Nil – Lebensader und Wiege des Pharaonenreichs

Wie der Nil Ägyptens Hochkultur erst ermöglichte

Markus Brauer
Lesezeit 5 Minuten
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12. Juni 2024
Der Nil bei Gizeh: Ohne die natürlichen Veränderungen des Flusses wären die Pyramiden von Gizeh nie erbaut worden.

Der Nil bei Gizeh: Ohne die natürlichen Veränderungen des Flusses wären die Pyramiden von Gizeh nie erbaut worden. ©Foto: Imago/Pond5 Images

Der Nil ist bis heute die Lebensader Ägyptens. Vor rund 4500 Jahren veränderte sich der längste Fluss der Welt: Es floss ruhiger und führte mehr fruchtbare Sedimente. Dadurch begünstigt kam es zur Blütezeit der altägyptischen Hochkultur.

Der Nil (der Name ist abgeleitet vom Lateinischen „Nilus“) ist mit fast 6700 Kilometern der längste Fluss der Erde und seit Tausenden von Jahren die Lebensader Ägyptens. Ohne das Wasser des „großen Stroms“ hätte eine der frühesten Hochkulturen, das altägyptische Pharaonenreich, nicht entstehen können.

Weißer Nil und Blauer Nil

Die Wiege der ägyptischen Zivilisation speist sich aus zwei Quellflüssen: dem in Burundi in Zentralafrika entspringenden Weißen Nil und dem Blauen Nil, der  aus dem äthiopischen Hochland gen Mittelmeer fließt. Entlang seines Unterlaufs entstanden vor mehr als 4500 Jahren die gewaltigen Pyramiden und prachtvollen Tempel des alten Reichs.

 

In Khartum treffen Weißer Nil und Blauer Nil aufeinander, um unterhalb von Kairo schließlich ins Mittelmeer zu fließen. Am Ende dieser Reise hat der Nil von seiner entferntesten Quelle in Burundi aus 6671 Kilometer zurückgelegt.
Foto: Imago/Xinhua

 

Eine wichtige Voraussetzungen für dieses zivilisatorische Gedeihen waren die jährlichen Nilfluten, die fruchtbares Sediment mitbrachten, aber auch einige Nil-Seitenarme, die zu wichtigen Transport- und Handelswegen wurden.

Wiege der altägyptischen Hochkultur

Doch der Nil könnte den Beginn der Blütezeit des alten Ägyptens noch auf eine weitere Art begünstigt haben, schreiben Jan Peeters von der University of Michigan in Ann Arbour (US-Bundesstaat Michigan) und seine Kollegen in einer neuen Studie, die im Fachjournal „Nature Geoscience“ veröffentlicht ist.

„Trotz seiner zentralen Rolle für die Geschichte des alten Ägypten ist nur wenig über Entwicklung des Nils im Holozän bekannt“, schreiben die Forscher. Vor allem das Fließverhalten des Nils in der Periode vom Ende der Eiszeit bis vor rund 2000 Jahren sei unklar geblieben. Zur Info: Das Holozän ist die seit ungefähr 11 000 Jahren andauernde, gegenwärtige warmzeitliche Epoche des Eiszeitalters.

Um mehr über die Zeitphase herauszufinden, entnahmen die Geologen in Oberägypten, wo die großen Tempel und Paläste von Theben, Luxor und Karnak errichtet wurden, insgesamt 81 Bohrproben quer durch das gesamte Niltal. Anhand dieser Sedimentschichten rekonstruierten sie die Veränderungen von Ufer und Flussbett des Nils im Laufe der vergangenen 12 000 Jahre.

 

Auf den beiden Karten ist die Lage von Luxor (kleine Karte) und den Bohrproben-Standorten im Niltal zu sehen (große Karte).
Foto: Peeters et al./Nature Geoscience/CC-by 4.0

 

Nil wurde vom reißenden Wasser zur Lebensader

Die Analysen zeigen, dass der Nil bis vor 4500 Jahren ein schnell fließender Strom mit tiefem Flussbett war, sehr viel schmaler und reißender als heute. Hinzu kam, dass er unvorhersehbar seinen Lauf wechselte. „In dieser Periode bestand der Nil aus einem Netzwerk verbundener Kanäle, die oft ihren Lauf veränderten“, erläutert Studien-Koautor Angus Graham von der Universität Uppsala in Schweden.

 

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Der Totentempel der Hatschepsut stammt aus der 18. Dynastie (550 bis 1070 v. Chr.) und ist der am besten erhaltene Tempel in Deir el-Bahari am Westufer des Nil in Theben.
Foto: Imago/Shotshop

 

 

Die Große Sphinx von Gizeh stellt einen liegenden Löwen mit einem Menschenkopf dar und wurde vermutlich in der 4. Dynastie während der Herrschaft von Pharao Chephren (um 2520 bis 2494 v. Chr.) errichtet.
Foto: Imago/Zoonar

 

 

Die Tempel von Abu Simbel sind zwei Felsentempel am Westufer des Nassersees. Sie befinden sich im ägyptischen Teil Nubiens am südöstlichen Rand des Ortes Abu Simbel und wurden im 13. Jahrhundert v. Chr. unter Pharao Ramses II. errichtet.
Foto: Imago/Pond5 Images

 

Als im Laufe der Zeit das Klima in der Sahara und in den Quellgebieten des Nils trockener wurde, verringerte sich auch sein Wasservolumen. Mit der Folge, dass der Fluss langsamer floss und nicht ständig sein Bett veränderte. Zugleich führte das Nilwasser mehr Sand und andere Schwebteilchen mit sich, die sich als Sedimente an seinen Ufern ablagerten. Dadurch bildeten sich breite, von fruchtbarem Schwemmland bedeckte Fluss-Terrassen.

Fruchtbares Ackerland ließ Ägyptens Kultur aufblühen

 

Wie vor 4500 Jahren wird bis heute an den Ufern des Nils ertragreicher Ackerbau betrieben.
Foto: Imago/Loop Images

 

„Die Veränderungen erweiterten nicht nur die Fläche des nutzbaren Landes im Niltal bei Luxor, sie schufen auch fruchtbare Böden, indem sie große Mengen nährstoffreiches Sediment ablagerten“, schreiben die Forscher. Weil das Bett des Nils stabil blieb, konnten die Menschen seine Ufer bebauen, ohne jedes Jahr aufs Neue von zerstörerischen Überschwemmungen heimgesucht zu werden.

Durch die Zunahme von fruchtbarem Land konnte die landwirtschaftlichen Flächen erweitert und eine größere Bevölkerung ernährt werden. Dies wiederum war die Voraussetzung dafür, dass in Oberägypten das Alte Reich entstehen und die Basis für die folgende Blütezeit der ägyptischen Kultur gelegt werden konnten.

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