Planung der perfekten Traumküche? Hier sind die 10 wichtigsten Fragen und Antworten!
  • 01.04.2019
    Lahr
    Wer auf der Suche nach einem Suzuki-Neuwagen oder einem Gebrauchten ist und gleichzeitig eine vertrauensvolle, persönliche Beratung möchte, dem kann geholfen werden: Das Suzuki-Autohaus Baral in Lahr ist genau die richtige Adresse für jegliches Anliegen rund um Suzuki. 

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

vor 35 Minuten
Kommentar des Tages
Die gesetzliiche Frühverrentung ist nicht die Ursache des Fachkräftemangels, aber sie fördert ihn. Das meint unser Korrespondent Stefan Vetter im Kommentar des Tages.
vor 1 Stunde
Interview
Vor drei Jahren wurden die sogenannten Panama-Papers bekannt. Dabei ging es um einen riesigen Datensatz über Briefkastenfirmen, die vor allem der Steuerhinterziehung und Geldwäsche dienen. Der Chef der Deutschen Steuer-Gewerkschaft, Thomas Eigenthaler, erklärt, wie weit die Aufarbeitung gekommen...
Boris Palmer, Oberbürgermeister der Stadt Tübingen, bekommt Zuspruch von der AfD.
vor 14 Stunden
Tübingen/Berlin
Nach heftiger Kritik an seinen Äußerungen zur Auswahl von Bahn-Werbegesichtern will sich der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer vorübergehend von Facebook verabschieden.
vor 14 Stunden
Nachrichten
Millionen Fernsehzuschauer kennen Frank Elstner aus Sendungen wie «Wetten, dass..?» und «Verstehen Sie Spaß?». Nun macht der 77-Jährige eine schwere Erkrankung öffentlich.
vor 15 Stunden
Nachrichten
Das Eisenbahn-Bundesamt hat die ersten sechs von 19 geplanten Messstationen zur Erfassung und Dokumentation des Schienenlärms in Betrieb genommen. Eine davon steht an der Rheintalbahn.
vor 17 Stunden
Zur Europäischen Impfwoche
Soll ich mein Kind impfen? Viele Eltern sind durch Debatten im Netz oder in der Kita verunsichert. Hier sind einige Fakten für den Durchblick.
Dieses von NASA/JPL-Caltech zur Verfügung gestellte Foto zeigt das gewölbte Wind- und Wärmeschild der Nasa-Sonde «InSight».
vor 18 Stunden
Los Angeles
Die seit November auf dem Mars befindliche Nasa-Sonde «InSight» hat wahrscheinlich erstmals Geräusche eines Bebens auf dem Roten Planeten eingefangen.
Kombi-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln: Eine Impfpflicht in Deutschland wird diskutiert.
vor 20 Stunden
Berlin
Der Deutsche Ethikrat hat eine differenziertere Debatte über Maßnahmen zur Erhöhung von Impfquoten gefordert.
Ein Bewohner eines Altenheimes sitzt vauf einer Bank. Der Umgang mit alkoholkranken Senioren überfordert viele Einrichtungen.
vor 20 Stunden
Karlsruhe
Wissenschaftler, Pflegeexperten und Interessensverbände fordern einen anderen Umgang mit alkoholkranken Senioren in Altenpflegeeinrichtungen.
Verwandte platzieren Blumen nach der Beerdigung von Opfern, die bei der Bombenexplosion am Ostersonntag starben.
vor 21 Stunden
Colombo
Nach den Anschlägen in Sri Lanka mit inzwischen mehr als 350 Toten will die Regierung die Chefs der Sicherheitsbehörden wegen mangelnder Informationspolitik entlassen.
Keine Bücher, dafür täglich Hunderte von Kurznachrichten: ein Jugendlicher blickt auf sein Smartphone.
vor 21 Stunden
Düsseldorf
Keine Bücher, dafür täglich Hunderte von Kurznachrichten auf dem Handy - die veränderten Lesegewohnheiten von Schülern sind nach Ansicht eines Bildungsexperten einer der Gründe für die schlechtere Rechtschreibung.
Donald Trump weigert sich, seine Steuerunterlagen offenzulegen.
vor 21 Stunden
Washington
Die US-Regierung hat am Dienstag eine Frist verstreichen lassen, die Steuerunterlagen von Präsident Donald Trump an den Kongress zu übergeben.