Ansteckung mit dem Coronavirus
Dossier: 

Wie gut schützt ein selbst genähter Mundschutz?

Autor: 
Hanna Spanhel und Klaus Zintz
Lesezeit 6 Minuten
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25. März 2020
Schützt Mundschutz vor dem Coronavirus – auch, wenn er selbst genäht wurde?

Schützt Mundschutz vor dem Coronavirus – auch, wenn er selbst genäht wurde? ©Foto: dpa/Sven Hoppe

Immer wieder gibt es neue Erkenntnisse zum Coronavirus. Hilft ein Mundschutz gegen die Übertragung? Was gilt es bei Lebensmitteln zu beachten? Und kann man sich über eine Zeitung infizieren? Wir klären die wichtigsten Fragen.

Stuttgart - Das Coronavirus beherrscht unseren Alltag. So ergeben sich immer wieder Fragen, die bisher vielleicht noch nicht so drängend waren, aber nun die Menschen erneut beschäftigen. Wir geben Antworten – auch vor dem Hintergrund, dass es täglich neue Erkenntnisse und Informationen gibt, die es einzuordnen gilt.

Wie überträgt sich das Coronavirus?

Grundsätzlich werden die Viren vor allem durch Tröpfcheninfektionen übertragen. Also: Wenn jemand einem sehr nahe kommt und dann hustet, niest oder feucht ausatmet, können Viren übertragen werden und in die eigenen Atemwege gelangen. Außerdem kann der Erreger wahrscheinlich durch sogenannte Schmierinfektionen übertragen werden. Wenn etwa ein Covid-19-Patient in die Hand hustet, befinden sich die Viren an der Handfläche. Gibt der Erkrankte jemandem die Hand, können die Viren an dessen Hand haften bleiben. Falls sich dieser Mensch danach an den Mund, die Nase oder die Augen fasst, kann das Virus in die Schleimhäute gelangen und von da in den Körper.

Eine Studie aus Wuhan in China gibt auch Hinweise darauf, dass mit dem neuartigen Coronavirus Infizierte den Erreger auch über andere Wege ausscheiden könnten – etwa über den Stuhl. Sich über Ausscheidungen anzustecken könnte also möglich sein, folgern die Forscher. Hauptursache ist demnach aber die Tröpfcheninfektion über die Atemwege.

Kann man sich auch über Oberflächen anstecken?

Schmierinfektionen sind auch über Gegenstände möglich, etwa Türklinken. Bisher sind allerdings keine Infektionen durch den Kontakt mit trockenen Oberflächen bekannt. „Aufgrund der relativ geringen Stabilität von Coronaviren in der Umwelt ist dies nur in einem kurzen Zeitraum nach der Kontamination wahrscheinlich“, urteilt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

Was ist zum Beispiel mit Zeitungen?

Trockene Oberflächen sind für das Coronavirus eine sehr schlechte Umgebung – also auch Zeitungen. Experten wie der Charité-Virologe Christian Drosten halten es daher für so gut wie ausgeschlossen, dass durch das Berühren einer Zeitung genügend Viren zusammenkommen, um einen Menschen infizieren zu können. Da müsste schon folgendes Szenario eintreten: Ein kranker Austräger müsste direkt auf die Zeitung gehustet haben und der Leser dann genau diese Stelle mit feuchten Fingern berühren und dann an die Schleimhäute fasst.

Hilft ein Mundschutz dabei, sich vor einer Ansteckung zu schützen – und ist es sinnvoll, ihn selbst herzustellen?

Das Problem ist nach wie vor, dass es in Deutschland einen Mangel an Schutzmasken für medizinisches Personal gibt. Experten raten daher immer wieder davon ab, diese Masken auf Vorrat zu kaufen. Sie hätten ohnehin kaum eine Wirkung, bekräftigte Christian Drosten am Dienstag in seinem Podcast. Bei engem Kontakt, wie er in der Krankenpflege herrsche, könnten Krankheitsübertragungen durch spezielle Masken durchaus reduziert werden, sagt Drosten. In der Öffentlichkeit sei es dagegen nur dann sinnvoll, eine Maske zu tragen, wenn man selbst krank sei – also um andere zu schützen. Tücher vor dem Mund könnten dann große Tröpfchen auffangen. Insofern können selbst genähte Masken zumindest in diesem Fall durchaus helfen.

Sind die krankmachenden Erreger aber bereits in der Luft, gelangen sie als feinere Schwebeteilchen trotzdem an die Schleimhäute. Insbesondere dann, wenn die Maske nicht eng an der Haut aufliegt und Aerosole so über Öffnungen an die Nase gelangen können. „Deswegen muss die Maske an der Quelle sein und nicht am Empfänger“, sagt Drosten.

Was ist mit Lebensmitteln und Waren?

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Es sei unwahrscheinlich, dass importiere Waren wie Lebensmittel oder andere Produkte wie Spielwaren, Computer oder Kleidung Quelle einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus sein könnten, heißt es vom BfR. Es gebe derzeit keine Fälle, bei denen nachgewiesen ist, dass sich Menschen etwa über den Verzehr kontaminierter Lebensmittel oder durch importierte Gegenstände mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben. Völlig ausgeschlossen sind auch hier Schmierinfektionen jedoch nicht – etwa wenn ein infizierter Mensch ungeschützt auf Gemüse oder Obst hustet und dieses bald danach verzehrt wird. Aber auch hier gilt: Das Risiko einer Infektion ist dabei äußerst gering, auch weil so meist nur eine geringe Zahl an Erregern übertragen wird. Gleichwohl senken die üblichen Hygienemaßnahmen – etwa in Taschentuch oder Ellenbeuge husten – das Risiko weiter.

Sollte man Lebensmittel trotzdem anders behandeln?

Grundsätzlich sollten laut BfR beim Umgang mit Lebensmitteln die allgemeinen Regeln der Hygiene beachtet werden – also regelmäßiges Händewaschen und Vorsichtsmaßnahmen bei der Zubereitung von Lebensmitteln. Dazu gehört einerseits, frische Lebensmittel wie Gurken, Tomaten oder Salat gründlich abzuwaschen und so gegebenenfalls darauf haftende Viren abzuspülen. Heißes Wasser ist dabei besonders hilfreich – Einfrieren von Lebensmitteln hilft dagegen wohl eher nicht. Denn bisherigen Erkenntnissen zufolge sind die Viren hitzeempfindlich, während sie Kälte besser vertragen.

Warum verringern Seife und Spülmittel das Infektionsrisiko?

Das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 ist wie manch andere Viren auch von einer schützenden Lipid-Membran ummantelt – also einer Fettschicht –, auf der Eiweißmoleküle sitzen. Durch fettlösende Substanzen, wie sie generell in Seifen, Spül- oder Waschmitteln enthalten sind, kann diese schützende Membran beschädigt und das Virus inaktiviert werden.

Ist das Trinkwasser in Zeiten der Corona-Pandemie sicher?

Eine Übertragung des Virus über die öffentliche Trinkwasserversorgung kann nach Einschätzung der Gesundheitsbehörden der Länder nach dem derzeitigen Kenntnisstand ausgeschlossen werden.

Können Tiere das Virus übertragen?

Bisher gibt es nach Angaben des Friedrich-Löffler-Instituts, das zur Tiergesundheit forscht, keine Hinweise darauf, dass Nutz- oder Haustiere den Erreger auf den Menschen übertragen können. Aber klar ist auch: Inniges Schmusen mit Gesichtskontakt sollte man mit Tieren nicht.

Was, wenn jemand in meinem Haushalt unter Infektionsverdacht steht?

Das beste ist natürlich, sich so weit es geht von den übrigen Hausbewohnern abzusondern und so wenig Kontakt wie nur irgend möglich zu haben. Das Robert-Koch-Institut (www.rki.de) gibt in seinem Flyer „Coronavirus-Infektion und häusliche Quarantäne“ detaillierte Ratschläge.

Welche Maßnahmen helfen noch, um sich vor einer Ansteckung zu schützen?

Wer sich an die allgemeinen Hygieneempfehlungen hält, kann das Risiko einer Ansteckung deutlich verringern. Neben regelmäßigem Händewaschen gilt es etwa auch, nicht direkt in die Hände zu husten oder zu niesen, aufs Händeschütteln zu verzichten und einen Abstand von mindestens eineinhalb, besser zwei Metern zu anderen Menschen einzuhalten.

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