Bekanntgabe am Freitag in Bonn

Universität Freiburg wird keine Exzellenzuni

Autor: 
dpa/maj
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
19. Juli 2019
Der Platz der Alten Synagoge vor der Uni Freiburg.

Der Platz der Alten Synagoge vor der Uni Freiburg. ©Steve Przybilla

Wissenschaft und Hochschullandschaft hatten mit Spannung auf die Entscheidung gewartet. Jetzt ist klar, welche Unis in Deutschland sich künftig »Exzellenzuniversität« nennen dürfen. An den Gewinner-Hochschulen knallen die Sektkorken, denn zusätzlich gibt es viel Geld. Die Verlierer, zu denen auch die Uni Freiburg gehört, gehen leer aus.

Elf deutsche Universitäten und Universitätsverbünde dürfen künftig den begehrten Titel »Exzellenzuniversität« tragen. Ein Gremium aus Wissenschaft und Politik kürte am Freitag in Bonn nach einem langen Auswahlverfahren die besten Hochschulen, die sich jetzt auf viel Extra-Geld freuen können. Denn der Titel »Exzellenzuniversität« geht einher mit zusätzlichen staatlichen Fördermitteln in Millionenhöhe.

19 Bewerber-Unis

In der Schlussrunde waren 19 Bewerber; insgesamt 17 einzelne Unis und zwei Verbünde mehrerer Hochschulen. Davon hat die Jury, in der neben internationalen Experten die für Bildung und Forschung zuständigen Minister aus Bund und Ländern sitzen, folgende Universitäten und Verbünde ausgewählt: Die Rheinisch-Westfälische Technische Universität Aachen, den Berliner Verbund aus Freier Universität, Humboldt-Universität und Technischer Universität, die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, die Technische Universität Dresden, die Universität Hamburg, die Universität Heidelberg, das Karlsruher Institut für Technologie, die Universität Konstanz, die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Technische Universität München und die Eberhard Karls Universität Tübingen.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur am Freitag, die Exzellenzuniversitäten seien herausragende Botschafter der Wissenschaft in Deutschland und der Welt und machten universitäre Spitzenforschung international sichtbarer. »Damit locken sie exzellente Wissenschaftler aus aller Welt nach Deutschland, um hier an den großen Zukunftsfragen zu forschen.« Bei der Bekanntgabe in Bonn fügte Karliczek hinzu, das Geld für Hochschulen und Wissenschaft sei sehr gut angelegtes Geld. »Wir können in den kommenden Jahren herausragende Forschungsergebnisse erwarten, die (...) über Deutschland hinaus strahlen werden.«

Kritk an Exzellenz-System

Kritisch äußerten sich Oppositionspolitiker zur Kür der »Elite-Unis«. Auch die Universitäten, die nicht ausgewählt wurden, leisteten herausragende wissenschaftliche Arbeit und müssten diese ohne Abstriche und Reputationsverluste fortsetzen können, forderte Kai Gehring, Forschungspolitiker der Grünen. Sein Kollege aus der FDP-Fraktion, Thomas Sattelberger, bemängelte, dass in den Flächenländern im Osten nur die TU Dresden zum Zug gekommen sei. »Alle anderen ostdeutschen Unis hatten von Anfang an keine Chance. Wir müssen dringend in den Forschungs- und Innovationsaufbruch Ost investieren.« Die hochschulpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Nicole Gohlke, kritisierte, dass durch den Exzellenzwettbewerb eine große Stärke des deutschen Hochschulwesens ausgehöhlt werde, nämlich seine »hohe Qualität in der Breite«.

Freiburg nicht dabei

Ebenfalls nicht Exzellenz-Uni wurde die in Freiburg. In einer Pressemitteilung auf der hauseigenen Internetseite heißt es: "In allen maßgeblichen Rankings zählt die Universität Freiburg seit Jahren zu den Top Ten der deutschen Universitäten. Ihr Antrag in der Förderlinie "Exzellenzuniversitäten" der Exzellenzstrategie ist jedoch nicht bewilligt worden. "Wir sind sehr enttäuscht über diese Entscheidung, insbesondere vor dem Hintergrund, dass unsere Leistungsdaten eine andere Sprache sprechen", sagt Rektor Prof. Dr. Hans-Jochen Schiewer.

- Anzeige -

 

 

Praktisch bedeutet die Vergabe des Titels »Exzellenzuniversität« folgendes: Ab 1. November dieses Jahres bekommen die betreffenden Unis mehr Geld. Die ausgewählten Hochschulen und Verbünde bekommen zusätzliche Fördergelder von jeweils 10 bis 28 Millionen Euro im Jahr. Drei Viertel davon kommen vom Bund und ein Viertel von den Bundesländern, in dem die Hochschulen ihren Sitz haben.

Gestartet wurde der Wettbewerb vor mehr als zehn Jahren, unter anderem um den internationalen Ruf und das Image der deutschen Unis aufzupolieren. Inzwischen gab es mehrere Runden. Der Exzellenzstatus wurde den Hochschulen dabei jeweils befristet verliehen. Das ändert sich jetzt. Die gekürten Hochschulen können den Titel dauerhaft tragen, müssen aber alle sieben Jahre nachweisen, dass sie die entsprechenden Förderbedingungen noch erfüllen.

Im Bewerbungsverfahren mussten die Universitäten ausführlich begründen, warum sie künftig »Exzellenzuni« genannt werden wollen. Internationale Gutachter besuchten die Hochschulen, die auch detailliert darlegen mussten, wofür sie das zusätzliche Geld ausgeben wollen.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

vor 1 Stunde
„Bastion Social“
Eine verbotene rechtsextreme Vereinigung erwacht offenbar bei Straßburg zu neuem Leben: „Vent’Est“, zu Deutsch „Ostwind“, engagiert sich nach eigenen Angaben „für dein Volk und deinen Boden“. Doch das sei nur der Deckmantel.
20.01.2020
Baden Airpark in Rheinmünster
Eine Transporter-Fahrerin hat am Montagmorgen auf dem Gelände des Flughafens Karlsruhe / Baden-Baden in Rheinmünster ein privates Flugzeug gerammt. Es entstand ein Schaden im sechsstelligen Bereich. Schuld war jedoch nicht nur ein Fahrfehler der Frau. 
17.01.2020
Landgericht Freiburg
Der Freiburger Prozess zur mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung zieht sich in die Länge. Vor Gericht herrscht Uneinigkeit über einen Zeugen, der sich inzwischen im Irak aufhält.
17.01.2020
Nachrichten
Eine Horrorvorstellung nicht nur für Mitarbeiter in Jobcentern: Ein Besucher sticht unvermittelt zu. Die Tat war auch noch öffentlich angekündigt.
17.01.2020
Zivilcourage
Zwei Männer haben am Donnerstag Zivilcourage bewiesen und einen völlig betrunkenen Autofahrer bis zum Eintreffen hinzugezogener Beamter des Polizeireviers Rastatt an seiner Weiterfahrt in Durmersheim gehindert.
17.01.2020
Nachrichten
Auf dem Portal „allestörungen.de“ gibt es seit Freitagmorgen einen massiven Anstieg von Störungsmeldungen. Betroffen ist vor allem Vodafone, aber auch Telekom- und 1&1-Kunden meldeten Schwierigkeiten.
14.01.2020
Durmersheim
In Durmersheim ist am Dienstagmittag die Ladung eines Müllwagens in Brand geraten. Aufmerksame Anwohner eilten zu dem rauchenden Fahrzeug – mit einem Gartenschlauch.
14.01.2020
Nachrichten
Vor einer Woche hat der Stuttgarter OB Fritz Kuhn alle überrascht, als er erklärte, nicht für eine zweite Amtszeit antreten zu wollen. Die Augen richteten sich daraufhin auch auf Landtagspräsidentin Aras. Sie hat nun eine Erklärung veröffentlicht.
14.01.2020
„Collectivité européenne d˚Alsace“
In einem Jahr soll durch die Fusion der elsässischen Departements Bas-Rhin und Haut-Rhin die Gebietskörperschaft „Collectivité européenne d˚Alsace“ entstehen. Durch eine neue Umfrage haben die Vorkämpfer für eine weitgehende Unabhängigkeit des Elsass Rückenwind erhalten. Aber lässt sich das...
13.01.2020
Nachrichten
Eine Pflegerin des Ortenau-Klinikums in Ettenheim ist an Tuberkulose erkrankt. Die Mitarbeiterin aus dem pflegerischen Bereich hatte sich Anfang November von ihrem Hausarzt krankschreiben lassen, nachdem bei ihr Hustenreiz aufgetreten war.
13.01.2020
Lebensgefährlich verletzt
In Rastatt ist es am frühen Sonntagmorgen zu einem Vorfall am Bahngleis gekommen. Ein 18-Jähriger wollte die Gleise überqueren und wurde von einem Zug erfasst. Der Mann befindet sich in Lebensgefahr. Die Polizei geht von einem Unfall aus. 
10.01.2020
Karlsruhe/Staufen
Wegen der geplanten Vergewaltigung eines Jungen hat das Landgericht Karlsruhe einen Mann aus Schleswig-Holstein zu sechseinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt und in eine psychiatrische Klinik geschickt.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -