Wie sicher ist der Job?

Wappnen für die Krise

Autor: 
Harald Czycholl
Lesezeit 4 Minuten
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14. Februar 2020
Auf dem Arbeitsmarkt herrscht derzeit mehr Bewegung als vielen Arbeitnehmern lieb ist. Erst mal Ruhe bewahren und abwägen, schadet dennoch nicht.

Auf dem Arbeitsmarkt herrscht derzeit mehr Bewegung als vielen Arbeitnehmern lieb ist. Erst mal Ruhe bewahren und abwägen, schadet dennoch nicht. ©Foto: Adobe Stock/Tanya

Die Umsätze sinken, Boni und Prämien fallen weg, die Beschäftigung in der deutschen Industrie geht zurück. Besonders die Automobilbranche ist von der Konjunkturflaute betroffen. Was Arbeitnehmer jetzt beachten müssen – sei es beim Personalgespräch oder bei der Suche nach einem neuen Job mit Perspektiven.

Stuttgart - Neun Jahre lang kannte die Beschäftigung in der deutschen Industrie nur eine Richtung – nach oben. Doch zuletzt sorgten Handelskonflikte, die schwache Weltkonjunktur und nicht zuletzt die Krise in der Automobilbranche für eine Rezession im exportabhängigen Verarbeitenden Gewerbe. Im Oktober waren mit knapp 5,7 Millionen rund 9000 Mitarbeiter weniger in der Industrie beschäftigt als im gleichen Monat des Vorjahres, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das entspricht einem Rückgang von 0,2 Prozent.

Damit gab es im Verarbeitenden Gewerbe erstmals seit Dezember 2010 wieder einen leichten Rückgang der Beschäftigten. Und der Trend dürfte sich verstetigen. So hat beispielsweise Daimler die Streichung von rund 10 000 Stellen angekündigt, bei Bosch sollen mehr als 2000 Stellen wegfallen. Audi streicht 9500 Arbeitsplätze und beim Automobilzulieferer Eberspächer sollen es über 200 Stellen sein, die mittelfristig gestrichen werden.

Sparmaßnahmen, Einstellungsstopp und Kurzarbeit

Laut einer aktuellen Studie der Personalberatung von Rundstedt spürt bereits jeder dritte deutsche Arbeitnehmer an seinem Arbeitsplatz erste Auswirkungen einer stagnierenden Wirtschaft. Dazu zählen beispielsweise Ankündigungen von Sparmaßnahmen, ein Einstellungsstopp, Kurzarbeit oder auch eine be­sonders vorsichtige Jahresplanung des Arbeitgebers.

Hinzu kommt eine gewisse Grundverunsicherung, die sich durch die zunehmenden Berichte über die kriselnde Industrie in den Köpfen auch jener Arbeitnehmer breitmacht, deren Arbeitsplätze bislang noch nicht von konjunkturbedingten Veränderungen betroffen sind. So erwartet beispielsweise jeder dritte Arbeitnehmer hierzulande, dass freiwillige Zahlungen wie Boni oder Weihnachtsgeld bald ausbleiben. Darüber hinaus wurden bereits 28 Prozent von Kollegen mit Ängsten um ihre Arbeitsstelle konfrontiert.

Mit offenen Karten spielen

Gerade in turbulenten Zeiten wünschen sich Mitarbeiter mehr Austausch mit der Führungsetage. Rund 50 Prozent der Berufstätigen geben an, dass sie die mangelnde Kommunikation über anstehende Veränderungen extrem verunsichert. Das wiederum ist für die Unternehmen problematisch, denn Unsicherheit sorgt dafür, dass die Arbeitsmotivation sinkt und damit letztlich auch die Leistung.

Zudem beginnen die Arbeitnehmer dann, sich nach neuen Stellen umzusehen. Das gilt vor allem für die gefragten Young Professionals: Der Studie zufolge schauen sich bereits 40 Prozent von ihnen aktiv nach neuen Stellen um.

Sicherheit vermitteln

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„Gerade in herausfordernden Zeiten sind die Mitarbeiter das wichtigste Gut des Unternehmens. Dabei gilt mehr denn je, die klugen Köpfe und motivierten Mitarbeiter zu halten“, sagt Sophia von Rundstedt, Vorsitzende der Geschäftsführung bei von Rundstedt. „Wer in schwierigen Zeiten keine herben Verluste bei den Leistungs- und Potenzialträgern hinnehmen möchte, sollte Veränderungen im Unternehmen offen kommunizieren und die Mitarbeiter aktiv einbinden.“ So könne ein Gefühl von Sicherheit vermittelt werden. „Ist dies nicht möglich, sollten Unternehmen zumindest die bestehende Unsicherheit und die Gründe dafür kommunizieren, um das Vertrauen der Mitarbeiter aufrechtzuerhalten“, so die Personalexpertin.

Eine berufliche Veränderung sollte aber aus Arbeitnehmersicht immer wohlüberlegt erfolgen – es gelte, Nutzen und Risiken genau gegeneinander abzuwägen, rät Tom Diesbrock, Psychologe, Karriere-Coach und Buchautor aus Hamburg. Denn schließlich gibt man dadurch auch ein Stück Sicherheit aus der Hand. Eine langfristige Perspektive sei wichtig. Zeit für einen neuen Job sei es, so Diesbrock, „wenn man die Frage, ob man seinen Job noch in fünf Jahren machen will, sehr spontan mit einem klaren ‚Nein‘ beantwortet.“

Gute Vorbereitung

Angesichts der aktuellen Situation sind Arbeitnehmer zudem gut beraten, sich auf Personalgespräche gründlich vorzubereiten – vor allem, wenn diese unerwartet anstehen. So kann man sich beispielsweise eine Liste mit erfolgreichen Projekten zurechtlegen oder mit Fortbildungen auftrumpfen, die in den vergangenen Monaten absolviert wurden.

Wichtig ist, dem Chef deutlich zu machen, dass man für das Unternehmen quasi unersetzlich ist. Einfach vor dem Gespräch drücken darf man sich allerdings nicht. Denn schließlich sitzt der Vorgesetzte mit seinem Weisungsrecht am längeren Hebel – und wer nicht kommt, riskiert eine Abmahnung und im Wiederholungsfall sogar die Kündigung.

Im Zweifel: Betriebsrat fragen

Einen Rechtsanwalt mitzubringen, ist auch bei heiklen Personalgesprächen nicht erlaubt. Der juristische Hintergrund: Das Gespräch mit dem Vorgesetzten gilt als Teil der Arbeitsleistung – und die muss immer höchstpersönlich erbracht werden. Nur wenn der Vorgesetzte eine betriebsfremde Person zum Gespräch hinzuzieht, darf auch der Mitarbeiter einen Dritten als Beistand mitbringen.

Allerdings darf laut Betriebsverfassungsgesetz immer dann, wenn es um eine Leistungsbeurteilung und die berufliche Entwicklung geht, der Betriebsrat mit dabei sein. Und meistens ist zumindest eine Leistungsbeurteilung Teil eines Mitarbeitergesprächs. Die Gewerkschaft Verdi rät deshalb dazu, grundsätzlich ein Betriebsratsmitglied zum Personal­gespräch mitzunehmen.

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