Kattowitz

Was bei der UN-Klimakonferenz herauskam

Autor: 
dpa
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
16. Dezember 2018
Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Karsten Sach, Leiter der deutschen Verhandlungsdelegation, in Kattowitz. Fotzo: Monika Skolimowska

Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Karsten Sach, Leiter der deutschen Verhandlungsdelegation, in Kattowitz. Fotzo: Monika Skolimowska ©dpa - Monika Skolimowska

Mehr als 32 000 Politiker, Fachleute, Aktivisten, Journalisten und Wirtschaftsvertreter beim UN-Klimagipfel in Kattowitz (Katowice), 14 Tage lang Gespräche, Streit, Ringen um Deals - und was ist dabei herausgekommen?

In Polen ging es drei Jahre nach der Einigung auf das Pariser Klimaschutzabkommen darum, sich auf Spielregeln für den Kampf gegen die Erderwärmung zu einigen. Und um Geld. Und um Symbole. Einige Eckpunkte:

1,5-GRAD-ZIEL: Wissenschaftler aus aller Welt haben einen Bericht vorgelegt, demzufolge die Erderwärmung mit radikalen Maßnahmen noch auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau begrenzt werden kann - und sollte, denn zwei Grad Erwärmung hätten noch drastischere Folgen für Artensterben, Extremwetter, die menschliche Gesundheit und den Anstieg der Meeresspiegel. Umstritten war, wie prominent dieser 1,5-Grad-Bericht in der Gipfelerklärung vorkommen soll und welche Schlussfolgerungen gezogen werden.

Beschluss: Den Wissenschaftlern wird für ihre Arbeit gedankt, aber auf die Inhalte des Berichts geht die Erklärung nicht wirklich ein. Sie betont «die Dringlichkeit eines verstärkten Ehrgeizes, um die höchstmögliche Anstrengung aller Parteien (Staaten und EU) zur Minderung (von Treibhausgasen) und Anpassung (an den Klimawandel) sicherzustellen». Heißt: Ja, wir sollten mehr tun.

KLIMASCHÄDEN: Das Thema Schäden und Verluste durch den Klimawandel ist vor allem für die armen Staaten im globalen Süden wichtig - und für Inselstaaten, die im Ozean zu versinken drohen. Sie kämpfen dafür, die vom Treibhausgas-Ausstoß der Industriestaaten über Jahrzehnte verstärkten Schäden gut sichtbar und eindeutig anzuerkennen. Die Industriestaaten dagegen fürchten, sie könnten damit quasi haftbar gemacht werden.

Beschluss: Zwischenzeitlich war das Thema in den Verhandlungen in eine Fußnote des Regelwerks gerutscht - sehr zum Ärger der Entwicklungsländer. Nach Protesten findet es sich nun im Haupttext.

FINANZHILFEN:Klimaschutz und die Anpassungen an die Erderhitzung kosten Geld, das viele Staaten nicht haben. Schon länger gibt es daher die Zusage, dass die Industriestaaten ab 2020 bis 2025 pro Jahr insgesamt 100 Milliarden Dollar «mobilisieren» - dazu zählen Steuergelder, aber auch private Mittel, etwa Investitionen von Unternehmen. Wichtig ist der milliardenschwere Grüne Klimafonds, aber auch der kleinere Anpassungsfonds. Die ärmeren Staaten wünschten sich längerfristige Zusagen, wann und wie Mittel fließen sollen.

Beschluss: Die Geberländer müssen künftig zwar allgemein angeben, welche Hilfen sie geben wollen. Wie viel und an welches Land genau ist damit aber nicht festgelegt. Wie es ab 2025 weitergeht, darüber wird ab 2020 gesprochen.

TRANSPARENZ:Das Pariser Klimaschutzabkommen funktioniert nur, wenn die Staaten sich gegenseitig halbwegs vertrauen. Nach dem Motto: «Ich strenge mich nur an, wenn du das auch machst.» Deshalb sollen regelmäßig Berichte vorgelegt werden, in denen unter anderem steht, wie sich der Treibhausgas-Ausstoß entwickelt hat und was ein Land für den Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel geleistet hat. Weniger entwickelte Staaten können solche Daten nicht so leicht erheben wie die Industrieländer, bisher galten für sie deswegen gelockerte Regeln.

- Anzeige -

Beschluss: Ab 2024 sollen alle nach denselben Regeln berichten. Allerdings können Entwicklungsländer weiterhin etwas mildere Maßstäbe in Anspruch nehmen. Für wirtschaftsstarke Schwellenländer wie China und Brasilien dürfte es schwierig werden, diese Ausnahmen für sich in Anspruch zu nehmen - das wäre kaum erklärbar.

VERBINDLICHKEIT:Spielregeln hin oder her - Sanktionen gibt es nicht, wenn ein Staat gegen sie verstößt. Das «scharfe Schwert der Transparenz» soll dafür sorgen, dass jeder über jeden Bescheid weiß und der soziale Druck alle dazu bringt, sich anzustrengen. Es gibt einen Ausschuss, der Staaten «helfen» soll, ihre Klimaschutz-Berichte ordentlich abzuliefern.

Beschluss: Damit der Ausschuss mit einem Land offiziell in Kontakt treten und eine Art Dialog über den Rückstand führen darf, braucht er aber das Einverständnis dieses Landes.

MARKT FÜR VERSCHMUTZUNGSRECHTE: Staaten können mit Verschmutzungsrechten handeln, denn für das Weltklima ist egal, wo die Treibhausgase herkommen und wo sie eingespart werden. Wichtig ist aber, dass hier nicht geschummelt werden kann und sich zum Beispiel zwei Staaten das gleiche gutschreiben. Bisher läuft das nicht gut. Deswegen soll es ein ganz neues System geben, das die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt. Der Streit darum hatte - vor allem, weil Basilien ausscherte - die Verhandlungen am Ende noch einmal lange verzögert.

Beschluss: Das Thema wurde auf das kommende Jahr vertagt. Nach Einschätzung von Verhandlern ist das erst mal nicht so schlimm - die wichtigen Regeln für die Umsetzung des Paris-Abkommens seien verabschiedet.Informationen der polnischen Regierung zur Klimakonferenz

Bericht des Klimarats zum 1,5-Grad-Ziel

PIK zu neuesten Erkenntnissen der Klimaforschung, Engl.

UN-Informationen zur Klimakonferenz

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
03.01.2019
Die eigene Firma zu gründen ist auch dank der Digitalisierung heute nicht mehr schwer – aber wie geht es dann weiter? Wie kleine und mittelständische Firmen erfolgreich werden, zeigen zwei Jungunternehmer bei einem Vortrag am 26. Januar in der Offenburger Oberrheinhalle.
27.12.2018
Abenteuer-Indoor-Spielplatz
Wer möchte seinen Kindern zum Geburtstag nicht gern etwas ganz Besonderes bieten? Im Kiddy Dome in Schutterwald ist das möglich. Denn nicht nur an ihrem großen Tag sind die Kinder in diesem Abenteuer-Indoor-Kinderspielplatz die Könige. 
27.12.2018
Wie wir nachts schlafen bestimmt, wie unser Tag verläuft – und deshalb ist gesunder Schlaf auch so wichtig. Das eigene »Bett nach Maß« klingt fast wie ein Traum – doch Leitermann Schlafkultur ist Spezialist auf diesem Gebiet und macht es möglich.
20.12.2018
Was braucht es für einen gesunden Körper? Den Willen natürlich! Und außerdem das richtige Training und Ernährung. Im Fitnessstudio Sportpark in Schutterwald gibt es die passende Beratung mit gezielten Übungen zur "Gute-Laune-Figur".

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

vor 4 Stunden
Interview
Dass nun neue Vorsitzende die CDU und die CSU führen, wird nach Ansicht des Politikwissenschaftlers Uwe Jun aus Trier den Unionsschwestern guttun. Annegret Kramp-Karrenbauer und Markus Söder könnten den Streit der Vergangenheit hinter sich lassen, so Jun im Gespräch mit der Mittelbadischen Presse.
vor 6 Stunden
Nachrichten
Ein gasbetriebener Pizzaofen geriet in einer Gaststätte in Baden-Baden am Sonntagmittag in Brand. Die Höhe des Schadens beläuft sich auf 15.000 Euro.
vor 9 Stunden
Nachrichten
In einer Bar im Karlsruher Stadtteil Oberreut kam es am frühen Sonntagmorgen zu einem Tötungsdelikt, bei dem ein 39-jähriger Mann ums Leben kam. Die Polizei fahndet derzeit nach einem namentlich bekannten Tatverdächtigen.
Von dem kleinen Julen gibt es seit dem 13. Januar kein Lebenszeichen.
vor 12 Stunden
Madrid
Die Suche nach dem in einem tiefen Brunnenschacht vermuteten Zweijährigen in Spanien wird weiterhin von der Natur erschwert. Bei der Bohrung eines Bergungstunnels stießen die Einsatzkräfte in der Nacht zum Sonntag wieder auf einen großen und sehr harten Felsbrocken.
Söder kündigte an, die CSU breiter aufzustellen. Bis zum Herbst soll es eine Parteireform geben, um die CSU moderner, jünger, weiblicher und dynamischer werden zu lassen.
vor 13 Stunden
Berlin
Die Mehrheit der Bürger traut es dem neuen CSU-Vorsitzenden Markus Söder nicht zu, dass er seine Partei wieder zu alter Stärke führen kann. In einer Emnid-Umfrage für die «Bild am Sonntag» äußerten sich 57 Prozent entsprechend.
vor 13 Stunden
Nachrichten
Der E-Sport – das wettbewerbsmäßige Zocken bei Computerspielen gilt als großer Trend unter Jugendlichen. Aber wer sind diese E-Sportler eigentlich? Und leben sie gesund? Eine Befragung der Deutschen Sporthochschule wirft ein Schlaglicht auf die Szene.
Das Baukindergeld soll Familien in Zeiten steigender Bau- und Immobilienpreise beim Erwerb von Eigentum helfen.
vor 14 Stunden
Berlin
Das Baukindergeld sollte den Neubau ankurbeln - doch in den ersten Monaten lockt die begehrte Leistung vor allem Familien, die sich ein bestehendes Haus oder eine Wohnung kaufen.
Seit bald einem Monat sind 800.000 Bundesangestellte im Zwangsurlaub oder arbeiten ohne Gehalt.
vor 14 Stunden
Washington
Mehr als vier Wochen nach Beginn des «Shutdowns» in den USA hat auch ein neues Angebot von Präsident Donald Trump an die Demokraten keinen Durchbruch in dem Haushaltsstreit gebracht.
Migranten sitzen in einem Schlauchboot, nachdem sie im Mittelmeer entdeckt und gerettet wurden.
vor 14 Stunden
Rom
Bei zwei Schiffsunglücken im Mittelmeer könnten bis zu 170 Migranten gestorben sein. Ein Unglück mit womöglich 117 Vermissten ereignete sich am Freitag vor der Küste Libyens. Ein weiteres soll auf der Spanien-Route 53 Todesopfer gefordert haben.
19.01.2019
Andreas Richter gegen Markus Fix
Nach dem Brexit-Aus im britischen Unterhaus kommt - ja, was eigentlich? Wir erörtern die Frage, ob Theresa May dieChose noch retten kann. 
19.01.2019
Kommentar des Tages
Der Bundestag hat mit großer Mehrheit einem Gesetzentwurf zur Einstufung von Georgien, Algerien, Tunesien und Marokko als sichere Herkunftsstaaten zugestimmt. Einzig Vertreter der Fraktionen der Grünen und der Linkspartei sprachen sich am Freitag im Plenum gegen den Entwurf der Bundesregierung aus...
19.01.2019
München
Zeitenwende in Bayern: Horst Seehofers Ära an der Spitze der CSU geht offiziell zu Ende. Auf dem Sonderparteitag in München soll heute Ministerpräsident Markus Söder zu seinem Nachfolger gewählt werden.