Berlin/Elsfleth

Wirtschaftskrimi um die Gorch Fock

Autor: 
dpa
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20. Februar 2019
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Das Firmengelände der Elsflether Werft AG. Die neue Führung will versuchen, den Schiffbaubetrieb mit einer Insolvenz in Eigenverantwortung wieder auf Kurs zu bringen.

Das Firmengelände der Elsflether Werft AG. Die neue Führung will versuchen, den Schiffbaubetrieb mit einer Insolvenz in Eigenverantwortung wieder auf Kurs zu bringen. ©dpa - Helmut Reuter

Bei der vor zwei Jahren begonnenen Sanierung des Segelschulschiffs «Gorch Fock» kommt es immer schlimmer. Auf Planungsmängel, immer neue Verzögerungen und eine Kostenexplosion folgt nun der große Knall.

Die mit Unregelmäßigkeiten in die Schlagzeilen geratene niedersächsische Elsflether Werft AG - Auftragnehmer für die «Gorch Fock» - kündigte einen Insolvenzantrag an.

Die Kosten sind von ursprünglich veranschlagten 9,6 Millionen Euro auf eine Obergrenze von 135 Millionen Euro gestiegen. Knapp 70 Millionen Euro hat das Verteidigungsministerium für die Arbeiten, die inzwischen einem Neubau gleichkommen, bereits ausgegeben. Dann kamen Korruptionsvorwürfe und die Einsetzung eines Notvorstandes der Werft. Wo ist das Geld geblieben?

Die neue Werft-Führung wurde damit beauftragt, den Sachstand festzustellen und eine transparente Rechnung für den Fertigbau vorzulegen. Am Dienstag berichteten Werftvertreter dem Verteidigungsministerium über die finanzielle Lage. Sie kommt einem Wirtschaftskrimi gleich, bei dem es um Profiteure, ausgereichte Darlehen und ein branchenfremdes Firmengeflecht rund um die Werft gehen soll. Mit Ermittlungen sind bereits die Staatsanwaltschaften in Hamburg und Osnabrück beauftragt. Die neue Werftführung will versuchen, den Schiffbaubetrieb mit einer Insolvenz in Eigenverantwortung wieder auf Kurs zu bringen.

An der Elsflether Werft an der Weser ist es am Mittwoch ruhig, aber ein Schlagbaum und ein Schiebetor riegeln den Zugang doppelt ab. Die neue Lage trifft schon Zulieferer wie die Shiptech GmbH. Inhaberin Susanne Wiechmann hat Leute nach Bremerhaven zur Bredo-Werft geschickt. Dort liegt die «Gorch Fock» zerlegt im Dock. Die Männer sollten Brandmeldeanlagen einsammeln, die Shiptech für die Baustelle gemietet hat. Doch in Bremerhaven wird ihnen nach Wiechmanns Angaben der Zugang bereits verwehrt.

«Wir sind davon ausgegangen, dass die Werft darum herumkommt», kommentiert Shiptec-Mitarbeiter Carsten Stelling die Nachricht von der Insolvenz. «Das wird noch große Kreise ziehen», befürchtet er. Doch er ist ohnehin nur noch mit der Abwickelung von Shiptec beschäftigt. Wie immer es mit der Werft und der «Gorch Fock» weitergeht - Wiechmann muss ihre Firma schließen.

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«Am 15. Februar habe ich 17 Kündigungen ausgesprochen», sagt sie. Eine halbe Million Euro schulde ihr die Werft für Dienstleistungen wie Baustrom, Reinigung oder den Betrieb der Kantine. «Ich habe einen ganz kleinen Teil (des Geldes) das letzte Mal im Dezember bekommen.» Und die neue Führung der Elsflether Werft wolle die Verträge nicht fortsetzen, sagt Wiechmann, weil sie die Noch-Ehefrau des früheren Werftvorstands Klaus Wiechmann sei.

Die Opposition in Berlin warnt derweil, dass die «Gorch Fock» für den Steuerzahler noch teurer werden könnte. Als einer der ersten kommt am Mittwoch der Grünen-Politiker Tobias Lindner zur Sitzung des Haushaltsauschusses. Er erwartet, dass die Obergrenze von 135 Millionen nicht zu halten sein wird. Er spricht von einem «Faß ohne Boden» und fordert genau zu prüfen, was der Neubau eines Segelschulschiffs kosten würde.

«Klar ist, die Vorgänge um die Werft, die mutmaßlichen kriminellen Machenschaften, müssen aufgeklärt werden. Aber das kann dann nicht als Feigenblatt dienen, dass sich das Ministerium dann von seiner Eigenverantwortung reinwäscht», sagt Lindner. «Natürlich muss man die Frage stellen, wie diese Kostenexplosion zustande kommen konnte, warum die Ministerin in Entscheidungsvorlagen zweimal mit falschen Informationen versorgt worden ist.» Zusammen mit der FDP fordern die Grünen, den Bau des Schiffes auf Eis zu legen. Die Linke will einen Ende des Projektes «Gorch Fock».

Das fast 90 Meter lange, einst weiße Schiff galt in besseren Tagen als Stolz der Marine und war als «Deutschlands Botschafterin unter Segeln» in der Welt unterwegs. Im Jahr 2010 wurde es generalüberholt, Anfang 2016 eine Sanierung begonnen, die die Einsatzbereitschaft bis 2040 sichern sollte. Der Bundesrechnungshof bemängelt, die Ministerin sei aus ihrem Hause falsch über den Zustand informiert worden und habe so wirtschaftlich fragliche Entscheidungen getroffen.

Das Verteidigungsministerium signalisierte grundsätzliche Bereitschaft, das Schiff fertigzubauen. Jede Verzögerung kostet zusätzliches Geld. Pro Tag werden allein für das Dock in Bremerhaven 10.000 Euro fällig.

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