Urteil

Zehn Jahre Haft für islamistischen Rizin-Bombenbauer

Autor: 
dpa
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
26. März 2020
Die Polizei entdeckte in zwei Kölner Hochhauswohnungen ein Bomben- und Giftlabor. Foto: David Young/dpa

Die Polizei entdeckte in zwei Kölner Hochhauswohnungen ein Bomben- und Giftlabor. Foto: David Young/dpa ©Foto: dpa

Die Polizei entdeckte in zwei Kölner Hochhauswohnungen ein Bomben- und Giftlabor. Der erste Terroranschlag in Deutschland mit einem biologischen Kampfstoff wurde knapp vereitelt. Nun wurde ein 31 Jahre alter Islamist verurteilt.

Düsseldorf - Für den Bau einer Bombe mit dem biologischen Kampfstoff Rizin in Köln ist ein 31-jähriger Islamist zu zehn Jahren Haft verurteilt worden.

Das Düsseldorfer Oberlandesgericht sprach den Tunesier Sief Allah H. (31) am Donnerstag der Herstellung einer biologischen Waffe und Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat schuldig.

Zuvor war das Verfahren gegen die deutsche Ehefrau von H. abgetrennt worden. Das Gericht warf ihren Verteidigern Prozessverschleppung vor. Die Angeklagte hatte am Donnerstag eine 140 Seiten starke Aussage angekündigt. Das Paar soll gemeinsam an der Bombe gebaut haben, die Festnahme erfolgte am 13. Juni 2018.

"Sie wollten in der deutschen Bevölkerung ein Klima der Angst und Verunsicherung schaffen", sagte der Vorsitzende Richter Jan van Lessen. Die vom Paar beschaffte Menge an Rizinus-Samen hätte rechnerisch für potenziell 13.500 Tote genügt. Tatsächlich wären wohl durch die Verbreitung mit einer mit Stahlkugeln gefüllten Streubombe 200 Menschen oder weniger getötet worden.

Mit dem Urteil entsprach das Gericht der Strafforderung der Bundesanwaltschaft. Die Verteidiger hatten eine Strafe von maximal acht Jahren beantragt. In Tunesien hatte der 31-Jährige ohne Schulabschluss als Briefträger gearbeitet, bevor er die Deutsche Yasmin H. kennenlernte und 2016 nach Deutschland kam.

- Anzeige -

"Zum ersten Mal standen Angeklagte in Deutschland vor Gericht, die einen Anschlag mit einem biologischen Kampfstoff vorbereitet haben", so die Vertreterin der Bundesanwaltschaft. Der 31-Jährige habe im dicht besiedelten Köln-Chorweiler und in der Nähe seiner eigenen Kinder einen Anschlag mit einer biologischen Waffe vorbereitet.

Der Tunesier habe das Gift an einem Hamster ausprobiert und Testsprengungen auf einer Grünfläche unternommen. Er habe einen Treueeid auf den damaligen Anführer der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) geleistet und sich von IS-Hintermännern beim Bau der Bombe anleiten lassen. Zuvor habe er vergeblich versucht, sich in Syrien am Dschihad zu beteiligen. Das Ehepaar habe Tausende Rizinus-Samen gekauft und daraus das hochgiftige Rizin gewonnen.

Außerdem hätten sie 250 Stahlkugeln beschafft und Sprengstoff hergestellt. Diverse Zünder seien im Bau gewesen, als die Polizei zuschlug. Die Anschlagsvorbereitungen seien weit fortgeschritten gewesen. Die Streubombe hätte eine möglichst große Zahl Menschen in einem geschlossenen Raum töten sollen.

Der Tunesier hatte die Bombenbau-Aktivitäten zugegeben, aber bestritten, einen Anschlag in Deutschland geplant zu haben. Er habe sich lediglich Fertigkeiten für seine geplante Zeit beim IS aneignen wollen. Inzwischen lehne er alle terroristischen Gruppen ab, sagte der 31-Jährige am Donnerstag, bemerkte aber zugleich: "Der Dschihad ist nicht barbarisch, er ist im Islam eine Pflicht." Seine Verteidiger äußerten: "Er hat sich sicherlich schuldig gemacht, das streiten wir nicht ab."

Das Gericht ließ unterdessen keinen Zweifel daran, dass es auch die 44 Jahre alte Ehefrau und siebenfache Mutter Yasmin H. für schuldig hält. Es zitierte Zeugenaussagen von Nachbarinnen, wonach die Angeklagte zu ihrem Sohn gesagt habe: "Wenn du mal groß bist, wirst du auch Attentäter und kannst dich in die Luft sprengen." Und: "Wenn Allah sagt, wir sollen töten, dann töten wir."

Der Festnahme war ein Hinweis eines ausländischen Geheimdienstes vorausgegangen. Der Dienst hatten wegen der Online-Käufe der großen Mengen Rizinus Verdacht geschöpft. Das Bundesamt für Verfassungsschutz liegt nicht weit von den Wohnungen des Paares entfernt, in denen die Utensilien entdeckt wurden. Es wäre der erste Terroranschlag mit einer sogenannten ABC-Waffe in Deutschland gewesen.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Nachrichten

02.06.2020
Nachrichten
Die Bundesländer können im Kampf gegen die Corona-Pandemie über die schrittweise Öffnung des öffentlichen Lebens weitgehend in eigener Verantwortung entscheiden. Nach Pfingsten sind in einigen Ländern wieder mehr Dinge erlaubt. Hier der aktuelle Stand (Dienstag) der Lockerungen in den Ländern bei...
22.05.2020
Nachrichten
Eine 16-Jährige, die aus dem Großraum Offenburg stammt, ist in der Südwestpfalz von einem Kletterfelsen gestürzt und hat sich dabei schwer verletzt.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • High Performance Fitness: Im Mai hat das neue Studio mit über 900 Quadratmetern eröffnet.
    vor 7 Stunden
    Oberkirch-Zusenhofen: Von der Muckibude zum großen Fitnessstudio
    Zusenhofen hat ein neues Fitnessstudio. Die Huze Muskelschmiede am Wiesenbach bietet, was es sonst eher in Großstädten gibt: Öffnungszeiten rund um die Uhr und einen Gerätepark, bei dem neben den Gesundheitssportlern auch ambitionierte Kraftsportler auf ihre Kosten kommen.
  • 370 Mitarbeiter des Familienunternehmens J. Schneider Elektrotechnik fertigen am Standort Offenburg Produkte für die industrielle Stromversorgung – für Windräder, Fotovoltaikanlagen oder Papierfabriken.
    05.06.2020
    Serie "Wir sind systemrelevant"
    Serie „Wir sind systemrelevant“ – Ortenauer Firmen, die in der Corona-Krise unverzichtbar sind. Teil 22: Die J. Schneider Elektrotechnik aus Offenburg stellt Transformatoren her.
  • Fischer Küchen in Offenburg bietet auf 1100 Quadratmetern eine große Auswahl an Küchenideen.
    04.06.2020
    Aktuelle Trends in der Ausstellung auf 1100 Quadratmetern Verkaufsfläche
    29 Jahre Erfahrung in der Branche sowie der Anspruch an Professionalität und Qualität in Beratung, Planung, Materialien, Geräten oder Montage machen es möglich: Das Fischer Küchenatelier Offenburg verhilft den Kunden zum individuellen Küchentraum - maßgeschneidert, termingerecht und...
  • Mehr als 50 Attraktionen erwartet die Besucher bei Funny World in Kappel-Grafenhausen.
    29.05.2020
    KInderspielparadies in Kappel-Grafenhausen öffnet ab Freitag, 29. Mai, wieder / Tickets vorab reservieren
    Das In- & Outdoor Spieleparadies in Kappel-Grafenhausen öffnet ab Freitag, 29. Mai, wieder seine Tore für seine großen und kleinen Besucher. Ein besonderes Highlight zur Wiedereröffnung ist die neue Attraktion „mexikanischer Adler Flug“.