Rom/Berlin

Vatikan warnt vor «Gender-Ideologie»

Autor: 
dpa
Lesezeit 2 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
11. Juni 2019
Blick auf den Petersdom im Vatikan. Das kirchliche Dokument namens «Als Mann und Frau schuf er sie» wendet sich gegen eine vermeintliche Tendenz, «die Unterschiede zwischen Mann und Frau auszulöschen, indem man sie als bloße historisch-kulturelle Kon

Blick auf den Petersdom im Vatikan. Das kirchliche Dokument namens «Als Mann und Frau schuf er sie» wendet sich gegen eine vermeintliche Tendenz, «die Unterschiede zwischen Mann und Frau auszulöschen, indem man sie als bloße historisch-kulturelle Kon ©dpa

Der Vatikan hat eine «Gender-Ideologie» kritisiert, die unterschiedliche Geschlechter auslöschen wolle. In Schulen mache sich zudem beim Thema Sexualität ein «Bildungsnotstand» breit, heißt es in dem Papier der Bildungskongregation für die katholische Lehre.

Die sogenannte Gender-Theorie sei eine «Ideologie, die den Unterschied (...) in der Natur eines Mannes und einer Frau leugnet und eine Gesellschaft ohne geschlechtliche Unterschiede vorsieht und somit die anthropologische Grundlage der Familie eliminiert».

Das Dokument namens «Als Mann und Frau schuf er sie» wendet sich gegen eine angebliche Tendenz, «die Unterschiede zwischen Mann und Frau auszulöschen, indem man sie als bloße historisch-kulturelle Konditionierung versteht». Das Papier wurde am Montag vorgestellt. Es wendet sich gegen die «fiktive Konstruktion eines neutralen oder dritten Geschlechts». Die Aufweichung von Geschlechtergrenzen sei ein «konfuses Konzept von Freiheit» und stehe für «momentane Sehnsüchte» eines jeden Einzelnen.

Entsetzen 

- Anzeige -

Laut Gender-Theorie kommt der Mensch nicht mit einem festgelegten Geschlecht zur Welt. Die katholische Kirche und auch Papst Franziskus sprechen sich immer wieder offen gegen diese Theorie aus, weil dies der traditionellen Vorstellung von Mann und Frau als Eheleuten und Eltern widerspreche. Auch lehnt die Kirche die Homoehe oder Homosexuelle als Eltern strikt ab.

Der Verband New Ways Ministry, der für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender (LGBT) in der katholischen Kirche einsteht, kritisierte das Papier als «schädliches Werkzeug». Die «Fehlinformation in dem Dokument wird dazu führen, dass Familien ihre Kinder ablehnen» und Homosexuelle sowie Transgender weiter diskriminiert würden. Das Geschlecht werde «nicht nur durch sichtbare Genitalien bestimmt», heißt es in einer Mitteilung, «sondern auch durch Genetik, Hormone und Chemie - Dinge, die bei der Geburt nicht sichtbar sind». «Der Vatikan bleibt im Mittelalter, fördert die falsche Lehre und stützt sich auf Mythen, Gerüchte und Unwahrheiten.»

Auch beim deutschen Lesben- und Schwulenverband (LSVD) sorgte der Leitfaden für Entsetzen. Mit dem Schreiben verweigere sich die katholische Kirche nicht nur der Realität geschlechtlicher Vielfalt. Sie legitimiere auch «Stigmatisierungen, Diskriminierungen und schwere Menschenrechtsverletzungen, wie sie weltweit an der Tagesordnung sind», erklärte Henny Engels, Mitglied im LSVD-Bundesvorstand.

«Die Publikation ist eine Kampfansage an trans- und intergeschlechtliche Menschen, zielt aber auch auf Partnerschaften und Familien von Lesben und Schwulen sowie letztlich auf alle Menschen, die gegen die engen Vorstellungen und Normen von Männlichkeit, von Weiblichkeit und von Geschlecht verstoßen.»

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

vor 3 Stunden
Kommentar des Tages
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat der Forderung nach einer Aufhebung des Rüstungsexportstopps gegen Saudi-Arabien eine klare Absage erteilt. »Ich sehe im Augenblick keine Voraussetzung für eine veränderte Haltung der Bundesregierung«, sagte die CDU-Politikerin am Dienstag auf die Frage, wie sie zu...
Zu Hause statt im Büro:Eine Frau arbeitet in einem Wohnzimmer an einem Laptop.
vor 16 Stunden
Berlin
Wohnzimmer statt Büro: Wer Home Office macht, kann laut einer Umfrage konzentrierter arbeiten. Das meinen knapp drei Viertel der befragten Betroffenen, wie die Krankenkasse AOK einem Bericht der «Bild»-Zeitung zufolge ermittelt hat.
Gegner der E-Tretroller vor dem Bundesverkehrsministerium: «Fahrbahn Ja, Gehweg Nein». Die Erfahrung hat gezeigt: Natürlich fahren die Scooter auch auf Gehwegen.
vor 16 Stunden
Berlin
Begeistert sind vor allem junge Touristen. Bei vielen anderen überwiegen Skepsis und Kritik. Auch die Unfallzahlen sind hoch. Drei Monate nach der Erlaubnis für die neuen E-Tretroller für Deutschland am 15. Juni wächst der Widerstand. dpa beantwortet die wichtigsten Fragen nach der ersten deutschen...
Ein Soldat der afghanischen Nationalarmee an einem Kontrollpunkt in Kabul. Seit Jahrzehnten leidet die Bevölkerung des Landes unter militärischen Auseinandersetzungen.
vor 16 Stunden
Kabul
Die radikalislamischen Taliban sind weiter zur Unterzeichnung eines kürzlich geplatzten Abkommens mit den USA über Wege zu Frieden in Afghanistan bereit. Das sagte der Vizechef des politischen Büros der Taliban, Scher Mohammad Abbas Staniksai, dem paschtu-sprachigen Dienst der BBC.
Polizisten während einer Demonstration.
vor 18 Stunden
Bochum
Auf einen Verdachtsfall von illegaler Polizeigewalt kommen in Deutschland Forschern zufolge mindestens fünf Fälle, die nicht angezeigt werden. Das geht aus der ersten Studie zur Erforschung illegaler Polizeigewalt in Deutschland hervor.
Verkehr auf der Berliner Stadtautobahn A100.
vor 18 Stunden
Berlin
Drei Tage vor der entscheidenden Sitzung des Klimakabinetts machen Umweltverbände und Verbraucherschützer Druck, wirksame Maßnahmen für mehr Klimaschutz vorzulegen.
Es wird noch enger in den Städten: E-Tretroller konkurrieren mit Autos, Radfahrern und Fußgängern.
vor 20 Stunden
Berlin
Fahrer von E-Tretrollern in Berlin sind auffallend oft betrunken unterwegs und verursachen zahlreiche Unfälle. Das geht aus einer Bilanz der Berliner Polizei für die ersten drei Monate seit der Erlaubnis für diese Roller hervor, die am Dienstag veröffentlicht wurde.
Millionen von Patientendaten sollen offen im Internet zugänglich gewesen sein.
vor 21 Stunden
München
Sensible medizinische Daten von weltweit mehreren Millionen Patienten sind nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunks auf offen zugänglichen Servern im Netz gelandet.
Erst ein Viertel der deutschen Unternehmen hat die neue Datenschutzgrundverordnung komplett umgesetzt. 
vor 22 Stunden
Berlin
Bei der Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung besteht nach mehr als einem Jahr laut einer Studie des Bitkom in deutschen Unternehmen noch erheblicher Nachholbedarf. Wie eine Studie des Digitalverbands ergab, hat erst ein Viertel die Umsetzung der Verordnung vollständig abgeschlossen.
Eine junge Frau hält die Hände eines alten Mannes.
vor 22 Stunden
Berlin
Pflegende Angehörige mit weniger Geld haben einer Studie zufolge zuletzt etwas mehr Zeit für die Pflege zuhause aufgewendet als reichere.
Ein Streifenwagen der Polizei mit eingeschaltetem Blaulicht.
vor 22 Stunden
Chemnitz
Ein 31-jähriger Rollstuhlfahrer aus Libyen ist in Chemnitz von einem mutmaßlichen Rechtsradikalen geschlagen und rassistisch beleidigt worden.
Premierminister Benjamin Netanjahu während einer der wöchentlichen Kabinettssitzungen in Jerusalem. 
vor 22 Stunden
Jerusalem
In Israel sind heute die Bürger zur Wahl eines neuen Parlaments aufgerufen - zum zweiten Mal in einem halben Jahr.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -